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Bsirske kritisiert “mafiöse Strukturen”

Veröffentlicht am 25.02.2019 in Arbeit & Wirtschaft

“Unternehmen wie Hermes engagieren Firmen, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland in die Lieferfahrzeuge setzen.” (…)
Viele hätten gefälschte Pässe, sagte Bsirske. “Da werden Stundenlöhne von 4,50 Euro oder sechs Euro gezahlt und das bei Arbeitszeiten von zwölf oder sogar 16 Stunden pro Tag.”

Der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, hat kriminelle Machenschaften beim Paketversand angeprangert. “In der Paketzustellbranche haben sich zum Teil mafiöse Strukturen etabliert”, sagte Bsirske den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. “Unternehmen wie Hermes engagieren Firmen, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland in die Lieferfahrzeuge setzen.” (…)
Viele hätten gefälschte Pässe, sagte Bsirske. “Da werden Stundenlöhne von 4,50 Euro oder sechs Euro gezahlt und das bei Arbeitszeiten von zwölf oder sogar 16 Stunden pro Tag.” Das Problem werde größer, je mehr die Branche der Paketzusteller boome.
Der ver.di-Chef fordert Regierung und Gesetzgeber zum Handeln auf. “Die Politik muss auch in der Paketbranche die sogenannte Nachunternehmerhaftung einführen”, sagte Bsirske. “Das bedeutet, dass der eigentliche Auftraggeber für die korrekten Arbeitsbedingungen bei allen Subunternehmern verantwortlich ist.” Das gebe es bisher nur in der Bau- und in der Fleischbranche.
Die kritisierten Unternehmen ließen die ver.di-Äußerungen nicht unwidersprochen. Man lasse sich von all seinen Servicepartnern vertraglich zusichern, “dass sie sich vollumfänglich an gesetzliche Vorgaben – insbesondere die Verpflichtung zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns – halten”, sagte eine Hermes-Sprecherin.
Quelle: tagesschau.de

 

Anmerkung Christian Reimann: Weshalb wird die Nachunternehmerhaftung eigentlich nicht generell für alle Branchen eingeführt? Aber selbst wenn sie demnächst auch in der Paketbranche eingeführt werden sollte: Fehlt es nicht z.B. am Personal für entsprechende (Zoll-)Kontrollen?

Dazu: Gleiches Geld für gleiche Arbeit
Die gleichen Chancen wie ihre europäischen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern, die haben rumänische oder bulgarische Wanderarbeiter auf den Baustellen in Frankfurt am Main längst noch nicht. Zwei von ihnen haben sich entschlossen, über ihre Arbeitsbedingungen zu sprechen. Michael Baumgarten vom „Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen“ hat den Kontakt vermittelt. Die beiden Rumänen wollen anonym bleiben. Michael Baumgarten übersetzt:
„Sie arbeiten auf dem Bau als Maurer, Bautischler, Einschaler, Eisenbieger und er arbeitet auch noch als Kranfahrer.“ (…)
Mehr als das Doppelte als in ihrer Heimat verdienen die Rumänen auf den Baustellen im Rhein-Main-Gebiet, erzählen sie. Dennoch werden sie von der Firma, die sie angestellt hat, betrogen. Denn diese Firma zahlt ihnen einen Teil ihres Lohns schwarz aus und spart sich damit einen Teil der Sozialleistungen für die Rumänen.
„Sie sind in einem System beschäftigt, das von Serben dominiert wird, von serbischen Staatsangehörigen. Sie arbeiten in der Regel zehn Stunden pro Tag. Und sie sind in einem System der Schwarzarbeit, wo so 50:50 herrscht. Das heißt, ein Teil des Lohns wird offiziell gezahlt, auf das Konto mit Lohnabrechnungen, und ein Teil wird schwarz bezahlt. Und so kommen sie in der Woche auf 55 Stunden und haben also durch dieses System keine Ansprüche auf Rente, verlieren Ansprüche auf Rente, verlieren Ansprüche auf Lohnfortzahlung und bekommen auch keinen Urlaub.“
Robert Feiger ist Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt – kurz IG BAU. Die Gewerkschaft setzt nun stark auf die Europäische Union, wenn es darum geht, die Ausbeutung europäischer Wanderarbeiter auf deutschen Baustellen zu stoppen. Es geht um die Unterbringung und auch um Tariflöhne. Das rechtliche Instrument ist die so genannte „Entsenderichtlinie“ der EU.
Quelle: Deutschlandfunk

 

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