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Attac eröffnet das Bankentribunal

Veröffentlicht am 11.04.2010 in Europa

Die Geschäftspraktiken der Finanzwelt ließen die Menschheit erst vor wenigen Monaten in den Schlund einer Weltfinanzkrise blicken. Die Krise wurde abgewendet, doch der Preis war und ist sehr hoch. Während jeder Pferdedieb und Falschparker gnadenlos für seine Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen wird, gingen die Verursacher der Krise, die weltweit Billionenwerte vernichtet hat, jedoch straf- und zivilrechtlich tadellos aus der Sache hervor.

Wenn sich die Wirtschaft schnell wieder fängt und prosperiert, werden „nur“ Generationen für diese Krise zahlen – direkt in höheren Preisen und indirekt durch höhere Steuern und zurückgefahrene Leistungen des Staates. Erholt sich die Wirtschaft nicht so schnell oder stürzt die Finanzwelt die reale Welt abermals in eine tiefe Krise, könnten Dystopien Realität werden – das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Schuld an der Krise haben jedoch nicht nur die Nieten in Nadelstreifen. Wir waren es, die den Bankern die Jetons für das Finanzcasino zusteckten, und die von uns legitimierten Politiker waren es, die das Finanzcasino überhaupt erst genehmigten – lange bevor sie es vor dem sicheren Einsturz retten mussten. Während jeder Pferdedieb und Falschparker gnadenlos für seine Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen wird, gingen die Verursacher der Krise, die weltweit Billionenwerte vernichtet hat, jedoch straf- und zivilrechtlich tadellos aus der Sache hervor. Zwar hat man sich ein paar Bauernopfer – Tölpel, die zu dumm für ihr eigenes System waren – ausgesucht, denen man stellvertretend die Schuld in die Schuhe schob. Die Herren der Glaspaläste in Frankfurt, London und New York thronen jedoch heute selbstherrlicher und sicherer in den Schaltzentralen der Wirtschaftsmacht als je zuvor. Denn – und das ist die eigentliche Folge der Krise: seit letztem Jahr garantiert der Staat, und damit wir, die Steuerzahler, implizit und teils sogar explizit für die Risiken, die Banken ansonsten für teures Geld versichern müssten. Noch nie war Zocken so einfach: Setze auf Zahl und wenn Deine Zahl kommt, hast Du Deinen Einsatz verfünfunddreissigfacht. Rollt die Kugel auf eine andere Zahl, kriegst Du Deinen Einsatz vom Steuerzahler zurück – Les jeux sont fait, rien ne và plus.
Quelle 1: Spiegelfechter

Anmerkung: Nicht “wir” waren es, die “den Bankern die Jetons für das Finanzcasino zusteckten”. Ein Blick in die Verteilung des Nettovermögens (Bruttovermögen abzüglich Schulden) der erwachsenen Bevölkerung zeigt: Die oberen 20 Prozent der Bevölkerung verfügen über 80,1 Prozent des Nettovermögens. Die “unteren” 60 Prozent der Bevölkerung, welche über lediglich 2,8 Prozent des Nettovermögens verfügen, dürften mangels Masse in den allermeisten Fällen neben dem sprichwörtlichen “Notgroschen” nicht über entsprechende Spekulations-”Jetons” verfügen.

 

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