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Masuren-Fahrt des Kreisverbands

Veröffentlicht am 27.07.2005 in Allgemein

"Als der Herr noch auf Erden wandelte, kam er am späten Nachmittag, als er schon etwas müde war, ins Masurische. Und er schuf bevor er einschlief mit sanfter Hand die masurische Wildnis". Diese Landschaft, welche Arno Surminski in seinem Gedicht beschreibt, das Land mit über 3000 Seen und der weltgrößten Weißstorchpopulation aber auch ihre historischen Bauten und trutzigen Burgen zu sehen und zu erleben, war eine Reisegruppe des SPD-Kreisverbandes nach Polen gefahren. Für einige von ihnen war es aber auch ein Zurück in die eigene Vergangenheit.

1945 als Kind aus den Masuren geflohen
"Es ist schon ein besonderes Gefühl wieder
in das Land zu kommen, wo ich geboren wurde,
wo meine Vorfahren lebten und arbeiteten"
so Dr. Hildegard Ibrahim aus Sulzbach-Rosen-
berg, die als Kind mit Eltern und Großeltern aus
Schönlanke bei Schneidemühl (heute Pila) im
eisigen Winter 1945 vor der Soldateska der
Roten Armee fliehen mußte.
Sie habe ein besondere Beziehung zu den
Masuren, denke mit Rührung an das Land
und die Landschaft, von dem ihre Eltern viel
erzählten.
Ihre Heimat sehe sie jedoch dort, "wo ich
dann als Kind aufwuchs, zur Schule ging, wo
ich meine ersten Freundinnen und Freunde hatte".

Danzigs Altstadt ­ historisch getreu wieder aufgebaut

Danzig, das Zentrum des Dreistädtekomplexes an der Ostsee ­ Danzig, Zoppot
und Gdingen ­ ernüchterte durch der Anblick trister Plattenbauten in den
Vorstädten. Doch die zum Ende des zweiten Weltkrieges zu 90 Prozent
zerstörte Altstadt, sie wurde mit Erhalt der Restsubstanzen wieder
historisch genau errichtet, ließ diesen ersten Eindruck schnell vergessen.
So der Blick von der Langen Brücke über die Moldau zum Krantor, das aus
Backsteinziegeln ­ das meistverwendete Baumaterial bei historischen Bauten
auch in den Masuren ­ errichtete rechtsstädtische Rathaus am Langen Markt
mit seinen prächtigen Bürgerhäusern, der Stockturm oder die Marienkirche. In
der Frauengasse, eine gepflasterte Straße mit malerischen Beischlägen ­ sie
diente als Drehort für Thomas Manns "Buddenbrooks" und Günter Graß¹
"Blechtrommel" ­ beeindruckte neben dem historischen Ambiente das Angebot
der vielen kleinen Läden an Bernsteinschmuck und kaschubischen Stickereien
verführte zum Einkauf.

Allenstein, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Masuren

Durch "das kleine polnische Holland mit seinen Windmühlen", vorbei an der
im 13. Jahrhundert von den Deutschordens-Rittern erbauten größten
Backsteinburganlage Europas, der Marienburg, nach Allenstein, dem
wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Ermlands und der Masuren ging
die nächste Etappe der sechstägigen Reise. Das Hohe Tor, die mehrflügelige
gotische Wehrburg in welcher der Astronom Nikolaus Kopernikus als Verwalter
des Ermlands residierte aber auch die dreischiffige Kathedrale St. Jakobus
und das alte gotische Rathaus (heute Bibliothek) zeugen neben vielen anderen
historischen Bauten von der prachtvollen Vergangenheit der Stadt an der
Alle.

