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Jeder Ratsuchende wird so angenommen wie er ist

Veröffentlicht am 30.04.2010 in Kreistagsfraktion

SPD würdigt Arbeit der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Neumarkt – weitere Halbtagsstelle erforderlich

Die SPD-Kreisvorsitzende und stellvertretende Landrätin Carolin Braun sprach am Ende des Besuchs der Kreistagsfraktion bei der EFL – Beratungsstelle in Neumarkt von der unverzichtbaren und professionellen Arbeit der Hilfseinrichtung für die Familien im Landkreis.

Die Kreisrätinnen und Kreisräte der SPD waren mit Gertrud Hesslinger, der Vorsitzenden der Neumarkter Stadtratsfraktion in die Beratungsstelle in der Mühlstrasse gekommen, um sich von Diplompädagogin Alice Sartor – Muswieck über das Angebot und die Arbeitsweise der EFL-Beratung zu informieren.

Nach Aussagen der Leiterin der Einrichtung gibt es die Stelle in Trägerschaft der Diözese Eichstätt in Neumarkt seit 35 Jahren und im Jahr 2000 kam die Außenstelle Dietfurt dazu. Die Nachfrage nach Beratung sei von Jahr zu Jahr gestiegen und im Jahr 2009 seien 1757 Beratungsstunden für 445 Klienten geleistet worden. Rund ein Drittel der Ratsuchenden kommt aus der Stadt Neumarkt.

Die EFL sei mit vier Teilzeitkräften – umgerechnet seien das 1,4 Vollzeitstellen – personell äußerst knapp besetzt. Seit 2003 arbeite man mit unveränderter Personalkapazität, obwohl das Beratungsvolumen seit dieser Zeit um 20 Prozent zugenommen habe.

Das Beratungsangebot der kirchlichen Stelle stehe allen Bürgern unabhängig von der Konfession oder dem Familienstand zur Verfügung und jeder Ratsuchende werde so angenommen wie er sei. Als der Situation nicht angemessen bezeichnete Alice Sartor – Muswieck die Refinanzierung der Beratungsstelle Neumarkt durch die öffentliche Hand, denn der Freistaat Bayern trage 12,73 Prozent der Kosten und lediglich 3,52 Prozent kämen vom Landkreis Neumarkt. Die Beratung sei für die Klienten zwar kostenfrei, trotzdem sei man auf deren Spenden dringend und in immer größerem Ausmaß dringend angewiesen. Die Kirche trage demzufolge den wesentlichen Finanzierungsanteil und betrachte Hilfe für Familien als eine ihrer vielfältigen Alltagsaufgaben.

Fraktionsvorsitzender Helmut Himmler forderte ein konsequentes Umsteuern bei den beträchtlich steigenden Kosten in den Bereichen Jugendhilfe und soziale Sicherung. Bei den Kommunen, in der Justiz, den Jugendämtern und dem Gesundheitswesen kämen in erschreckendem Umfang die Kosten der ausufernden sozialen Defizite in Gesellschaft und Familien an. Daher müsse intensiver in qualitativ gute, präventive Beratung investiert werden.

Aus dem SGB VIII ergebe sich ein Beratungsanspruch von Eltern minderjähriger Kinder und Jugendlicher in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung. Da die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Neumarkt rund 80 Prozent der Tätigkeit für diesen Aufgabenbereich verwende, sei eine jährliche Zuwendung aus dem Haushalt des Landkreises in Höhe von 5000 Euro nicht mehr als ein Trinkgeld.

Die Kreis- und Stadtratsfraktionen der SPD fordern daher die Mitfinanzierung einer weiteren Halbtagsstelle zur vernünftigen Bewältigung der Beratung im Sinne der Familien in der Stadt und im Landkreis Neumarkt. Diese Personalkosten von rund 30 000 Euro pro Jahr könnten zu 80 Prozent von Staat, Landkreis und Stadt Neumarkt sowie zu 20 Prozent von der Kirche getragen werden.

Alternativ müssten die Beratungsangebote am Landratsamt ausgeweitet werden, um den gesetzlichen Pflichten zu entsprechen und dies komme der öffentlichen Hand sicher wesentlich teurer.

 

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