„Deutschland wird in den nächsten Jahrzehnten kleiner, älter und bunter“. So beschrieb Winfried Mellar, Ansprechpartner der IHK Regensburg/Kehlheim für den demografischen Wandel, beim Fachgespräch zum Thema „Fachkräftemangel“, zu dem MdL Reinhold Strobl (SPD) am Montag eingeladen hatte, die Entwicklung Deutschlands. Bundesweit würden in der Zukunft 6 Mio Rentner eine Lücke auf dem Arbeitsmarkt öffnen.
Um diese Lücke zu füllen, wäre es notwendig, jährlich 200.000 Erwerbstätige aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Im Gasthof Haas in Schnaittenbach diskutierten Vertreter der Gewerkschaften, der Berufschule Sulzbach-Rosenberg, der Technischen Hochschule Regensburg zusammen mit dem Abgeordneten darüber, wie sich die derzeitige Situation der Fachkräfte für die Wirtschaft in der Region darstellt und wie Handwerksbetriebe und Industrie in den nächsten Jahren den drohenden Fachkräftemangel bewältigen wollen.
„Vor allem die Bereiche Pflege, Dienstleistung und das Gast- und Hotelgewerbe werden bis 2020 Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu finden. Bis 2030 werden laut IHK Fachkräftemonitor 2013 rund 660.000 Fachkräfte in Bayern weniger als heute zur Verfügung stehen. Dabei seien das größte nicht genutzte Potential qualifizierte Frauen. Hier, so Mellar, gebe es bereits große Veränderungen, allerdings müsste die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch stärker in das Bewusstsein der Unternehmer und Arbeitgeber dringen. Auch ältere Arbeitnehmer seien mit ihrer langjährigen Berufserfahrung ein wichtiges Potential für die Wirtschaft, allerdings hätten sie ab 50 Jahre deutlich schlechtere Vermittlungschancen. Bei den Migranten sei das A und O die deutsche Sprache. „Migranten, die entweder in ihrem Heimatland eine gute Facharbeiterausbildung erfahren haben oder in Deutschland ausgebildet wurden und deutsch sprechen, haben auf dem hiesigen Arbeitsmarkt gute Chancen. Deutschkenntnisse sind allerdings die Grundvoraussetzung.“
Peter Hofmann, DGB Regionssekretär, bestätigte Mellars Ausführungen und ergänzte, dass die Anerkennung ausländischer Ausbildungsverträge in Deutschland noch sehr dürftig sei. Es wäre wichtig, auch das Umfeld für ausländische Arbeitnehmer entsprechend zu gestalten, z.B. Kindergartenplätze für die Kinder, Arbeitsplatz für die Frauen.
Im Bereich Pflege, so Hofmann, sei die Situation besonders haarsträubend. „Das Problem ist hier die Wertschätzung des Berufs an sich, eine gerechte Vergütung, die Pflegetarife sind schlecht. Wie sollen junge Leute den Beruf attraktiv finden, wenn sie für die intensive Arbeit schlecht bezahlt werden?“ Auch SPD Stadtrat Martin Seibert bestätigte, dass der Pflegebereich, egal ob häusliche oder stationäre Pflege, die Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen werde. Die Situation in den Städten sei hier noch schwieriger als in den ländlichen Gebieten. Die Lücken mit ausländischen Fachkräften zu füllen, sei aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse nur schwer möglich. „Die Pflegeberufe müssen attraktiver gestaltet und vor allem besser bezahlt werden.“ OstD Reinhard Kretschmer, Leiter des Beruflichen Schulzentrums Sulzbach-Rosenberg, bestätigte, dass es neben den Pflegeberufen noch viele andere Berufszweige, wie z.B. das Fleischerhandwerk gebe, die viel zu wenig Anerkennung von Seiten der Gesellschaft bekämen.
Alle Anwesenden waren sich einig, dass der Fachkräftemangel, der Deutschland und auch die Region Amberg-Sulzbach in den nächsten Jahren treffen wird, mit schnellen Lösungen nicht behoben werden kann. Grundsätzlich seien eine Verbesserung des Bildungssystems, ein Umdenken der Gesellschaft und der Politik vor allem hinsichtlich der Wertschätzung der Sozialpflegeberufe nötig. Fachkräfte aus dem europäischen Ausland seien eine Chance für den deutschen Fachkräftemarkt, wenn auch hier die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erst noch geschaffen werden müssten.
Strobl dankte abschließend allen Teilnehmern für die lebhafte und interessante Diskussion und fasste die Inhalte in folgenden Eckpunkten zusammen: Weiterbildung müsse fest in die Arbeitsprozesse integriert werden, eine gesetzliche Regelung wäre sinnvoll. Das bisher noch zu wenig genutzte Potential an qualifizierten Frauen, Älteren, Migranten und Behinderten müsse ausgeschöpft werden unter Berücksichtigung der Arbeitsbedingungen, die verbessert werden müßten. „Die Oberpfalz ist attraktiv, sowohl um hier zu arbeiten, als auch um hier zu leben. Wir haben solide und aufstrebende Unternehmen, ein Hochschulnetz, das mit der Verleihung des Titels „Technische Hochschule“ ein Aushängeschild für die ganze Region ist und die Oberpfalz ist eine lebendige Kulturlandschaft. Es ist schön, hier zur leben und zu arbeiten.“
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Bild 003: (von links) Annette Rieck-Silio (SPD Schnaittenbach), Professor Dr. Thomas Fuhrmann (Hochschule Regensburg, Dekan der Fakultät Elektro- und Informationstechnik), Uwe Bergmann (SPD Schnaittenbach), MdL Reinhold Strobl, Winfried Mellar (IHK Regensburg/Kehlheim)
Bild 007: MdL Reinhold Strobl (Mitte), Winfried Mellar (IHK Regensburg/Kehlheim) rechts daneben
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