Das Erbe faschistischen Größenwahns

Einen Blick zurück in die Zeit faschistischen Größenwahns bot sich den
Teilnehmern der Fahrt bei der Besichtigung der Überreste der sogenannten
"Führerhauptquartiers" Wolfsschanze, dem Ort des fehlgeschlagenen Attentats
von Graf Stauffenberg vom 20. Juli 1944. In einem Wald- und Seengebiet bei
Rastenburg gelegen, zeugen die gesprengten Überreste der ehemals insgesamt
80 Gebäude und Bunker mit ihren bis zu sechs bis acht Meter dicken Decken
und vier bis sechs Meter hohen Wänden von einem dunklen Kapitels deutscher
Geschichte. Der Besuch des Deutschen Soldatenfriedhofs Bartossen, die letzte
Ruhestätte von 184 Gefallener des ersten und tausender des zweiten
Weltkriegs, verstärkte dieses bedrückende und zur Besinnung mahnende
Erleben.

Ein Tag zum Erholen mit Kahnfahrt und Schmalspurbahn

Eine gestakte Kahnfahrt auf dem Fluss Krutina durch unberührte Landschaften
und eine Fahrt mit einer Schmalspurbahn von Elk nach Sypitki waren
Naturerlebnisse der besonderen Art. Schwäne und Wildenten auf der Krutina,
Störche die hinter Traktoren auf bearbeiteten Felder Futter suchten aber
auch Bauern mit Pferden vor dem Pflug waren wie Bilder einer vergangenen
Zeit.

Die Wallfahrtskirche "Heilige Linde"

Durch wunderschönen Baumallen führte der Weg weiter zur in üppiger
italienischer Barockarchitektur erbauten Wallfahrtskirche "Heilige Linde".
Die durch Säulen, Pilaster und Skulpturen reich gegliederte Fassade wird
beherrscht von der Darstellung der Muttergottes mit der heiligern Linde in
der Mitte. Ein Konzert auf der mit 4000 Pfeifen und beweglichen Figuren
ausgestatteten Orgel rundete den Besuch ab.

Durch die Johannisburger Heide

"Natur pur" ­ das war die Fahrt durch die Johannisburger Heide, der
südliche Teil der Masuren, von Mikolaiken, dem "Venedig der Masuren" und
Standort der Reisegruppe aus. Dunkle Wälder, Seen, durch kleine Wasserwege
und Kanäle verbunden, Storchennester allerorts auf Kaminen, Dächern und auch
Strommasten . . . "wie gesgt: Natur pur".

Thorn ­ die Universtätsstadt an der Weichsel

Thorn, die an der Weichsel gelegenen Universitätsstadt und Geburtsort des
Astronomen Nikolaus Kopernikus beeindruckte am nächsten Tag durch ihre
mittelalterlichen Baudenkmäler. Die alten Speicherhäuser, die
Deutschordensburg, das gotische Rathaus mit seinem markanten Turm, der
schiefe Turm oder die im 14. Jahrhundert entstandenen Marienkirche ­ Zeugen
einer reichen Vergangenheit.

Letzte Station: Posen

Ein Besuch Posens, der Universitätsstadt mit über 140000 Studierenden war
letzte Station der Exkursionen. Die im zweiten Weltkrieg zu 55 Prozent ­
Altstadt 80 Prozent ­ zerstörte Stadt kann mit ihren 100 Hektar Parkanlagen
als "Grüne Stadt" bezeichnet werden. Originalgetreu renovierte Gebäude neben
modernen Fassaden, preußische Gebäudesilhouetten wie das 1910
fertiggestellte Kaiserschloss Wilhelm II. und Denkmäler, an die Opfer des
Aufstands vom 20. Juli 1956 und des Solidarnosz-Streiks 1981 erinnernd,
originalgetreu wiederhergestellte Kirchen und eine zum Schwimmbad umgebaute
Synagoge ­ letzte Eindrücke einer Fahrt, die bei einem Altstadtfest auf dem
Marktplatz ausklang.

Vor der Kulisse des nach altem Vorbild im Renaissancestil wieder erbauten
Rathauses und der angrenzenden Bürgerhäuser sorgten modernen Pop- und
Rockgruppen gemeinsam mit afrikanischen Folkgruppen eine völkerverbindende
Atmosphäre.

 

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