SPD-Kreisvorsitzende Carolin Braun, Florian Pronold und Ortsvorsitzender Andreas Gabler hielten das Publikum fast drei Stunden in ihrem Bann."Unsere Zukunft im Ländlichen Raum“ war das Thema des öffentlichen Vortrages des Bundestagsabgeordneten Florian Pronold im Gasthaus Lehner in Breitenbrunn, der auf Einladung des dortigen SPD-Ortsvereins stattfand.
Der Breitenbrunner SPD-Vorsitzende Andreas Gabler machte die pessimistische Stimmung auf dem Land an drei einfachen Beispielen deutlich: „Von Breitenbrunn aus fahren täglich drei Busse nach Parsberg und drei nach Neumarkt, das war’s. Die Einzelhandelsgeschäfte werden immer weniger und eine richtige Post haben wir auch schon nicht mehr. Da fragt man sich schon, wie es weitergehen soll in Breitenbrunn“.
Pronold, nach eigener Aussage „niederbayerisches Landei“ und seit über zehn Jahren Mitglied im Stadtrat von Deggendorf, kennt solche Probleme zur Genüge aus eigener Anschauung und macht dafür die bayerische Staatsregierung verantwortlich: „Gemäß bayerischer Verfassung hat die bayerische Staatsregierung die Aufgabe, für gleichwertige Lebensbedingungen in den Städten und im ländlichen Raum zu sorgen. Tatsächlich aber ist der Unterschied zwischen Stadt und Land nirgends in Deutschland so groß wie in Bayern.“
Dies liege nicht zuletzt daran, dass die bayerische Staatsregierung das meiste Geld nach München und Nürnberg pumpe und dort auch die meiste Verwaltung ansiedle.
Ähnlich verhalte es sich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So fehle es in Bayern im ländlichen Raum überall an Krippenplätzen: „47 % aller bayerischen Krippenplätze befinden sich in der Stadt München. Wenn man dann noch die ebenfalls SPD-regierten Städte Nürnberg, Augsburg und ein paar andere dazunimmt, dann bleiben für den ganzen Rest vielleicht noch zehn Prozent übrig.“
Das sei auch nicht verwunderlich, denn noch vor drei Jahren habe man bei der CSU das Kreuzzeichen geschlagen und habe gesagt: „Um Gottes Willen, sozialstisches Teufelzeug wie in der DDR; bloß nicht bei uns in Bayern!“, wenn es um die Vereinbarkeit von Famile und Beruf ging. Mittlerweile lasse sich die gleiche CSU dafür feiern, wenn sie mit Geld aus Berlin eine Hauptschule zur Ganztagsschule mache. Das sei scheinheilig, so Pronold, denn: „90% des Geldes dafür hat noch seinerzeit die rot-grüne Bundesregierung bereitgestellt, nur je fünf Prozent zahlt der Freistaat Bayern und die jeweilige Gemeinde.“
Auch bei der Bildung stelle man in Bayern eine krasse Benachteiligung des ländlichen Raums fest. „Viele von den Schülern, die in Ostbayern auf die Hauptschule gehen, würden in München wahrscheinlich das Gymnasium besuchen.
Wenn in Starnberg prozentual doppelt so viele Schüler aufs Gymnasium gehen wie in Ostbayern, dann liegt das nicht daran, dass die Starnberger klüger sind als wir, sondern daran, dass in keinem anderen Bundesland die Bildung so stark vom Geldeutel der Eltern abhängt wie in Bayern. Wenn ein Kind Nachhilfe braucht, dann ist das im reichen Starnberg natürlich kein Problem, aber bei uns in Ostbayern fragen sich natürlich die Eltern: ‚wenn ich mein Kind aufs Gymnasium schicke und kann ihm selbst nicht mehr helfen, was soll ich dann machen? Kann ich mir die Nachhilfe leisten’?“ Pronold abschließend:
„Bildung soll doch von dem abhängen, was die Kinder zwischen den Ohren haben und nicht davon, was der Papa im Geldbeutel hat.“
In der anschließenden lebhaften Diskussion meldeten sich auch zahlreiche Breitenbrunner zu Wort, nicht zuletzt mit dem Streit um den Kanal in Buch. Die betroffenen Bucher fordern die Rückerstattung der Gerichts- und Anwaltskosten sowie der entrichteten Erstellungsgebühren. Dieser Forderung schloss sich der anwesende Marktrat Kurt Martens vorbehaltlos an. Nachdem der Landtag den Marktrat angewiesen hat, die Sache umgehend nochmals zu beraten und sich die Landtags-SPD in der Person des Ausschussvorsitzenden Joachim Werner eingeschaltet hat, sieht Pronold die Sache sehr optimistisch. „Aber wenn es doch nicht weitergeht, dann gebt mit Bescheid, dann schalte ich mich ein!“
Viel Lob gab es speziell von den Breitenbrunnern für den jungen SPD-Ortsverein, der sich in dieser Angelegenheit intensiv engagiert. Mehrfach wurde begrüßt, dass es dank des neuen Ortsvereins nun wieder eine demokratische Alternative gibt.
Alles in allem, so Pronold, sei der ländliche Raum in Bayern in der Tat stark benachteiligt und daran werde sich so lange nichts ändern, wie die CSU im Freistaat mit einer derart satten Mehrheit regieren könne. Deshalb empfahl er die Umkehr: „Wer sein Kreuz bei der SPD macht, hat keins mehr.“ Seinem Aufruf, bei der SPD mitzuarbeiten, anstatt „von der Tribüne aus zu kritisieren“, folgte spontan ein Landwirt aus Buch.