Nach wie vor angespannt ist die Personalsituation bei den Justizvollzugsanstalten (JVA) in Bayern. Bei einer deutlichen Überbelegung der Haftplätze der einzelnen Anstalten ist gleichzeitig ein gravierender Mangel an Justizbeamten zu verzeichnen. Zum jetzigen Zeitpunkt fehlen etwa 800 Stellen, 650 davon im allgemeinen Vollzugsdienst. Dies ist die Antwort von Justizministerin Beate Merk auf eine Anfrage des Oberpfälzer Abgeordneten Reinhold Strobl (SPD) im Bayerischen Landtag.
Das Problem besteht seit vielen Jahren“, so Strobl, „doch es ändert sich kaum etwas. Es ist einfach zu wenig Personal vorhanden, um in den Justizvollzugsanstalten einen normalen, geregelten Dienst abzuleisten und im Sinne von vernünftiger Resozialisierung und Sicherheit zu arbeiten. Die einzelnen eingesetzten Justizbeamten müssen sich um zu viele Häftlinge kümmern und häufen in langen Arbeitsschichten unzählige Überstunden an, deren Zahl jedes Jahr steigt.
Mit der beschlossenen Rücknahme der Arbeitszeitverlängerung auf 40 Stunden pro Woche werden sie dann zusätzlich noch deutlich weiter steigen. Allein in der JVA Amberg waren Ende November vergangenen Jahres 609 Gefangene, obwohl nur 562 Haftplätze zur Verfügung stehen. Dadurch kommen dort, statistisch gesehen, auf einen Bediensteten im Vollzugsdienst 3,84 Gefangene, in anderen Anstalten sogar bis zu 4,28 Gefangene. Damit bildet Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern das absolute Schlusslicht in diesem Verhältnis von Gefangenen zu Justizbeamten. Das muss nicht sein.“
Das Problem liege bei der Staatsregierung, meint Strobl, die mit mehr Personal der chronischen Überbelastung der Vollzugsbeamten entgegentreten müsste. „Doch da ist angesichts selbstverschuldeter leerer Haushaltskassen wenig zu erwarten“, so Strobl weiter.
„Nur kann es nicht angehen, dass die Justizvollzugsbeamten über Jahre hinweg für den Personalmangel mit Überlastung und Überstunden bezahlen müssen. Das geht aus arbeitsmedizinischen Gründen ebenso wenig wie aus Gründen der optimalen Wiedereingliederung der Gefangenen oder der Sicherheit der Gefängnisse in Bayern.
Wir brauchen zumindest die vom Ministerium festgestellten 800 Justizvollzugsbeamten im Justizvollzug in Bayern.
Statt Stellenkürzungen müssen im Gegenteil weitere Stellen geschaffen werden, um die kritische Situation vor Ort in den Griff zu bekommen.“
MdL Reinhold Strobl