Die Projektgruppe „Zwangsarbeit“ e.V lädt zu einer Ausstellungeröffnung am 25.5.2012 19:00 Uhr im Grossen Rathaussaal Sulzbach-Rosenberg über die Zwangsarbeit zur NS-Zeit ein, auf welche wir aufgrund des Themas hier sehr gerne Hinweisen.
Einladung zum Ausstellungsprojekt „Sulzbach-Rosenberg unterm Hakenkreuz – NS- Zwangsarbeit im ländlichen Raum“ :
Russische, ukrainische und weißrussische Kinder, Jugendliche und Frauen, polnische
Schüler, französische Studenten, belgische Industriearbeiter, Kriegsgefangene aus besetzten Ländern. Häufig demütigend behandelt, schlecht ernährt, oft ohne Lohn, leisteten zwanzig Millionen Menschen aus ganz Europa während des zweiten Weltkriegs für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit.
Viele ehemalige Zwangsarbeiter leben heute nicht mehr oder sind schon über 80 Jahre alt.Nicht mehr lange können sie den jüngeren Generationen über ihr Schicksal berichten.
Um aber das ganze Ausmaß der Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verstehen, die während der NS- Zeit in und durch Deutschland begangen wurden, helfen die persönlichen Erinnerungen der Opfer- aber auch der Tätergenerationen.
Die Projektgruppe „Zwangsarbeit“ e.V., deren Mitglieder Journalisten, Historiker, Lehrer, Künstler, engagierte Studenten und Bürger aus Berlin und der Oberpfalz sind, zeigt zum dritten Mal Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit. Nach Ausstellungen in Maxhütte- Haidhof und Schwandorf im Jahr 2010 dokumentiert der Verein dieses Mal die Geschichte der NS-Zwangsarbeit in Sulzbach-Rosenberg.
Dass die Wahl auf Sulzbach-Rosenberg fiel, erfolgte nicht ohne Grund. In Sulzbach-
Rosenberg befand sich das Hauptwerk der Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte -
während der NS- Zeit tragende Säule im Rüstungskonzern des Siegerländers Unternehmer Friedrich Flick. Noch im Sommer 2009 begann in den Städten Maxhütte- Haidhof, Teublitz und Schwandorf eine Diskussion über den Umgang mit der Person Friedrich Flick, dem Großunternehmer, NSDAP- Mitglied und in Nürnberg verurteilten Kriegsverbrecher, der dennoch das Bundesverdienstkreuz bekam. Von der Arbeit Tausender für seine Betriebe angeforderten Zwangsarbeiter mehrte er sein Vermögen. Und trotz dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist gerade hier in der Oberpfalz der Name Flick positiv besetzt. Immer noch sind Straßen (in Sulzbach-Rosenberg gibt es sogar ein Friedrich Flick- Fußballstadion) in den Kommunen nach seinem Namen benannt. Wann trauen sich die Stadträte, eine Umbenennung in die Wege zu leiten?
Die Projektgruppe leistet in der Region eine Pionierarbeit. In Archiven vor Ort wurden noch nicht ausgewertete Dokumente gesichtet und noch nie öffentlich gezeigte Fotografien ausgewertet. Einzelne Schicksale wurden wieder nah und lebendig.
Im Laufe der Recherchen in Polen, Tschechien, der Ukraine und Weißrussland konnten ehemalige Zwangsarbeiter gefunden werden. Zwei ehemalige Hüttenarbeiter, die als Kinder nach Deutschland verschleppt wurden, erzählten ihre Schicksale. An die Zeit zurückdenkend konnten sie die Tränen nicht unterdrücken.
Zur Ausstellung im Mai wurden Zeitzeugen eingeladen. Aufgrund des Alters können aber leider nur wenige der Einladung folgen.
Die Vereinsmitglieder Hermann Heimann und Tatjana Reshchynska waren für die
Recherche in den örtlichen Archiven tätig. Aus mehreren Metern Akten konnten sie viele Dokumente ziehen, die uns heute zum ersten Mal einen Einblick in die Zeit des
Nationalsozialismus in der unmittelbaren Nachbarschaft geben. Gespräche mit Zeitzeugen, Fotografien und Dokumente werden in der Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt.
Zur Ausstellung, die am 25. Mai 2012 um 19 Uhr im Großen Rathaussaal in Sulzbach-
Rosenberg eröffnet wird, sind alle Interessenten herzlich eingeladen.