Der Niedriglohnsektor in Deutschland hat inzwischen nahezu die amerikanische Größenordnung erreicht - öffentlich ermöglichte Armut und Demütigung arbeitender Menschen!
Der Niedriglohnsektor in Deutschland hat inzwischen nahezu die amerikanische Größenordnung erreicht - öffentlich ermöglichte Armut und Demütigung arbeitender Menschen!
Die Ausweitung des Niedriglohnsektors
Als Deutschland in den 90er Jahren begann, intensiver über den Ausbau des sogenannten Niedriglohnsektors nachzudenken, waren die entsprechenden Voraussetzungen bereits geschaffen. 13 bis 14 Prozent aller Beschäftigten arbeiteten auch in den Wachstumszeiten der alten Bundesrepublik unter Bedingungen, die sie von der allgemeinen Einkommens- und Wohlstandsentwicklung abkoppeln mussten. Allerdings blieb ihr Anteil über viele Jahre vergleichsweise konstant, da sich die Gruppe vorwiegend aus Geringqualifizierten und Teilzeitkräften zusammensetzte und so ein fest umrissenes Segment auf dem deutschen Arbeitsmarkt bildete.
In den letzten gut zehn Jahren hat sich an dieser Situation Entscheidendes geändert. Der Billiglohnsektor ist in Deutschland so stark gewachsen wie in kaum einem anderen Industriestaat und erreicht mit gut 22 Prozent derzeit fast den Vergleichswert der Vereinigten Staaten. Doch während in Amerika etwa 70 Prozent der Geringverdiener keinen oder lediglich einen High School-Abschluss vorweisen können, sind Niedriglohnbeschäftigte hierzulande in rund drei Viertel aller Fälle gut ausgebildet und qualifiziert. Folgerichtig hat der Niedriglohnsektor eine ungeahnte Sogwirkung auf angrenzende und höhere Einkommensgruppen entfaltet und betrifft mittlerweile auch immer mehr Vollzeitbeschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung.
Zu diesem Ergebnis kommt die Studie “Niedriglohnbeschäftigte auf der Verliererseite”, die Gerhard Bosch, Thorsten Kalina und Claudia Weinkopf im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt haben. Die Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen stützen ihre Thesen auf Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) und des Beschäftigtenpanels der Bundesagentur für Arbeit.
Mit Blick auf die deutsche Politik sprechen Bosch, Kalina und Weinkopf explizit von einer “gewollten Ausweitung des Niedriglohnsektors” mit Hilfe zahlreicher Strukturmaßnahmen im Zusammenhang der “Hartz-Reformen”. Um weiteres Lohndumping und eine Verschärfung der sozialen Gesamtlage zu verhindern, müsse nun “politisch umgesteuert” werden, meinen die Wissenschaftler. Sie plädieren deshalb nicht nur für einen gesetzlichen Mindestlohn, sondern auch für die Aufhebung des bisherigen Sonderstatus der Minijobs und ihre schnelle Eingliederung in das System der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse. Darüber hinaus soll die gleiche Bezahlung von Leiharbeitskräften und die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen angestrebt werden.
Quelle: Telepolis
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