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Die deutsche Sozialdemokratie trauert um Johannes Rau

Veröffentlicht am 29.01.2006 in Bundespolitik

"Die deutsche Sozialdemokratie trauert um Johannes Rau. Die dankbare Erinnerung an einen der herausragendsten, anerkanntesten und beliebsteten Politiker unseres Landes wird fortleben." Mit diesen Worten würdigte der SPD-Parteivorsitzende Matthias Platzeck den am Freitag verstorbenen Johannes Rau.

Raus unvergleichliches Lebenswerk sei getragen gewesen "von seiner großen Mitmenschlichkeit, seinem von Versöhnungswillen getragenen Geist und seinem außerordentlichen politischen Gestaltungswillen", beschreibt Platzeck den an langer schwerer Krankheit verstorbenen Politiker. Johannes Rau sei geprägt gewesen von seinem tiefen christlichen Glauben, aus dem er Durchhaltewillen und Kraft für den politischen Alltag bezogen habe.

Der ehemalige Bundespräsident sei Politiker geworden, weil er immer daran geglaubt habe, "dass unsere Welt besser sein könnte, als sie ist, und dass es gerechter zugehen sollte, als es zugeht", beschreibt Platzeck seinen Parteifreund. "In all seinen Ämtern hat er gegen Ungerechtigkeit gekämpft und sich für mehr Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit eingesetzt."

Platzeck betonte, dass Johannes Rau der SPD in vielen schwierigen Situationen Selbstvertrauen und Siegeswillen vermittelt habe. "Er hat über Jahrzehnte hinweg die gemeinsame Sache mit großer Hingabe und Überzeugungskraft vertreten. Dafür danken wir ihm."

"Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt in dieser Stunde der Trauer seiner Frau Christina und seinen drei Kindern. Johannes Rau hat uns viel gegeben, das bleiben wird", fügte Matthias Platzeck hinzu.

Porträt von Johannes Rau
Johannes Rau wurde am 16. Januar 1931 in Wuppertal-Barmen als drittes von fünf Kindern in eine stark vom evangelischen Glauben geprägte Familie geboren. Schon während der Schulzeit engagierte sich der ehemalige Bundespräsident in der Bekennenden Kirche.
1949 begann er eine Ausbildung zum Verlagsbuchhändler und arbeitete als Journalist. Bei einem christlichen Verlag wurde er Geschäftsführer und schließlich Direktor.

Wegen seines Engagements für die deutsche Einheit wurde Rau 1952 Mitglied der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP), die 1957 aufgelöst wurde. Im selben Jahr trat er zusammen mit seinem politischen Mentor, dem späteren Bundespräsidenten und Großvater seiner Ehefrau Christina, Gustav Heinemann, in die SPD ein. Schon ein Jahr später wurde er zum Vorsitzenden der Jungsozialisten in Wuppertal gewählt.

1959 wurde er in den Vorstand des SPD-Unterbezirkes Wuppertal berufen und war ab 1962 dann sechs Jahre lang stellvertretender Vorsitzender dieses Unterbezirkes. In seiner Heimatstadt Wuppertal bekleidete Rau die Funktionen eines Stadtverordneten (1964-1978), des Vorsitzenden der SPD-Fraktion (1964-1967) und des Oberbürgermeisters (1969-1970).

In den Landtag von Nordrhein-Westfalen zog Johannes Rau erstmals im Jahr 1958. Neun Jahre später wurde er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag und bekleidete ab 1970 das Amt des Ministers für Wissenschaft und Forschung.

Im Jahr 1977 wurde Rau SPD-Landesvorsitzender von Nordrhein-Westfalen und nur ein Jahr später, am 20. September 1978 zum Ministerpräsidenten gewählt. Nach zwanzig Jahren an der Spitze von Nordrhein-Westfalen entschloss sich Rau 1998 schließlich, sowohl als "Landesvater" als auch als Vorsitzender der SPD Nordrhein-Westfalen zurückzutreten.

Seit 1968 gehörte er dem Bundesvorstand der Sozialdemokraten an. 1982 wurde Rau Nachfolger von Helmut Schmidt als stellvertretender Vorsitzender der SPD. Auf dem SPD-Parteitag in Nürnberg im Jahr 1986 wurde Johannes Rau zum Kanzlerkandidaten der SPD für die Bundestagswahl 1987 gewählt. Nach dem Rücktritt von Björn Engholm übernahm Rau bis zur Wahl von Rudolf Scharping für wenige Wochen auch das Amt des Parteivorsitzenden.

Nach einer erfolglosen Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 1994 wurde Johannes Rau am 23. Mai 1999 von der Bundesversammlung in Berlin zum achten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Nach fünf Jahren als deutsches Staatsoberhaupt endete die Amtszeit von Johannes Rau im Juni 2004. Für den damals 73-Jährigen war das gleichzeitig der Rückzug aus der aktiven Politik.
Johannes Rau hinterlässt seine Frau Christina, zwei Töchter und einen Sohn.

 

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