"Bessere Bildung für Bayern"
© BayernSPDMdL Reinhold Strobl setzt sich für Amberger Lehrkraft ein
Amberg. Als Berichterstatter zu einer Petition mußte MdL Reinhold Strobl vor kurzem die bittere Realität der bayerischen Bildungspolitik in einem konkreten Fall erfahren. Leidtragende der unzulänglichen Bewährungs- und Anstellungsregeln im Kultusbereich ist eine Amberger Lehrerin, die trotz hoher Qualifikation und vorhandenen Personalbedarfs in die Arbeitslosigkeit geschickt wurde.
In einer Pressemitteilung legte MdL Reinhold Strobl jetzt den Sachverhalt dar.
Sie war jung und ihr Traumberuf war Lehrerin. Sie wollte lernbehinderten
Menschen helfen und ergriff deshalb das Studium der Sonderpädagogik. Sie
wurde vom Land Bayern gebraucht und bekam deshalb auch eine Anstellung.
Zunächst für ein Jahr - mit 17 Wochenstunden. Am Ende des Schuljahres
meldete sie sich wieder arbeitslos. Sie wurde jedoch gebraucht und bekam im
nächsten Schuljahr wieder einen Jahresvertrag - wieder mit 17 Wochenstunden.
So ging es insgesamt 9 Jahre weiter - mal mit 17 Wochenstunden, mal als
Vollzeitstelle, dann wieder mit 20 Wochenstunden. Jedes Jahr die gleiche
Ungewissheit. Jedes Jahr die neue Suche nach einer neuen Stelle als Lehrerin.
Aber sie wurde vom Land Bayern immer wieder gebraucht.
Dann auf einmal wurde sie nicht mehr gebraucht. Das Land Bayern hatte gab
ihr keinen festen Vertrag. Mit ihrer Note hätte sie zwar an jeder
Hauptschule, an jeder Realschule und an jedem Gymnasium einen festen
Anstellungsvertrag bekommen, nicht jedoch an einer Förderschule. Das
Kollegium der Willmannschule in Amberg war entsetzt und empört, dass ihre
langjährige geschätzte Kollegin im Schuljahr 2008/09 ohne staatliche
Anstellung bleiben soll. Sie habe sich durch ihre jahrelange Tätigkeit als
Sonderschullehrerin an der Schule sehr verdient gemacht. Sie habe engagiert
und qualifiziert Diagnose- und Förderklassen geleitet, hervorragend mit dem
Team zusammengearbeitet und verantwortungsbewusste Zusatzaufgaben freiwillig
und gewissenhaft übernommen. Es wäre ein großer Verlust für die Einrichtung,
sie als erfahrene Kollegin zu verlieren. Das Kollegium und der Elternbeirat
der Willmannschule baten deshalb in einer Petition an den Bayerischen
Landtag um die Anerkennung des jahrelangen Einsatzes der Lehrerin für die
Schule und deren Schüler.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl war bei der letzten Sitzung des
Bildungsausschusses Berichterstatter zu dieser Petition. Er hatte sich
vorher informiert und ihm wurden solche Sätze wie "Hat sich als Lehrkraft
voll bewährt", "Hat sich voll ins Schulleben eingebracht", "Wir wollten sie
mit aller Macht halten" und "Sie war genau die richtige Lehrerin" gesagt.
Diese Information gab Strobl auch dem Bildungsausschuss weiter. Allerdings
lag dem auch die Antwort des Ministeriums vor: "Die im Laufe mehrerer
befristeter Arbeitsverträge erbrachten beruflichen Leistungen können -
selbst wenn sie von überdurchschnittlicher Qualität sind - nicht für die
Einstellungsentscheidungen herangezogen werden, zumal eine wie auch immer
geartete "Bewährungsregelung" keine neuen Einstellungsmöglichkeiten schaffen
würde. Sie hätte vielmehr lediglich zur Folge, dass bei einer Vielzahl von
Bewerbern mit "Bewährungsbonus" die Einstellungsnote sinken, d.h. die
Notenanforderungen steigen und damit andere Bewerber keine Anstellung
erhalten würden."
Dem widerspricht allerdings Strobl: "Warum wurde dann in den letzten Jahren
keine andere Lehrkraft eingestellt? Warum wurde immer wieder auf sie
zurückgegriffen?" Er hat auch die Antwort parat: "Weil sie gebraucht wurde."
Inzwischen sei die Lehrerin 36 Jahre alt. Strobl: "So darf der Staat nicht
mit seinen Beschäftigten umgehen." Der Lehrkraft bleibe, so Strobl, fast
nichts anderes übrig, als in ein anderes Bundesland auszuwandern. Dort
würde sie sicherlich gerne genommen. Derweil hat der BLLV ausgerechnet, dass
an Förderschulen in Bayern 8,2 % des Unterrichts nicht regulär erteilt
werden und 1,6% ersatzlos ausfallen. Der BLLV forderte erst vor kurzem
pädagogische Verbesserungen, zu deren Maßnahmen insgesamt 710
Förderschullehrer/innen notwendig seien. "Eigentlich wollte Seehofer doch
Lehrer einstellen." erinnert sich der SPD-Landtagsabgeordnete. Er könnte
hier den Anfang machen - dann wäre es vielleicht doch noch eine
Weihnachtsgeschichte.