Bioenergiedorf JühndeGanz Deutschland ist in der Hand der großen Energiekonzerne. Ganz Deutschland? Nein, ein Dorf leistet Widerstand. Die Bewohner von Jühnde haben auf Bio-Energie umgesattelt. Sie wird selbst produziert, ist umweltfreundlich und viel billiger.
"Wir wollen, dass in unserer Region ähnliches entsteht", gaben sich Manfred Lehner, Leiter der Volkshochschule Amberg-Sulzbach und Florian Rieder, Geschäftsführer der Zukunftsagentur "Plus" wie alle anderen Teilnehmer überzeugt.

"Wir haben viel erfahren und viel Wissenswertes mit nach Hause genommen" dankte nach zweitägiger Exkursion Manfred Lehner, Leiter der Volkshochschule Amberg-Sulzbach.
MdL Reinhold Strobl habe es ermöglicht, "dass wir uns vor Ort in Deutschlands erstem Bioenergiedorf Anregungen holen konnten".
Mitglieder der Lenkungsgruppe zur Agenda 21,Kreisräte und Bürgermeister waren der Einladung von Reinhold Strobl gefolgt, um sich in Jühnde bei Göttingen, das seinen Wärmebedarf und den verbrauchten Strom selbst über nachwachsende Rohstoffe erzeugt, aus erster Hand zu informieren.

"Es ging darum, unabhängig zu werden", betonte August Brandenburg, der 76-jährige Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde.Und das hätten die Bewohner auch geschafft.
Die Energieversorgung liege jetzt in ihrer Hand und sei zudem noch umweltfreundlich. Biogas liefere die Grundversorgung.
Das Prinzip sei bestrickend einfach:
Eine 700 Kilowatt starke Biogasanlage stelle Methangas her, mit dem ein Blockheizkraftwerk Wärme und Strom erzeuge. Der Strom werde mit Gewinn ins Netz eingespeist, die Wärme reiche für Heizung und Warmwasser. Ein Nahwärmenetz bringe die Energie zu den Haushalten.
Bei zusätzlichem Wärmebedarf werde ein 550 Kilowatt starkes Hackschnitzelheizwerk zugeschaltet.
Das besondere an diesem Vorhaben, so der Bürgermeister: "Das ganze Dorf macht mit".
142 Häuser des knapp 800 Einwohner zählendes Dorf seien bereits angeschlossen und deren Energieversorgung auf umweltschonende Technik umgestellt.

Professor Dr. Hartmut Berndt von der Universität Göttingen, welche das Projekt von Anfang an begleitete, erläutere: "Die Bürger von Jühnde haben sich zu einer Betreibergenossenschaft zusammenschlossen. Es erarbeiteten acht Arbeitskreise im Dorf die Details, "da ist ein Potential, auch Förster und Pastor haben ihren Platz und ihre Aufgabe gefunden".
Zu den Investitionskosten von rund 5,3 Millionen Euro habe die Gemeinde Zuschüsse vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft erhalten.
Außerdem seien das Land Niedersachsen und der Kreis Göttingen mit je 100.000 Euro beteiligt.1.500 Euro habe jeder Haushalt für die Mitgliedschaft in der Bioenergiedorf-Genossenschaft, 1.000 Euro für den Anschluss an das Nahwärmenetz gezahlt. "Die Rohstoffe", so Dr. Berndt, "liefern die Bauern aus dem Dorf, bauen Energiepflanzen an Sonnenblumen, Raps und Getreide. Sie liefern aber auch Mist und Gülle, die in der Biogasanlage verarbeitet werden". Das Holz für das Hackschnitzelwerk stamme aus den umliegenden Wäldern.
Damit hätten sich die Bauern eine weitere Verdienstmöglichkeit geschaffen und seien vom Land- zum Energiewirt geworden.
"Die Jühnder schonen die Umwelt"
fasste Professor Dr. Hartmut Berndt zusammen. "Nach Berechnungen der Uni Göttingen sparen sie rund 400.000 Liter Heizöl und 3300 Tonnen Kohlendioxid im Jahr ein. Anschaulich ausgedrückt: Jeder Haushalt spart 60 Prozent Energie, und 60 Prozent weniger Kohlendioxid wird ausgestoßen".