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Biogasanlagen

Veröffentlicht am 27.09.2011 in Allgemein

Biogas-Erzeugung vorrangig aus Reststoffen.
Wegen der begrenzten Fläche ist bei der Energieerzeugung aus Biomasse die Verwendung von Reststoffen aus der Landwirtschaft (z.B. Gülle) und der Landschaftspflege (z.B. Schnittgut) am sinnvollsten. Die aktuelle Förderung führt jedoch in der Praxis zu immer mehr konventionellem Maisanbau mit immer engeren Fruchtfolgen und hohem Pestizid- und Düngereinsatz, was die Gesamtenergiebilanz der Biomasse verschlechtert.

Die Nutzung von Reststoffen muss daher stärker über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) belohnt werden. Dies gilt auch für den Einsatz von Gülle aus bäuerlichen Betrieben. Gülle aus Massentierhaltungsanlagen muss von der Förderung ausgeschlossen sein.

Biogas-Anlagen: Kraft-Wärme-Kopplung muss Priorität haben
Biogas ist eine gute Möglichkeit der dezentralen Energieversorgung. Die Produktion der Biomasse muss jedoch im Einklang mit der Umwelt erfolgen. Sinnvoll ist aus Sicht des BUND z.B. der Anbau verschiedener Kulturen gleichzeitig (Mischkulturen) und der Anbau von Zwischenfrüchten. Beides fördert die Artenvielfalt und verbessert gleichzeitig das Landschaftsbild. Allerdings muss dafür auch der Anreiz über eine gezielte (attraktive) Energievergütung stimmen. Durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) – also die Umwandlung von Biomasse in Strom und Wärme – kann Biomasse am effizientesten genutzt werden.

Anti-Biogas-Bewegung
In vielen Dörfern gibt es inzwischen eine regelrechte Anti-Biogas-Bewegung. Oft wehren sich BUNDgruppen gegen die fortschreitende "Vermaisung" und damit Verarmung des Mosaikes unserer Agrarlandschaft. Die ungebremste Maisausweitung wird von vielen als eine Form der Versiegelung von Flächen bezeichnet.

Nicht Biogas, sondern "gute fachliche Praxis" ist das Problem

Bisherige Flächenanteile der nachwachsen­den Rohstoffe zur Biogas-Erzeugung, Quelle: Statistisches Bundesamt 2007

Aus Sicht des BUND ist nicht die Biogaserzeugung an sich das Problem, sondern mit welchen Rohstoffen Biogas erzeugt wird. Wir brauchen Biogas nach wie vor für die Energiewende. Die bestehenden Biogasanlagen in Deutschland produzieren bereits so viel Strom wie zwei durchschnittliche Atomkraftwerke. Noch gibt es gewaltige Reststoffpotentiale an Biomasse, die noch nicht zur Energiegewinnung genutzt werden. Zahlreiche verschiedene Anbaufrüchte wie Wildkräutermischungen und auch Grünland bringen beachtliche Mengen Biogas und können im Einklang mit umweltgerechter Landwirtschaft gewonnen werden.

Leider fehlen bisher verbindliche Vorgaben für die Fruchtfolge. Daher macht der BUND bei der EEG-Novelle 2011 und bei der anstehenden Agrarreform Druck für eine deutliche Verbesserung der "guten fachlichen Praxis" und der gesetzlich verpflichtenden Mindeststandards in der Landwirtschaft.

Bundesregierung: unverantwortliche Mehrfachverplanung unserer Äcker
Die Bundesregierung scheint das Problem zu ignorieren. Im Biomasseaktionsplan will sie die stoffliche Verwertung gewaltig ausweiten, die Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen ebenso. Das Landwirtschaftsministerium setzt gleichzeitig auf den Ausbau der Fleisch- und Milchproduktion für den Export. Mit jährlich 10 Millionen Euro und erst kürzlich neu entsandten Agrardiplomaten will Agrarministerin Ilse Aigner in Ländern außerhalb der EU die Grenzen öffnen für Tiefkühl-Fleisch und Milchpulver aus deutschen Landen.

Der BUND sieht darin eine unverantwortliche Mehrfachverplanung der deutschen Agrarfläche und der Anbaufläche in den Ländern des Südens. Schon heute liegt die Futterfläche für unsere Intensivtierhaltung zu einem Fünftel am Amazonas und in anderen Weltteilen und verdrängt dort Lebensmittelanbau und Artenvielfalt. Daher steht die Wachstumsideologie der Agrarindustrie und der Bundesregierung im glatten Widerspruch zu den Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung wie etwa dem Schutz der Biodiversität.

Fazit: Nicht Biogas ist der Feind der Vielfalt im Feld, sondern fehlende Umweltschutzregeln für die landwirtschaftliche Praxis.

Die Biogaserzeugung kann im Vergleich zu den anderen konventionell üblichen Investitionsvorhaben kurzfristig von Mais auf andere Rohstoffe umgestellt werden. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und in der Guten Fachlichen Praxis müssen verbindliche Fruchtfolgeabstände vorgegeben werden, so dass Mais höchstens alle drei Jahre auf einer Fläche wächst.

Der Nawaro-Bonus muss abgesenkt werden und sollte nur bei einer Fruchtfolge von mindestens vier verschiedenen Feldfrüchten gewährt werden, um die Vorzüglichkeit von Reststoffen zu erhöhen. Gleichzeitig muss Biogas-Großprojekten, die auf Anbaubiomasse statt auf Reststoffen basieren, ein Riegel vorgeschoben werden.

Zudem brauchen wir eine Proteinstrategie mit dem Ziel, Import-Soja durch heimische Eiweißpflanzen zu ersetzen, wie das Europäische Parlament sie derzeit unter Beratung von FoEE und BUND diskutiert. Der BUND fordert dazu einen Anteil von 20 Prozent Eiweißpflanzen in der Fruchtfolge. Proteinpflanzen wie Ackerbohnen und Erbsen würden dann automatisch ein Mehr an Vielfalt auf die Äcker bringen – und dazu beitragen, den Regenwald zu schonen. Der Landschaftspflege-Bonus im EEG wird derzeit auch in Einzelfällen für den Maisanbau auf Naturschutzflächen gezahlt. Diese Praxis muss unverzüglich gestoppt werden.

Bürgerbüro
Reinhold Strobl, MdL (SPD)
Birkenweg 33
92253 Schnaittenbach

Tel. 09622 - 70 36 36
Fax: 09622 - 70 36 35
Internet: www.reinhold-strobl.de

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