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Handlungsbedarf gegen Missbrauch bei Praktika und Berufseinstieg

Veröffentlicht am 18.03.2008 in MdB und MdL

Aufgrund der Brisanz des Themas "Missbrauch bei Praktika und Berufseinstieg" hat die SPD-Bundestagsfraktion eine Querschnitts-Arbeitsgruppe eingerichtet, bei der die örtliche Abgeordnete Marianne Schieder als zuständige Berichterstatterin der Arbeitsgruppe Rechtspolitik mitarbeitet. Anlässlich der Diskussion um den Missbrauch von Praktika erklärt MdB Marianne Schieder:

Die Querschnitts-Arbeitsgruppe der SPD-Bundestagsfraktion fordert faire Praktika und einen guten Einstieg für junge Menschen in das Berufsleben. Dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages lagen zwei Petitionen zu diesem Thema mit insgesamt 108.412 Unterstützern vor, die damit einen noch nie dagewesenen Zuspruch erfuhr.

Nunmehr liegt eine, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in Auftrag gegebene Studie vor, die die Probleme in diesem Bereich bestätigt.

I. Die Studie bringt folgende Ergebnisse:

1. Für viele junge Menschen beginnt der Start ins Berufsleben in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Trotz großer Erwartung konnte im Anschluss an das Praktikum lediglich ein Drittel der Befragten ein reguläres Arbeitsverhältnis aufnehmen. Ein weiteres Drittel hatte zwei oder mehr Praktikumsstellen mit einer Dauer von insgesamt einem Jahr und länger, größtenteils bei unterschiedlichen Arbeitgebern.

2. Die vom BMAS in Auftrag gegebene Studie umfasst alle 18 - 34 Jährigen, dies sind rund zehn Millionen junge Berufseinsteiger.
Sie zeigt, dass vom Missbrauch als Praktikanten alle Bereiche des Berufseinstiegs betroffen sind, nicht nur Akademiker und diejenigen, für die Praktika als Teil der Ausbildung vorgesehen sind.

3. Über die Hälfte aller Praktikanten erhielten keine Vergütung.

4. Knapp die Hälfte der Praktikanten erbringen reine Arbeitsleistung ohne Ausbildungsanteil. Davon erhalten mehr als die Hälfte keine oder keine angemessene Vergütung.

Die Einzelergebnisse der Studie geben daher Anlass zur Sorge und damit Grund zum Handeln.

II. Was will die SPD-Bundestagsfraktion:

1. Praktika eröffnen oft gute Einblicke in das Berufsleben. Wir wollen keine Praktika verhindern; in vielen Bereichen sind sie als Teil der Ausbildung unverzichtbar. Sie sollten aber nach dem Studium oder einer abgeschlossenen Ausbildung die Ausnahme und nicht die Regel sein.

2. Praktikanten und Berufseinsteiger nehmen sehr viel in Kauf, da sie zum Zeitpunkt des Praktikums davon ausgehen, anschließend leichter einen Arbeitsplatz zu finden. Wir wollen auch für Praktikanten einen transparenten und verlässlichen Rahmen, wo nötig auch mit gesetzlichen Regelungen, Ergänzungen und Klarstellungen, um einen besseren Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.

3. Das Hauptanliegen der Arbeitsgruppe ist es, die Rahmenbedingungen für Praktikanten zu verbessern und Missbrauch beim Berufseinstieg zu verhindern.

4. Wir wollen nicht, dass junge motivierte Menschen in unbefristeten Kettenpraktikantenverhältnissen hingehalten werden.

5. Praktika und Arbeitsverhältnisse müssen klar abgegrenzt werden.

6. Ausbildung und Arbeitsleistung müssen angemessen vergütet werden.

III. Konkret:

1. Schriftform:

Wir fordern schriftliche Verträge für alle Praktika- und vergleichbare Berufseinstiegsverhältnisse wie beispielsweise Hospitant, Trainee, Volontariat, Schnupper-Arbeitsverhältnis, Arbeitserprobung, Einfühlungsverhältnis, Einarbeitungsverhältnis, und so weiter. Die zwingende Schriftform stellt sicher, dass beide Vertragspartner ihre Rechte und Pflichten kennen.

2. Vergütung:

Wir wollen eine angemessene Vergütung für alle Praktikanten, wie sie im Berufsbildungsgesetz und im Arbeitsrecht garantiert wird. Wir brauchen eine gesetzliche Klarstellung, dass Scheinpraktika Arbeitsverhältnisse sind und die Betroffenen wie andere Arbeitnehmer Anspruch auf die übliche Vergütung haben.
Für uns gilt der Grundsatz: Gleiche Leistung - gleicher Lohn.

3. Beweiserleichterung:

Wir fordern eine klare gesetzliche Abgrenzung zwischen Praktika und Arbeitsverhältnissen, die als Scheinpraktika getarnt sind.
Scheinpraktika und Missbrauch von Praktikumsverhältnissen sind zu bekämpfen. Wir wollen Praktikanten bei der Durchsetzung ihrer Vergütungsansprüche unterstützen, deshalb setzen wir uns nicht nur für eine Beweiserleichterung ein.

Die Ergebnisse in der vom BMAS in Auftrag gegebenen Studie belegen, es muss etwas getan werden.

Marianne Schieder, MdB
Wahlkreisbüro Cham
Parkstr. 33
93413 Cham
Tel.: 09971/843626
Fax.: 09971/801598

 

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