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CSU entdeckt die Frauenquote

Veröffentlicht am 04.10.2010 in Landespolitik

Manchmal dauert es bei der CSU ein bisschen länger - das Grundgesetz hat die Partei nach ihrer ablehnenden Haltung doch noch anerkannt, den Irak-Krieg nach ihrer ersten Begeisterung mittlerweile als Krampf bezeichnet - jetzt hat die Partei die Frauenquote entdeckt. Guten Morgen, liebe CSU! Wie habt ihr doch damals geätzt, als die SPD diesen wichtigen Schritt unternahm?

Die SPD beschloss 1988 eine 40-Prozent-Geschlechterquote für Ämter und Mandate. Das heißt, mindestens 40 Prozent der Kandidaten auf einer SPD-Wahlliste sollen weiblich sein. Damit wird sichergestellt, dass sich die Partei um kompetente Frauen bemüht und ihnen die Chance gibt, sich einzubringen. Das war in unserer Gesellschaft lange Zeit ein Problem. Viel zu oft bestimmten Männer, wo der Hase läuft - nicht selten führte der Weg in den Abgrund.

Üble Angriffe aus der CSU

Übel waren die Angriffe der CSU, als die SPD die Frauenquote beschloss. Politiker, die sich ansonsten gerne als gebildet und seriös ausgaben, ließen sich zu groben Unflätigkeiten hinreißen. Viele CSUler bis hinunter in die Ortsverbände kanzelten die Kandidatinnen der SPD als inkompetent und unqualifiziert ab - ganz nach dem Motto: Was sucht eine Hausfrau im Gemeinderat? Wir meinen nach wie vor, dass in einer parlamentarischen Demokratie alle Bevölkerungsschichten in den entscheidenden Gremien vertreten sein sollten. Oder anders gesagt: Gerade auch den Sachverstand und die Kompetenzen von Frauen brauchen wir!

Der Einführung der Frauenquote 1988 bei der SPD ging eine glasklare Forderung der Vereinten Nationen voraus: Die UNO formulierte 1980 die Übereinkunft, "mit allen geeigneten Mitteln unverzüglich eine Politik zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau zu verfolgen". Nicht aus Ideologie, sondern weil es nicht länger hinnehmbar war, dass Frauen nichts zu sagen hatten. Auf der ganzen Welt, auch in Bayern.

Der Druck der Umfragen...

Brauchte es erst den Absturz der CSU in die 30-Prozent-Region, damit auch in dieser Partei Bewegung in die Sache kommt? Es sieht so aus, denn seit der UNO-Forderung sind 30 Jahre vergangen, ohne dass die bayerische Regierungspartei sich bemüßigt sah, zu handeln. Aber lieber spät als nie. Die Anfeindungen von damals wollen wir nicht weiter nachtragen - wenns der Sache dient ;)

 

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