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Notizen aus Bayern

Veröffentlicht am 16.06.2006 in Landespolitik

Am 30. Juni fällt im Bundestag die Entscheidung. Dann wird im Zuge der Spargesetze der großen Koalition über die Neuregelung der Pendlerpauschale entschieden. Wird der jetzige Gesetzesentwurf verabschiedet, dann können nur mehr Pendler, die mehr als 20 Kilometer zu ihrer Arbeitsstätte fahren müssen, 30Cent pro Kilometer von der Steuer absetzen.

Die Oberpfälzer SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder will sich damit nicht abfinden. „Vielleicht können wir das noch verhindern.“ Schließlich wirke sich für rund 80Prozent der Berufspendler in der Oberpfalz diese Änderung negativ aus. Auch der Arbeitnehmerfreibetrag von 920 Euro kompensiere den Verlust oft nicht. Vielen Pendlern droht ein Verlust von mehreren hundert Euro.
Die große Koalition muss sparen. Zweieinhalb Milliarden Euro soll die Kürzung der Pendlerpauschale bringen. Trotzdem setzt sich die bayerische SPD-Landesgruppe für Nachverhandlungen im laufenden Gesetzgebungsverfahren ein. „Damit machen wir uns keine Freunde.“ Auch in der SPD wollen die Abgeordneten aus den Ballungsgebieten am gefundenen Kompromiss nur noch ungern rütteln. „Trotzdem bearbeiten wir Finanzminister Peer Steinbrück.“ Denn es sei eine Frage der Gerechtigkeit, den Berufspendlern in ländlichen Regionen zu ermöglichen, ihre Kosten für den Weg zur Arbeit steuerlich geltend machen zu können. Die SPD-Abgeordneten aus Bayern haben Gegenvorschläge vorgelegt. Unter anderem können sie sich vorstellen, nur mehr 25statt bisher 30Cent Steuerermäßigung zu gewähren – aber dann für alle Pendler. Auch könne man den generellen Freibetrag senken, dafür müssten dann die Arbeitnehmer für tatsächlich angefallene Ausgaben Belege erbringen. Schieder hofft bei den Verhandlungen im Bundestag auf Unterstützung – auch von der CSU, die sich bisher in der Frage sehr zurückhalte.
Schieder will hart bleiben, notfalls auch gegen die eigene Koalition: „Ich bin schließlich nicht der Diener der Bundesregierung.“ Ansonsten steht sie aber zu dem schwarz-roten Bündnis: „Es gab und gibt keine Alternative.“ Der Wähler habe es so gewollt und nun dürften sich die Politiker nicht verweigern. In der Oberpfälzer SPD ist diese Haltung nicht unumstritten. Der SPD-Bezirksvorsitzende Franz Schindler macht aus seiner Skepsis kein Hehl: „Die große Koalition ist aus Sicht der SPD ein historischer Fehler.“ In Berlin profiliere sich die Union auf Kosten der SPD. „Hartz IV wird uns in die Schuhe geschoben, obwohl diese Gesetze auf Wunsch der Union so verabschiedet wurden.“ Beifall findet Schindler mit seiner Kritik bei seinem Landtagskollegen Werner Schieder aus Weiden: „Wir müssen uns mehr an den Arbeitnehmer-Interessen orientieren.“ Man müsse ökonomisch umdenken und wieder mehr auf die Inlandsnachfrage statt auf sture Sparpolitik setzen. Selbstbewusst fügt er hinzu: „Die Oberpfälzer SPD besetzt mit dieser Diskussion eine Leerstelle in der Gesamtpartei.“
Schindler macht aus seiner Vorliebe für das alte rot-grüne Bündnis kein Hehl – will er es gegebenenfalls um die „neue Linke“ erweiterte alte PDS vergrößern? Schindler winkt ab: „Die PDS ist noch nicht soweit.“ Noch dazu hätten viele Sozialdemokraten nicht vergessen, dass sie einst von den Kommunisten in der DDR unterdrückt worden seien.

 

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