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Klaudia Martini ist tot

Veröffentlicht am 31.12.2024 in Allgemein

Liebe Genossinnen und Genossen,

am 19. Dezember 2024 ist unsere ehemalige Landtagsabgeordnete Klaudia Martini verstorben. Sie wurde 74 Jahre alt.

Klaudia Martini wurde am 5. Dezember 1950 im oberpfälzischen Ranna geboren und wuchs in Karlsruhe auf. Nach dem Abitur am Lessing-Gymnasium in Karlsruhe studierte sie Rechtswissenschaften in Heidelberg und München. Ihre juristische Karriere begann sie als Richterin am Verwaltungsgericht Augsburg und setzte sie als Regierungsrätin im Landratsamt Neu-Ulm fort, wo sie unter anderem für Umweltschutz, Abfallwirtschaft, Wasserrecht zuständig war. Anschließend war sie als Landesanwältin bei der Bayerischen Landesanwaltschaft und als Richterin am Verwaltungsgericht München tätig.

 

1983 trat Klaudia Martini in die SPD ein und engagierte sich zunächst intensiv in der Kommunalpolitik. Sie war Stadträtin in Neu-Ulm und Mitglied des Kreistags Neu-Ulm. 1983 und 1989 kandidierte sie für das Amt der Oberbürgermeisterin von Neu-Ulm, unterlag jedoch jeweils knapp.

Von 1986 bis 1991 war sie Mitglied des Bayerischen Landtags, unter anderem als Mitglied des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen sowie als stellvertretendes Mitglied in den Untersuchungsausschüssen zum Atomkraftwerk Isar I und zur Prüfung der Beschwerden an den Bayerischen Landtag (Art. 115 BV) aus der Justizvollzugsanstalt Straubing.

Klaudia Martini galt als Hoffnungsträgerin, nicht nur der SPD in Bayern. So wurde Rudolf Scharping, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, auf die Politikerin aufmerksam und ernannte sie 1991 zur ersten Umweltministerin des Landes – ein Amt, das sie bis 2001, auch im Kabinett des Ministerpräsidenten Kurt Beck, innehatte.

Martini war keine kompromisslose Umweltministerin. Sie setzt auf ökologische Effizienz, aber auch auf ökonomische Vernunft und soziale Verträglichkeit.

Besonders hervorzuheben ist ihr Einsatz für eine positive Nachhaltigkeitsentwicklung, insbesondere den Hochwasserschutz und die Sonderabfallwirtschaft, in denen sie Maßstäbe gesetzt hat: Ihre neu aufgestellten Schutz- und Vorsorgemaßnahmen zogen zahlreiche Gewässerrenaturierungen nach sich, wodurch sich Rheinland-Pfalz unter ihrer Führung zum Vorreiter in diesem Bereich entwickelte.

1993 verweigerte Martini dem Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich bei Koblenz die Dauerbetriebsgenehmigung, da es nicht ausreichend gegen Erdbeben gesichert war – eine Premiere in Deutschland. Ihren größten politischen Erfolg erzielte sie, als ihr Vorschlag, das bereits stillgelegte Kraftwerk in den Atomkonsens einzubeziehen, aufgegriffen wurde und Mülheim-Kärlich endgültig vom Netz ging.

1994 übernahm Martini ebenso eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die Rinderseuche BSE. Sie setzte einen Importstopp für britisches Rindfleisch durch und scheute nicht davor zurück, sich mit dem damaligen Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer anzulegen.

Nach ihrem Ausscheiden aus der Landesregierung wechselte die dienstälteste Umweltministerin Klaudia Martini 2001 in die Privatwirtschaft und übernahm, als einzige Frau im Gremium, den Vorstandsposten für Unternehmenskommunikation bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim.

Auch in den letzten Jahren blieb Klaudia Martini, neben ihrer Tätigkeit als Rechtsanwältin, politisch aktiv: Von 2008 bis 2023 engagierte sie sich in ihrer neuen Heimat in Bad Wiessee als Gemeinderätin, wo sie sich weiterhin für soziale und ökologische Belange einsetzte. Ihr Engagement und ihre Energie beeindruckten bis zuletzt.

 

Klaudia Martini bleibt uns als pragmatische und durchsetzungsfähige Politikerin in Erinnerung, die Tatkraft mit Weitblick vereinte. Ihr herausragender Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung und ihr Mut, unkonventionelle Wege zu gehen, haben bleibende Spuren hinterlassen. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer würdigte sie als „kluge Managerin mit Herz“, deren Wirken unvergessen bleibt.

Mit Klaudia Martini verlieren wir eine leidenschaftliche Sozialdemokratin, deren lebenslanges Engagement für die Gesellschaft uns ein bleibendes Vorbild ist.

In tiefer Dankbarkeit verneigen wir uns vor einer beeindruckenden Persönlichkeit, deren Einsatz für die Grundwerte und Ziele der Sozialdemokratie uns stets in ehrender Erinnerung bleiben wird.

Mit stillem Gruß

Gregor Schneider

 

 

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