Am Kamingespräch mit Gewerkschaftern zu dem MdL Reinhold Strobl (Mitte) eingeladen hatte nahmen auch stellvertretender AKW-Kick- Betriebsratsvorsitzender Josef Birner (rechts) und Kreisrat Rudolf Bergmann (links) teil.Im Unterbezirk Amberg stehen SPD und Gewerkschaften zu ihrer traditionellen Verbundenheit und pflegen den Dialog.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Bayern mit den Sozialdemokraten im Clinch? Das Verhältnis der beiden Organisationen, welche für die Stärkung der Arbeitnehmerrechte stehen, getrübt?
Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl betonte bei einem Kamingespräch mit Gewerkschaftern und Betriebsräten im Hotel Haas in Schnaittenbach: „Ich bin als Redner zum 1. Mai in Erbendorf eingeladen und werde dort sprechen."
Das Gespräch suchen, miteinander diskutieren, Erfahrungen austauschen und Problemfelder aufzugreifen sei sein Anliegen, so der Abgeordnete.
Und die Gewerkschafter gingen auch gleich in die Vollen.
Hauptkritikpunkte waren:
- Verstärkte Leiharbeit
- Lohndumping
- geringe Ausbildungsbereitschaft vieler Betriebe
- drohender Fachkräftemangel
- Senkung der Unternehmenssteuern
- Rente mit 67 bei Absenkung des Rentenniveaus
Der Staat werde durch Abwanderungsdrohungen von Unternehmen erpresst, die große Koalition plane Steuergeschenke an die Konzerne, „… ein Kniefall der Politik vor der Wirtschaft“ ärgerte sich der stellvertretende AKW-Kick-Betriebsratsvorsitzende
Josef Birner.
Die Arbeitnehmer aber würden immer stärker belastet, „da krieg ich einen dicken Hals“. Viele junge Menschen seien ohne Ausbildungsplatz „und damit ohne eine Zukunftsperspektive“ bemängelte AKW-Kick-Betriebsratsvorsitzender
Gerhard Hojer. Von ihnen werde Flexibilität gefordert, … da ist die Kürzung der Pendlerpauschale bei steigenden Spritpreisen kontraproduktiv“.
Reinhold Strobl wies darauf hin daß sich die Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder immer für den Erhalt der Pendlerpauschale stark gemacht habe.
Lohndumping: acht Stunden am Tag arbeiten und trotzdem noch Hartz IV
Wenn die Unternehmen, ist Birner überzeugt, nicht bald reagierten „
gibt es bei den anstehenden geburtenschwachen Jahrgängen massiven Facharbeitermangel“.
Man müsse dabei auch die gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Verantwortlichkeit hinterfragen, so Kreisrat
Rudolf Bergmann, „
denn jeder Ausbildungsplatz der heute nicht geschaffen wird ist ein fehlender Kunde von morgen“.
Verstärkter Einsatz von Leiharbeit führe zu Lohndumping, so der langjährige Schwerbehindertenvertreter
Josef Altmann, der kritisierte: „
Es kann doch nicht sein dass man acht Stunden am Tag arbeitet und dann noch Hartz IV beantragen muss um menschenwürdig leben zu können“.
Rente mit 67 wird von den Gewerkschaftern ebenso wie von MdL Strobl abgelehnt
Erst müssten Arbeitsplätze für Ältere vorhanden sein, und „
Jeder hat eine andere Arbeitsbiografie – das ist doch nur eine Rentenkürzung“ ist Josef Birner überzeugt.
Die Vorschläge von Bundeswirtschaftsminister Glos zur Senkung der Einkommensteuer, so ver.di-Medien-Ortsvorsitzender und Kreisrat
Hubert Söllner , seien reiner Populismus. Er sei wie Kreisrat Bergmann der Meinung, dass die durch den derzeitigen Konjunkturaufschwung erzielten Steuermehreinnahmen für die personelle Stärkung der inneren Verwaltung, der Justiz, der Polizei und im Bildungsbereich benötigt würden, „sonst stehen wir in zehn Jahren vor einem Chaos“.