
Aktuelles Interview der lokalen Presse mit Reinhold Strobl zu den Themen "Mittelschule" und "Schulverbünde".

Aktuelles Interview der lokalen Presse mit Reinhold Strobl zu den Themen "Mittelschule" und "Schulverbünde".
Herr Strobl, wie stehen sie zur Mittelschule?
Kultusminister Spaenle will ab dem kommenden Schuljahr die Hauptschulen in so genannte Mittelschulen umbauen. Dafür sind allerdings komplizierte Schulverbünde einzelner Hauptschulen notwendig. Die Mittelschule soll – so wird immer wieder verkündet - ein starker Partner für die Zukunft sein. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Mittelschule um einen der vielen untauglichen Versuche, die Hauptschule zu retten. Tatsache ist: Seit der Einführung der R 6 treten immer mehr Kinder auf andere Schulen über.
War diese Entwicklung absehbar?
Ja. Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass – wenn nichts geschieht – Schulstandorte gefährdet sind. Bereits vor 2 Jahren hat das Schulamt eine Aufstellung vorgelegt, aus welcher hervorging, welche Standorte aufgrund der vielen Übertritte und des Geburtenrückgangs gefährdet sind. Da gehörte damals Schnaittenbach schon dazu. Da hätte man handeln müssen.
Aber die Mittelschule soll doch die Zukunft der Schulstandorte sichern – oder?
Leider Nein – das tut sie eben nicht. Richtig ist, dass die Eltern natürlich eine möglichst gute Bildung für ihre Kinder wollen. Das ist gut so. Allerdings leiden die Kinder unter einem enormen Übertrittsdruck. Die Eltern mit Kindern in der 4. Klasse und auch die Lehrer klagen uns immer wieder ihr Leid. Mit der Mittelschule wird sich das nicht ändern - im Gegenteil: Der Abschluss soll zwar mit dem der Realschule gleichwertig sein, er ist jedoch nicht gleich. Die Eltern werden ihre Kinder weiterhin auf das Original – die Realschule schicken. Es werden nur noch wenige Kinder an den bisherigen Hauptschulen bleiben. Daran wird auch eine Mittelschule nichts ändern. Die Situation wird sogar noch verschärft werden. In absehbarer Zukunft wird es nur noch 3 oder 4 Mittelschul-Standorte im Landkreis geben – in allen anderen Gemeinden nur noch Grundschulen.
Was bedeutet nun die Einrichtung einer Mittelschule für Schnaittenbach?
Im letzten Schuljahr sind 80 % der Kinder in Schnaittenbach in eine weiterführende Schule übergetreten. Von 40 Kindern blieben noch 8 an unserer Hauptschule. Kein Mensch fragt danach, was in diesen Kindern vorgehen mag – wie sie sich fühlen. Bei einer Mittelschule werden in Schnaittenbach und Hirschau so wie überall die Übertrittszahlen noch weiter ansteigen. Wir werden automatisch zu einem zweigliedrigen Schulsystem kommen. Allerdings wird das dann so sein, dass diese Schulen in anderen Städten sind und die Kinder aus den beiden Kaolinstädten dort hinfahren müssen. Es ist ja interessant, dass es in beiden Städten gemeinsam noch fast 300 Kinder an den Grundschulen gibt und 400 bis 500 Kinder täglich zu Schulen in Amberg, Sulzbach-Rosenberg und Nabburg fahren.
Welche Lösung würden sie zum Erhalt der Hauptschule vor Ort vorschlagen?
Ich war in den letzten Jahren an Schulen in Südtirol, in Sachsen und Schleswig-Holstein unterwegs. Ich habe mit Bildungspolitikern aus Finnland und mit Lehrern, die aus dem Ausland zurückgekommen sind, gesprochen. Überall in Europa (nur noch in wenigen Bundesländern Deutschlands und Österreichs nicht) gibt es z.B. eine längere gemeinsame Schulzeit. Der Handwerkstag von Baden-Württemberg spricht sich ebenso für eine längere Schulzeit und eine Bildungsreform aus wie viele Lehrer- und Elternverbände. Die Bürgermeister aller Parteien im Landkreis Dachau haben dem Kultusminister einen Brief geschrieben und dort deutliche Worte zur Bildungspolitik in Bayern gefunden. Die Staatsregierung beharrt jedoch auf ihrem Schulsystem, obwohl es auch anders geht – übrigens mit guten Lernerfolgen und Pisa-Ergebnissen.
Wie soll es nun weitergehen?
Ich würde vorschlagen, dass die beiden Städte Hirschau und Schnaittenbach in einem Brief an den Kultusminister auf die besondere Situation bei uns aufmerksam machen (Entfernung zu den Schulstandorten, die große Anzahl von Schülern und die Bedeutung der Schulen für die beiden Kaolinstädte) und ein Modellprojekt beantragen sollten. Warum soll es nicht möglich sein, dass die Kinder vor Ort unterrichtet werden und an dieser Schule auch verschiedene Abschlüsse gemacht werden können? Nach Eingang der Antwort und nach Vorliegen eines Mustervertrages (kein Mensch stimmt einem Vertrag zu, den er noch nicht gesehen hat) muss dann weiter entschieden werden. Das Wohl der Kinder und eine gute Bildung muss dabei im Vordergrund aller Entscheidungen stehen.
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