Dr. Ulrich Maly: Grenzen und Mauern in den eigenen Köpfen niederreißen
Die Metropolregion Nürnberg sei ein Entwicklungsmotor, eine strategische Allianz, „die dazu führt, dass sich die Oberpfälzer und Nürnberger vertragen, auch wenn es den Regensburgern nicht gefällt.“ Diesen Seitenhieb zur Kritik – „… das zerreißt die Oberpfalz“ – von Regensburgs Landrat Herbert Mirbeth konnte sich Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly bei der Kreiskonferenz der Sozialdemokraten im Heldrichsaal in Forsthof nicht verkneifen.
Und auch IHK-Geschäftsführer Johann Schmalzl stieß ins gleiche Horn. „Der Nutzen ist spürbar. Der Überhang der Freizeitpendler in unsere Richtung bringt Wirtschaftskraft.“ Mirbeths Aussage sei für ihn nicht nachvollziehbar. Im Verbund der Metropolregion lägen für Amberg-Sulzbach viele wirtschaftliche, touristische und verkehrspolitische Vorteile, hatte bereits SPD-Kreisvorsitzender MdL Reinhold Strobl einleitend betont.
„Was kann man lokal tun um sich in der globalen Welt zu behaupten?“ stellte Nürbergs OB Maly die zentrale Frage in den Raum. Und er betonte: „Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs sind wir in die Mitte Europas gerückt, haben eine hervorragende Lebensqualität, eine gute Infrastruktur, der verkehr ist beherrschbar, Bildungs- und Kulturangebote und viele Freizeitmöglichkeiten sind vorhanden – das Leben in der Region ist noch bezahlbar.“
Die Metropolregion Nürnberg sei auch Tor zu den neuen östlichen EU-Ländern zu sehen, sagte Maly und verwies auf die historischen Verbindungen durch die Goldene Straße „… auch durch sie hat die Wirtschaft hier schon in früheren Zeiten geboomt.“ Nun müssten noch diese engen Beziehungen in den Köpfen verfestigt werden.
Es gelte auch, nicht wie Landrat Mirbeth zu kritisieren, „sondern Grenzen und Mauern in den eigenen Köpfen niederzureißen.“ So könne daher, in einer Zeit in der Entfernungen keine Rolle mehr spielten, jede Region andere Schwerpunkte setze, die Zusammenarbeit in Richtung Pilsen oder Linz biete sich für Regensburg doch an.
Für die Metropolregion Nürnbergmit mehreren Zentren jedoch lägen nach seiner Meinung Möglichkeiten im Ausbau des öffentlichen Verkehrs, insbesondere in der Elektrifizierung des Schienennetzes und eines „Nordbayerntickets“ und damit eines stärkeren Binnenkonsums.
Große Chancen für die Region sieht Maly auch im Bereich der alternativen Energien. „Weg von fossilen Brennstoffen, hin je nach Möglichkeit zu Windkraft, Erdwärme oder Solarenergie – die Region ist mit ihren Technologie-Zentren hervorragen dafür aufgestellt.“
In der anschließenden Diskussion forderte IHK-Geschäftsführer Johann Schmalzl auf, „nicht die pessimistischen Prognosen zu verstärken, sondern unsere Hausaufgaben machen. Denn die Welt geht nicht unter, wenn wir 2009 zwei Prozent Rückgang der Wirtschaftsleistung haben.“ Bei einer 54-prozentigen Exportrate im Landkreis „werden wir gestärkt aus der Talsohle heraus gehen.“ Und Sulzbach-Rosenbergs Bürgermeister Gerd Geismann merkte abschließend an: „Wir sind durch die Metropolregion in die Europa-Liga aufgestiegen.“
Hintergrund:
Europäische Metropolregionen in Deutschland verstehen sich als stark verdichtete Großstadtregionen mit herausragender Bedeutung und Einbindung in das internationale Netz der Großstadtregionen. Gekennzeichnet sind sie insbesondere durch wirtschaftliche Stärke, leistungsfähige Infrastruktur, politische und wirtschaftliche Entscheidungsebenen, ein kleinmaschiges Netz an produktionsorientierten Dienstleistungsunternehmen und ein großes Bevölkerungspotential. Als Entwicklungsmotoren der sozialen, gesellschaftliche, wirtschaftlichen, technischen und kulturellen Entwicklung steigern sie die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und Europas. Durch Beschluss der Ministerkonferenz wurde die Wirtschaftsregion Nürnberg im April 2005 in den Kreis der elf Metropolregionen Deutschlands aufgenommen. Sie ist in einen metropolitanen Kern und in ein metropolitanes Netz gegliedert. Zum metropolitanen Kern gehören 12 Landkreise und acht kreisfreie Städte. Zum metropolitanen Netz zählen neun Landkreise und vier kreisfreie Städte. Die Stadt Nürnberg ist mit rund 500000 Einwohnern zwar die mit Abstand größte Kommune in der Metropolregion, will diese aber politisch nicht beherrschen. Die Willensbildung in der Metropolregion Nürnberg findet in einem Rat statt, in dem die Oberbürgermeister der 12 kreisfreien Städte, die Landräte der 21 Landkreise und die Bürgermeister der 21 bevölkerungsreichsten kreisangehörigen Gemeinden sowie vier vom Rat berufene Mitglieder je einen Sitz und eine Stimme haben. In sechs Fachforen werden die Themen erarbeitet, mit denen sich die Metropolregion befassen soll.