Auf Einladung des örtlichen SPD-Landtagsabgeordneten Reinhold Strobl besuchte die tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, MdL Gudrun Peters, das Naturbad in Schnaittenbach. Beide Abgeordneten wollten sich einen Einblick über den Baufortschritt beim Naturbad machen. Der SPD-Ortsverein Schnaittenbach sowie der Planer, Landschaftsarchitekt Siegfried Lösch, ließen es sich nicht nehmen den Abgeordneten das Naturbad zu zeigen.
Beide Abgeordnete erinnerten zu Beginn daran, dass in Bayern in den letzten zehn Jahren ca. 100 Bäder geschlossen wurden und das Bädersterben munter weiter geht. Tatsache ist, dass die Kommunen bei der Sanierung der Bäder finanziell völlig überfordert sind. Dabei ist es sehr bedenklich, dass die Zahl der Nichtschwimmer in Bayern stetig steigt und auch die Zahl der Toten durch Ertrinken bundesweit mit 606 registrierten Fällen einen traurigen Höchststand seit Jahren erreicht hat.
Nach Aussage von MdL Strobl ist der Tod durch Ertrinken, statistisch gesehen, bei uns in Bayern nach den Verkehrsunfällen die zweithäufigste Unfallursache. Dem muss entgegengetreten werden und der Schlüssel dazu ist, dass die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Kinder und Jugendliche in den örtlichen Bädern das Schwimmen und das richtige Verhalten im Wasser erlernen. Da ist die Staatsregierung gefordert, nicht länger wegzusehen und den Erhalt der Frei- und Hallenbäder in Bayern flächendeckend zu garantieren. Die SPD-Landtagsfraktion hat deshalb beantragt, dass in den Haushalt des Freistaates 50 Millionen Euro zur Sanierung kommunaler Bäder eingestellt werden. Um so erfreulicher sei es, dass in Schnaittenbach ein Weg zum Erhalt des Freibades gefunden wurde.
In Deutschland sind chlorfreie Freibäder eher noch selten, dagegen werden in Österreich Naturschwimmbäder schon seit 20 Jahren in Serie gebaut, berichtete Siegfried Lösch. Das Freibad in Schnaittenbach wurde in den frühen 70er Jahren erbaut. Mit einem jährlichen Trinkwasserverbrauch von etwa 20.000 Kubikmetern sowie Kosten für Chlor- und Algenmitteln von rund 9.000 Euro konnte von Naturnähe und Nachhaltigkeit kaum gesprochen werden. Jährlich sei im Bad ein Algenproblem aufgetreten. Dies sei zwar gesundheitlich unbedenklich gewesen, sagte Lösch, aber die notwendige Sichttiefe für Rettungsaktionen, war nicht gegeben. Derartige Zustände werden nach dem Umbau der Vergangenheit angehören.

Aus gutem Grund entschloss sich daher der Stadtrat für die Sanierung des Freibades, erläuterte SPD-Fraktionsvorsitzender Georg Dobmeier. Bereits 2001/02 wurde im Bereich des Eingangs ein Familienbereich mit Planschbecken und neuem Sanitärgebäude errichtet. Im Jahre 2006 wurde dann die komplette Neuausrichtung in die Wege geleitet. Dabei spielen die ökologischen und die sozialen Komponenten eine wichtige Rolle. „Wir wollen unseren Besuchern einen chemiefreien Badespass bieten und unser Naturbad für Jugendgruppen und Behinderte attraktiv gestalten“, erklärte Dobmeier. In Schnaittenbach will die Stadt rund 1,5 Millionen Euro investieren. Aus Leader Plus-Mittel werden davon rund 750.000 Euro bezahlt. Dies verdankt Schnaittenbach der Mitgliedschaft bei der AOVE.
Lösch stellte die Funktionsweise des zukünftigen Naturbades vor. Im Vordergrund steht dabei die Selbstreinigung durch die Natur. Den Schwimmbecken werden zwei Klärstufen nachgeschaltet. Ein Überlauf sorgt dafür, dass zunächst das Badewasser beständig zu einem Flachwasserbecken mit Pflanzen gelangt. Dort findet die Vorreinigung statt. Dann fließt es zu Klärstufe zwei, einem Becken mit Kies, wo es 10 Zentimeter unter der Oberfläche von Kies und den Wurzeln dort lebender Pflanzen so aufbereitet wird, dass es wieder in die Wasserbecken des Schwimmbads gepumpt werden kann. „Das Wasser ist dann gesundheitlich unbedenklich und so klar, dass die nötige Sichttiefe gewährleistet ist“, versicherte Lösch.
Überrascht zeigte sich MdL Peters über die Weitläufigkeit des Geländes und den alten Baumbestand. Die Schwimmbecken werden ca. 2.200 Quadratmeter Wasseroberfläche haben und damit genügend Platz zum Schwimmen und Planschen bieten, 2.000 Quadratmeter wird allein der Klärbereich umfassen. „Die alten Bäume werden wir weitgehend erhalten, und zusätzlich neue pflanzen“, versicherte Lösch. Stadträtin Bärbel Grützner erinnerte daran, dass aufgrund eines SPD-Antrags von Brödlasfurt aus eine Fußwegeanbindung angelegt wird, damit die Leute auch mal zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Schwimmbad oder zum Sportzentrum gelangen können. Begrüßenswert fand es Kassier Josef Hausner, dass auch im Winter das Bad zum Schlittschuhlaufen zur Verfügung stehen wird.
MdL Reinhold Strobl