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Nicht gleich jeder Standort gefährdet ?

Veröffentlicht am 26.05.2008 in Bildung

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der heutigen Ausgabe der „Amberger Zeitung“ erschien zur Situation der Hauptschulen ein Artikel mit der Überschrift „Nicht gleich jeder Standort gefährdet“.

Dort wird der Leiter des Staatlichen Schulamtes, Herr Hubert A. Haberberger, zur Zukunft der Hauptschulen befragt. Aus der Sicht des Schulamtes, welches sich sicherlich um die Zukunftsfähigkeit der Hauptschulen und um eine Stärkung der Hauptschulen bemüht (Wir versuchen, die Hauptschulen auf dem Land so lange zu stärken, wie möglich“), stimmen die Aussagen sicherlich. Ich gehe auch voll davon aus, dass das Schulamt eine ehrliche Informationspolitik betreibt. Das Schulamt hat jedoch das umzusetzen, was die Staatsregierung vorgibt.

Aus politischer Sicht und aufgrund meiner Erfahrungen im Bildungsausschuss ist zu dem Thema „Zukunft der Hauptschulen“ jedoch folgendes anzumerken:

Mit der Einführung der R 6 war die Entwicklung im Bereich der Hauptschulen vorhersehbar

- Es werden immer mehr Schülerinnen und Schüler in weiterführende Schulen übertreten

- In der Oberpfalz gibt es Landkreise, in denen die Geburtenzahl in den nächsten Jahren um 20 bis 30 Prozent und sogar um über 30 Prozent zurückgeht. Das hat Auswirkungen auf die Hauptschulen.

- Es gibt derzeit in Bayern noch ca. 350 einzügige Hauptschulen bzw. Hauptschulstandorte, die ich alle als gefährdet ansehe.

- Es gibt im Bereich der Hauptschulen eine Mindestklassenstärke von 15 Schülern (nicht von 12!!)

Die bisherigen Erfahrungen zeigen:

- Wo eine Hauptschulklasse einmal an eine andere Schule angegliedert wurde, kommt sie nicht mehr an die ursprüngliche Schule zurück

- Damit ist die Zukunft der jeweiligen Hauptschule akut gefährdet.

- Petitionen, bei denen die Schülerzahl lediglich auf 14 Schüler in einer Klasse zurückging, wurden von der CSU-Mehrheit im Ausschuss abgelehnt. In einem Fall mussten 14 Schüler in eine andere Schule fahren, dort wurde eine zusätzliche Klasse eingerichtet, es wurde kein Lehrer eingespart, die Kinder waren aber täglich eine Stunde länger auf der Straße.

Wir müssen den Wählerinnen und Wählern folgendes sagen: Es gibt 2 Möglichkeiten.

- Bei einem starren 3-gliedrigen Schulsystem müssen die Schülerinnen und Schüler immer weiter in die Schule fahren. Hauptschulstandorte können nicht mehr gehalten werden.

- Oder: Man ist bereit, Modelle (wie z.B. des BLLV und der SPD: Regionalschule bzw. Reformschule) oder alternative Schulmodelle (z.B. Rheinland-Pfalz) zuzulassen. Dann könnten die Kinder auch weiterhin wohnortnäher unterrichtet werden. Ich empfehle hier den Besuch einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung (Einladung liegt bei!) mit Vera Reiß, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz. Anmeldungen bitte direkt bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Regensburg.

Vor kurzem hatte ich eine Petition der Hauptschule Betzenstein-Plech. Dort wurde die Hauptschule geschlossen. Eine eingereichte Petition wurde von der CSU wiederum abgelehnt. Die Regierung von Oberfranken hatte hierzu geschrieben:

„Die Tatsache, dass die Geburtenzahl im Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Betzenstein gegenüber dem Tiefstand im Jahre 2005 (29 Geburten) wieder geringfügig auf 32 Geburten im Jahr 2006 und 34 Geburten im Jahr 2007 angestiegen ist, berechtigt aus unserer Sicht leider nicht zu der Hoffnung, dass auch im Hauptschulbereich wieder für eine durchgängige Klassenbildung ausreichende Schülerzahlen zustande gekommen wären. Dabei muss gesehen werden, dass im Bereich der Verwaltungsgemeinschaft bis zum Jahr 2000 noch Geburtenzahlen im Bereich von 50 zu verzeichnen waren und dass selbst bei einer regelmäßigen Zahl von 40 Geburten bei den aktuellen, in den letzten Jahren stetig angestiegenen Übertrittsquoten (Übertritte an andere weiterführende Schulen) spätestens ab der 7. Jahrgangsstufe die für eine Klassenbildung notwendige Mindestzahl von 15 Schülern nicht mehr erreicht worden wäre.“

Bitte, schaut Euch deshalb einmal die Geburtenzahl in Eurer Gemeinde an. In welcher Gemeinde gibt es denn noch über 40 Geburten im Jahr? Hier besteht akuter kommunalpolitischer Handlungsbedarf.

Ich werde mich zu dem Thema in Kürze noch ausführlicher in der Öffentlichkeit äußern.

Reinhold Strobl, MdL (SPD)
Birkenweg 33
92253 Schnaittenbach
Tel. 09622 - 70 36 36
Fax. 09622 - 70 36 35
Internet: www.reinhold-strobl.de

 

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