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45000 Euro für den Matsch: Debatte über teure Spielplatz-Erweiterung

Veröffentlicht am 13.04.2021 in Kommunalpolitik

Gute Nachrichten für Kinder, schlechte für den städtischen Geldsäckel: Die Spielplätze im Bürgerpark sollen um eine Seilbahn und eine Matschanlage erweitert werden – für 45000 Euro. Bedenken gibt es wegen Vogelkot und möglichen Keimen im Wasser.

Schon in der Februar-Sitzung des Stadtrates hat sich die SPD-Fraktion dafür stark gemacht, die beiden Spielplätze im Sulzbacher Stadtpark zu erweitern. Der Kinderspielplatz auf der Wiese gegenüber dem Bahnhof soll für 20000 Euro eine neue Seilbahn bekommen, so der Antrag der Sozialdemokraten.
Für den Kleinkinderspielplatz an der Neumarkter Straße wiederum lautet der Vorschlag, eine Matschanlage mit Pumpe zu installieren.

Die allein hierfür veranschlagten Kosten für 45000 Euro sorgten in der jüngsten Sitzung des Gremiums für Diskussionen.
Die Finanzierung der neuen Rutsch-Seilbahn mit Kunstrasen als Fallschutz-Unterlage, ist bereits im vergangenen Jahr für den Haushalt 2021 beantragt – eine endgültige Genehmigung und Umsetzung erscheint als Formsache.

Anders gestaltet sich dies bei der von der SPD beantragten Matschanlage für den zweiten Spielplatz im Bürgerpark auf der Bahnhofswiese. Weil es sich hierbei um einen wichtigen und großen Spielplatz handelt, betonen alle Fraktionen den Wert der Anlage für die Attraktivität der Stadt bei jungen Familien. Schon 2018 wurden dort deshalb die Sand-Tische erneuert und das Kletter-Spielhaus für 12500 Euro modernisiert.

Pumpe, Sträucher, Tiefbau

Nun soll auf einer circa 35 Quadratmeter großen Rasenfläche neben der silbernen Rutsche eine Matschanlage entstehen.

Abbildung als Beispiel:

In dem laut Entwurf später einmal mit Granitsteinen eingefassten Bereich sollen Kinder per Pumpe das Wasser selbst herleiten und im befeuchteten Sand-Matsch spielen können. Die hohen Kosten von 45000 Euro brutto setzen sich laut SPD-Antrag aus dem Trinkwasseranschluss (5000 Euro), der Matschanlage inklusive Pumpe (10000 Euro) und der vom Bauhof mit circa 30000 Euro veranschlagten „Tiefbaumaßnahme mit neuer Planie, Rasenansaat und Sträuchern“ zusammen.

Zulauf aus Rosenbach zu riskant

Theoretisch wäre zwar möglich, die Anlage auch – deutlich kostengünstiger – per Zulauf vom Rosenbach zu speisen, im Antrag wird aber ein eigener Trinkwasseranschluss wie folgt begründet: „Man muss gerade auf einem Kleinkinderspielplatz damit rechnen, dass die Kinder das Wasser auch trinken.“
Dass dafür aber fast 50000 Euro ausgegeben werden sollen, kritisierte Hans-Jürgen Reitzenstein (FDP/FWS) in der anschließenden Debatte. Er gab zu bedenken: „Eine Matschanlage mit Trinkwasser zu speisen, ist etwas, das wir angesichts der heutigen Umweltdebatte besprechen sollten.“
Ebenfalls auf die Trinkwasservorgabe Bezug nehmend, sagte Patrick Fröhlich: „Für einen Matschspielplatz ist das ganz schön teuer.“ Der CSU-Fraktionsvorsitzende plädierte dafür, den Antrag in den Bauausschuss zu verweisen, um weitere Punkte näher zu diskutieren.

„Dort braucht es mehr Schatten. Wir sollten außerdem die Eltern an der Gestaltung beteiligen.“ Die gleiche Argumentation verfolgte Wolfgang Berndt von den Linken, der eine stärkere öffentliche Beteiligung fordert. „Niemand weiß besser, was Kinder wollen, als deren Eltern.“

Keime wegen Vogelkot

Kritik äußerte Yvonne Rösel. Die Grünen-Politikerin lobte den Ausbau der Spielplätze für die Familien, insbesondere die neue Seilbahn sei gut. Aber: „Ich habe Bedenken mit einer Matschanlage an dieser Stelle, weil sie ein Gefährdungspotenzial für Kinder enthält.“ Rösel fürchtet Keime im Wasser bei heißen Sommer-Temperaturen. „Die Vogelgrippe und die Schweinepest halten bei uns Einzug. Und gleich nebenan ist der Stadtpark-Weiher mit Enten und Schwänen.“ Der Kot der Tiere könnte in die Spielanlage gelangen und das Trinkwasser verunreinigen. Die Stadträtin schlug deshalb vor, die Matschanlage im Waldbad zu errichten. „Dort wären gleich Duschen für die Hygiene nebenan“, sagte sie.


