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Freistaat ohne Bücher - Regensburger Uni-Bibliothek völlig unterfinanziert

Veröffentlicht am 18.11.2009 in Bildung

Foto: Dr. Marcus Gossler [cc]

Einer der größten und beliebtesten Hochschulstandorte Bayerns schlägt Alarm: Über 17.000 Regensburger Studenten finanzieren immer größere Teile eines regulären Bibliothekbetriebs. Trotz ihrer Beiträge droht den Studierenden jedoch nun sogar die Schließung des Physiklesesaals, der neben Wassereinbrüchen auch sich herauslösenden Teer und abbröckelnde Betonstücke zu verzeichnen hat. Grund dafür sind jahrzehntelange Versäumnisse des Freistaats bei der Sanierung der Universitäten. Die Wirtschaftskrise und ihre Konjunkturpakete stellen bei der völlig verspäteten Renovierung nun auch noch einen Glücksfall für die Landesregierung dar, durch die weiter Verantwortung abgeschoben werden kann, statt Bildung endlich wirklich zur Ländersache zu machen.

Hinzu kommt die weitere Kürzung staatlicher „Sondermittel“ um 20% für die Öffnungszeiten der Bibliothek. Stück für Stück werden die Studierenden auch hier gezwungen, freistaatliche Verantwortungslosigkeit zu kompensieren und so kaum echte Verbesserungen ihrer Studienbedingungen zu erfahren. Der Bezug auf den Status „Sondermittel“, die jederzeit abgezogen werden könnten, überzeugt dabei nicht im Geringsten. Angesichts überfrachteter Stundenpläne und Studenten mit Nebenjobs sind Öffnungszeiten in den Abendstunden und am Wochenende kein nobles Geschenk sondern ernsthafte und realistische Forderungen angesichts einer harten Realität.

Am problematischsten erscheint jedoch, dass eine viele Teilbereiche umfassende Universitätsbibliothek - wie die Regensburger - gerade einmal zwei Millionen Euro für Bücher aus staatlichen Geldern erhält. Dieser Betrag ist seit Jahren unverändert geblieben, obwohl es im Bereich der Lehrbücher zu durchschnittlichen Preissteigerungen pro Jahr um etwa 8% kommt, in den Naturwissenschaften sogar um bis zu 16%. Ohne die inzwischen jährlichen drei Millionen Euro aus Studienbeiträgen würde die Universitätsbibliothek an unerträglicher Mangelausstattung leiden. Somit stellen inzwischen eher die Studienbeiträge die Regelfinanzierung dar, als die staatlichen Gelder.

Dies löst Unverständnis und Empörung unter den Studierenden aus, hat die Landesregierung doch seit geraumer Zeit die Wichtigkeit der Investition in Bildung für die Zukunft betont. Bislang war es allgemeiner Konsens, dass eine umfassend geöffnete und gut ausgestattete Bibliothek zur Grundausstattung von bayerischen Universitäten und Hochschulen gehört. Sollte sich die Landesregierung weiterhin über diese missliche Situation der Studierenden hinwegsetzen, sind die Studenten bereit, erneut auf die Barrikaden zu gehen. Auch der studentische Konvent wendet sich in einem einstimmig gefassten Beschluss gegen das bisherige Vorgehen.

Martin Witte, Vorsitzender des studentischen Konvents an der Uni Regensburg: „Studienbeiträge sollen eindeutig der Verbesserung der Studienbedingungen dienen und eben nicht dem Staat einen leichtfertigen Rückzug aus seiner Verantwortung ermöglichen. Genau dieser ist hier aber eindeutig erkennbar. Wer ständig die Wichtigkeit von Bildung betont, muss irgendwann auch entsprechende Taten folgen lassen. Es kann nicht sein, dass Regensburger Studierende den Freistaat finanziell entlasten müssen“.

Gleichzeitig zeigen sich die Studierenden aber auch gesprächsbereit, wenn es darum geht echte Verbesserungen von Studium und Lehre zu unterstützen. Den Studenten geht es um die Zukunft ihrer Uni und darum, dass nicht die nächsten Generationen vermeidbare Versäumnisse im wahrsten Sinne des Wortes ausbaden müssen.

 

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