Der stellvertretende Vorsitzende der bayerischen SPD und stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag, Dr. Thomas Beyer, war der Hauptredner unserer Veranstaltung "Bayern aber gerechter - starke Städte braucht das Land" in der FC-Stadiongaststätte. Auch Oberbürgermeisterkandidat Florian Fuchs meinte einleitend, "dass auch Amberg nicht so toll ist, wie von der Mehrheitspartei immer dargestellt wird" ...
Städte und Gemeinden sind die Basis unseres Gemeinwesens. Doch die Kommunen im weiß-blauen Freistaat hätten es alles andere als leicht, denn, so fragte dazu Dr. Thomas Beyer : "Wo sind die CSU-Kommunalpolitiker die im Landtag was zu sagen haben?"
Entwicklung zu sozialer Kälte unter der CSU
"Bayern ist nicht die Postkartenidylle, die uns die CSU weismachen will", so Beyers provokante These. "Nicht zu Unrecht habe die Präsidentin des Roten Kreuzes Bayern als Land der sozialen Kälte bezeichnet". So seien "zehn Prozent der Menschen in Bayern arm", 90 000 bezögen Grundsicherung, 360 000 Haushalte seien überschuldet und es gebe in Bayern 80 000 "Aufstocker" - jene Menschen, die so wenig verdienen, dass sie noch Hartz IV beanspruchen können, erläuterte Beyer.
"Wenn jemand den ganzen Tag arbeitet und dennoch seine Familie nicht ernähren kann ist das ein Skandal". Mindestlöhne seien eine Brandmauer gegen Armut. Im Gegensatz zur verbreiteten CSU-Meinung würden lediglich 1,8 von 36 Milliarden für den Sozialhaushalt verwendet.
Zur Armut in Städten und Gemeinden führte er an, dass man ja an sich gedacht habe, Zeiten der Armut seien längst vorbei. Es zeige sich aber auch in Amberg dass "die Tafel bitter nötig" sei, dass die AWO - deren Vorsitzender Dr. Beyer ist - ihre Kleiderkammern öffnen müsse, um zu helfen.
Zu dem zu Lasten der Kommunen gehenden Büchergeld meinte der stellvertretende BayernSPD-Vorsitzende: "Was sich die CSU da geleistet hat, ist ein solcher Dilettantismus, dagegen waren rot-grüne Fehler geradezu Lausbubenstreiche."
"Im Landkreis Nürnberger Land sind es 3600 Bürger oder zwei Prozent die den Nachweis der Bezugsberechtigung haben", legte Beyer dar - während andrerseits ein Transrapid-Projekt mit über 1,85 Milliarden - "denn es werden sicher mehr" - gebaut werden soll. In Sachen Hauptschule sieht er schwarz in die Zukunft: "Nach den nächsten Wahlen werden wohl die kleineren Hauptschulen eliminiert."
"Viel war von Infrastruktur, von Schulen oder DSL für den ländlichen Raum die Rede", kritisierte´Beyer. Doch das ist tatsächlich geschehen: "Die Verwaltungsreform ging zu Lasten der Kommunen. Ämter wurden abgezogen, Haushaltsmittel gekürzt, der Staatsstraßenhaushalt und der Busverkehr im ländlichen Raum sind ein Trauerspiel".
Dies fördert die "Entvölkerung des ländlichen Raumes". Regionale Unterschiede sind nach wie vor ausgeprägt. Man vergleiche nur die Arbeitslosenzahlen: rund acht Prozent in Hof, sechs in Mittelfranken aber nur zwei Prozent im oberbayerischen Freising.
"Bayern ist das Land der Bildungsungerechtigkeit." Denn, so Beyer, Bildung sei bei uns nach wie vor von den wirtschaftlichen Verhältnissen und vom Geldbeutel der Eltern abhängig. "Eine aktuelle Kommunalpolitik existiert bei der immer mehr zentralistisch dastehenden CSU nicht", schlussfolgerte er und klagte: "Die CSU hat über Jahre die Kommunen ausbluten lassen."