SPD-Fraktionschef Joachim Bender hielt diese Befürchtungen für sichtlich übertrieben. „Wir waren alle mal Kinder, bitte übertreiben wir es nicht.“Auch im Waldbad gäbe es Vögel – und damit potenziell Risiken. Einer gesonderten Eltern-Beteiligung erteilte er eine Absage:
„Die neue Seilbahn ist nur eine kleine Ergänzung zum bereits bestehenden Spielplatz – da brauchen wir doch keine Extra-Beteiligung.“

Finanzierung noch unklar

Auch die Finanzierung der Matschanlage am Kleinkinderspielplatz nahe der Neumarkter Straße ist noch sehr unklar. Weil im laufenden Jahr bereits die Kosten für die Seilbahn am Spielplatz im Ostteil des Bürgerparks, der Niederseilgarten in der Oberen Wagensass, der Spielplatz in der Blumenau und die Aufwertung in Kempfenhof geplant sind, sollen die Kosten hierfür erst für den Haushalt 2022 angemeldet werden.

Mit vier Gegenstimmen verwies eine Stadtratsmehrheit den Antrag zur weiteren Debatte in den Bauausschuss.

Meinung:                      

Von Tobias Gräf       
Kontakt: tobias.graef@oberpfalzmedien.de

"Zu viel Geld für den Matsch
Welchem Kind macht es keinen Spaß, mit Wasser zu pritscheln, Sand zu formen, eine Sauerei im Matsch zu veranstalten?
Ganz klar: Die von der SPD vorgeschlagene Matschanlage im Stadtpark-Spielplatz ist bestimmt eine gute Sache. Und ein klares Bekenntnis zu Familien mit Kindern in der Stadt.
Aber sollen dafür wirklich 45000 Euro ausgegeben werden? Das ist der
Gegenwert eines neuen Mittelklasse-Kombis. Jeder Bürger, der seine Kindheit auch nur in einem annähernd ländlichen Umfeld verbracht und als kleiner Knirps jeden Abend mit dreck und matschverschmierter Hose nach Hause gekommen ist, weiß, dass es ein solches Spielerlebnis auch kostenlos auf der Wiese, im Wald oder am Bach nebenan gibt.
Angesichts der enormen Belastungen der Coronapandemie wirkt die Debatte um die überteuerte Matschanlage deshalb unangemessen. Die
Sulzbach-Rosenberger Gewerbesteuereinnahmen brechen unter dem
Druck der wirtschaftlichen Krise deutlich ein. Erstmals seit Jahren muss die Schuldentilgung ausgesetzt und müssen neue Verbindlichkeiten aufgenommen werden.

Etliche Bauprojekte und Investitionen müssen in die Zukunft geschoben oder abgespeckt werden, weil das Geld längst nicht mehr so locker sitzt wie vor der Krise. Außer offenbar beim Matsch."

Stellungnahme SPD-Ortsverein:

Sehr geehrter Herr Gräf,

 es freut mich, dass Sie in ihrem Kommentar schreiben:

"Welchem Kind macht es keinen Spaß, mit Wasser zu pritscheln, Sand zu formen, eine Sauerei im Matsch zu veranstalten? Ganz klar: Die von der SPD vorgeschlagene Matschanlage im Stadtpark-Spielplatz ist bestimmt eine gute Sache. Und ein klares Bekenntnis zu Familien mit Kindern in der Stadt."

Hintergrund des Antrags der SPD war, dass von Eltern immer wieder der Wunsch geäußert wurde, doch für kleinere Kinder etwas mit Wasser zu machen.

Daraufhin haben wir bei Spielplatzherstellern  recherchiert und Vorschläge gemacht, wie so etwas aussehen könnte. Vgl. Bilder in der Anlage.

Diese kosten keine 45.000 Euro!

Die Sachdarstellung der Verwaltung veranschlagt für den Wasseranschluss 5.000 Euro, die Matschanlage 10.000 Euro und Kosten Bauhof 30.000 Euro.

Es wäre zu hinterfagen, was die 30.000 Euro Bauhofkosten ausmacht, meiner Meinung nach wird der Vorschlag totgerechnet, weil man ihn eventuell nicht haben will.

Sie schreiben weiter:

"Jeder Bürger, der seine Kindheit auch nur in einem annähernd ländlichen Umfeld verbracht und als kleiner Knirps jeden Abend mit Dreck und matschverschmierter Hose nach Hause gekommen ist, weiß, dass es ein solches Spielerlebnis auch kostenlos auf der Wiese, im Wald oder am Bach nebenan gibt."

Nun, im Bach nebenan spielen, ist auf Grund der Böschung und Strömung und Tiefe für kleine Kinder sicher nicht möglich.

Aber wenn Kinder im Bach spielen können, warum brauch ich dann einen Trinkwasseranschluss?

Der ist von der SPD nie gefordert worden! Wir haben an eine Zisterne gedacht, welche von der Gärtnerei bei Bedarf aufgefüllt wird.

Es ist ja nicht so, dass das Wasser in Strömen permanent läuft, sondern nur, wenn in den Matschtischen Nachschub notwendig ist.

Auch scheint mir, dass manche  Stadträte in der Diskussion an der Sache vorbeiargumentieren bzw. gar keine Vorstellung haben, wie eine Matschanlage aussieht, denn wie soll Kot der Enten das Trinkwasser verunreinigen, wenn es aus einer Leitung kommt?

Diese "Matschanlage im Waldbad zu errichten"( Rösel Yvonne), wo schon eine ist, halt ich nicht für zielführend, denn beim kleinen Spielplatz im Stadtpark herrscht Handlungsbedarf!

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Steiner

stellv.. SPD-OV-Vorsitzender

 

 

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