Die Piraten nehmen allen Parteien Stimmen weg, besonders den Parteien des linken Spektrums. Und sie werden sie weiter wählen, unabhängig davon, wieviele Piraten sich noch in Talkshows zu ihrer Ahnungslosigkeit bekennen. Michael Spreng-Sprengsatz, 1.4.2012
Die Piraten sind mit den klassischen Methoden politischer Auseinandersetzung nicht greifbar und nicht angreifbar. Ihr Standardsatz (“Dazu haben wir noch keine Position”) lässt alles wie an einer Gummiwand abprallen. Im Gegenteil: je heftiger die etablierten Politiker auf die Piraten einschlagen, umso populärer werden sie. Wer zeigt, dass ihm die Piraten weh tun, bestätigt das Hauptmotiv, sie zu wählen – nämlich, den etablierten Parteien eins auszuwischen, ihnen die rote Karte zu zeigen.
Die Piraten nehmen allen Parteien Stimmen weg, besonders den Parteien des linken Spektrums. Und sie aktivieren Nichtwähler, was auf jeden Fall ein Verdienst ist, Menschen, die mit dem Wählen schon abgeschlossen hatten. Und sie werden sie weiter wählen, unabhängig davon, wieviele Piraten sich noch in Talkshows zu ihrer Ahnungslosigkeit bekennen. Den Boden für eine Partei der sympathischen Ahnungslosigkeit haben die etablierten Parteien seit Jahren bereitet.
Die etablierten Parteien müssen sich darauf einstellen, dass der Erfolg der Piraten bis zum Einzug in den Bundestag anhält. Und SPD und Grüne müssen einsehen, dass deshalb Rot-Grün ein gestriger Traum bleiben wird. Da können sie noch so viel hyperventilieren oder Schaum vorm Mund tragen. Am ruhigsten können CDU und CSU bleiben, was sie auch tun. Ihnen arbeiten die Erfolge der Piraten in die Hände. Sie sind Teil ihrer Wahlstrategie.
Erst dann, wenn die Piraten im Bundestag sitzen, gibt es eine Chance auf ihre Entzauberung. Länderbühnen sind dafür zu klein, die Themen überregional uninteressant. Erst dann, wenn die Piraten auf der großen Bühne nationaler Politik agieren und abstimmen müssen, wird ihre politische Ahnungslosigkeit, ihre Kulturfeindlichkeit, ihre eigene mangelnde Transparenz, ihre Arroganz zum nationalen Thema. Bis dahin aber treibt jeder Kurt Beck, jeder Jürgen Trittin ihnen neue Wähler zu.