Verbraucherfeindliche Verträge der Lebensversicherer: Die Kosten sind hoch, die Renditen schrumpfen in der Krise.
Wer heute eine Lebensversicherung abschließt, sollte vorsichtig sein: Oftmals warten nur geringe Erträge.
Verbraucherfeindliche Verträge der Lebensversicherer: Die Kosten sind hoch, die Renditen schrumpfen in der Krise.
Wer heute eine Lebensversicherung abschließt, sollte vorsichtig sein: Oftmals warten nur geringe Erträge.
Die Marktschreier in Sachen Geldanlage sind wegen der Finanzkrise leiser geworden, aber verstummt sind sie deshalb noch lange nicht. Und so versprechen viele von ihnen, was sie schon vor der Krise versprochen haben: Bei uns ist Ihr Geld nicht nur sicher, wir garantieren auch eine ordentliche Rendite. Besonders Vermittler von Lebensversicherungen scheinen bei den Anlegern ein offenes Ohr zu finden.
Fast jeder Bundesbürger hat eine Kapitallebensversicherung oder eine private Rentenversicherung, um fürs Alter vorzusorgen. Knapp 94 Millionen Lebensversicherungsverträge wurden nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) abgeschlossen. So viele Bürger, denkt da so mancher, dürften wohl nicht irren.
Doch, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Für sie sind Lebensversicherungen eine hochriskante und intransparente Geldanlage. Für die Kunden sei es unmöglich nachzuvollziehen, wie hoch die Kosten für Verwaltung und Provision sind, die die Versicherer vom Anleger kassieren. "Die Lebensversicherung ist kein attraktives Anlageprodukt", meint auch Stefanie Kühn, Finanzberaterin auf Honorarbasis, "nur die alten Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, würde ich da ausnehmen: Vier Prozent Rendite nach Steuern - das muss man mit anderen Anlagen erst mal schaffen."
Wer heute eine Lebensversicherungspolice abschließt, muss mit weitaus geringeren Erträgen rechnen als Kunden, die vor zehn, 20 oder 30 Jahren einen Vertrag unterschrieben haben. Wie groß die Unterschiede zwischen alten und neuen Verträgen sind, zeigt eine Studie des Versicherungsanalysehauses Map-Report. Demnach kann ein 30-jähriger Mann, der am 1. Januar 2009 eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen hat und 30 Jahre lang jedes Jahr 1200 Euro einzahlt, im Jahr 2039 mit einer durchschnittlichen Auszahlung von 68.137 Euro rechnen.
Das entspricht einer Rendite von 3,85 Prozent - vor Steuern. Vergleicht man diese Werte mit den tatsächlichen Auszahlungen in diesem Jahr, also mit Verträgen, die 1979 abgeschlossen wurden, so kommen auf die Versicherten vermutlich Gesamteinbußen von mehr als 20.000 Euro zu.
Bevor ein Kunde eine Lebensversicherung abschließt, bekommt er in der Regel eine Beispielkalkulation vorgelegt. Die Versicherung rechnet darin hoch, wie viel am Ende der Vertragslaufzeit voraussichtlich ausgezahlt wird. Die Daten sind natürlich fiktiv, kein Versicherer kann vorhersehen, wie sich die Kapitalmärkte in den nächsten Jahrzehnten entwickeln.
Lebensversicherungen - Herbe Verluste für den Kunden
Keine Garantie auf Zinsen
Die Beispielrechnungen dürfen also, so Manfred Poweleit, Chef des Map-Report, nicht als Prognose missverstanden werden, sie seien vielmehr ein aktuelles Formbarometer. Besonders gut in Form ist Poweleits Studie zufolge derzeit der Versicherer Europa mit einer prognostizierten Rendite von 5,04 Prozent. Auf Platz zwei liegt die Debeka mit 4,81 Prozent, gefolgt von Cosmos mit 4,71 Prozent (Tabelle).
Seit Beginn der Finanzkrise tun sich die Versicherungsgesellschaften zunehmend schwer, die garantierten Zinsen zu erwirtschaften. Die meisten Unternehmen haben zwar ihre Aktienquote reduziert, aber sie wissen nicht so richtig, wohin mit dem Geld der Versicherten. Risikolose Anlagen in Staatspapiere werden wegen der Niedrigzinspolitik der Notenbanken unattraktiv.
Wie stark die Zinsen gefallen sind, zeigt ein Vergleich: Lag die Durchschnittsrendite festverzinslicher Wertpapiere des Bundes im Jahr 1992 noch bei acht Prozent, betrug die Umlaufrendite am Freitag gerade mal drei Prozent. Die Versicherer garantieren ihren Kunden aber eine Mindestverzinsung - je nach Datum des Vertragsabschlusses zwischen 2,25 und vier Prozent; der Durchschnitt beträgt etwa 3,5 Prozent.
Laut Map-Report zeigen Beispielrechnungen "schmerzhafte Einschnitte in den zu erwartenden Leistungen". Hinzu kommt: Nur ein Viertel aller Verträge würden, so Verbraucherschützerin Castelló, bis zum Ende durchgehalten. Das drückt die Rendite.
Hohe Verwaltungskosten
Es sind aber vor allem die hohen Provisions- und Verwaltungskosten, die den Sparanteil des Kunden auffressen. "In einigen Lebensversicherungspolicen sind zehn bis 15 Prozent Gebühren versteckt. Das ist für die Kunden tödlich, weil sie niemals eine gute Rendite erzielen werden", sagt Christoph R. Kanzler von der Quirin Bank in Berlin.
Verbraucher sollten also genau hinsehen, welches Produkt ihnen verkauft wird. "Altersvorsorge-Produkte sind die am höchsten provisionierten Finanzprodukte", warnt Andreas Beck vom Münchner Institut für Vermögensaufbau. "Vielen Sparern werden Versicherungen angeboten, die aufgrund der Kostenstruktur kaum Aussichten auf reale Erträge bieten."
Für wen lohnt sich dann überhaupt noch eine Lebensversicherung? Finanzberaterin Kühn empfiehlt, Absicherung und Sparen klar voneinander zu trennen: "Wer seine Angehörigen schützen will, schließt am besten eine Risikolebensversicherung ab. Wer sparen will, kauft Fonds. Wenn man dann irgendwann das eine nicht mehr braucht, kann man das andere halten." Ein 35-Jähriger, der heute eine Risikolebensversicherung über 100000 Euro mit 20 Jahren Laufzeit abschließt, zahlt dafür nur 78 Euro im Jahr.
(SZ vom 18./19.04.2009
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