Am 31.1o.2016, dem Reformationstag, begann der Veranstaltungs-Reigen mit einer Stadtführung. Mit einem historischen Kostüm angetan schlüpfte Hannelore Zapf in die Rolle der Barbara Schwaiger, einer Frau der damaligen Zeit aus einer bedeutenden Amberger Familie, deren Mann bereits mit 23 Jahren Amberger Bürgermeister war.
Hannelore erinnerte an den Thesenanschlag vor fast 500 Jahren. Sie führte uns zu einigen Stationen mit evangelischem Bezug und erklärte jeweils die Geschichte der Evangelischen in Amberg mit einer enormen Geschichtskenntnis und größtem Einfühlungsvermögen.
So gingen wir zum Beispiel zur Spitalkirche, in der die evangelischen Prediger zuerst auftraten. In die heutige Basilika auf dem Marktplatz, die Martinskirche, durften sie anfangs noch nicht. Wir erfuhren, dass der Amberger Rat Kontakt mit Wittenberg aufnahm und um einen Prediger bat. Man bot den Prediger Hügel an (nach ihm ist das Hügelhaus im D-Programm benannt). Die Wittenberger versäumten aber nicht, darauf hinzuweisen, dass dieser Hügel „nicht von großer Statur“ und deshalb keine repräsentative Person sei. Die Amberger haben ihn trotzdem genommen. Und das war gut so!
Wir gingen in den Rosengarten, beim alten Finanzamt und erfuhren etwas über die Funktion der umliegenden Gebäulichkeiten des Gesamtkomplexes und ihre Bewohner, deren Konfession und religiösen Ansichten.
Wir waren in der Martinskirche auf dem Marktplatz. Wir konnten bei zwei Seitenaltären die Grabstätten von vier Kindern des damaligen evangelischen Pfalzgrafen besichtigen. Es gibt also heute noch Zeugnisse aus der evangelischen Zeit in dieser Kirche. Hier bekam, wer wollte, von Hannelore einen Bonbon, einen „Reformationsbonbon“.
Eine interessante Station war die Paulanerkirche. Ein toller Zufall wollte es, dass die evang. Dekanats-Kantorin Kerstin Schatz gerade in der Kirche weilte. So konnten wir sogar einen Vers des Liedes „Herzlich lieb hab ich dich o Herr“, auch bekannt als das „Amberger Lied“ mit Orgelbegleitung singen. Es ist das einzige Lied, das der evang. Prediger Martin Schalling geschrieben hat, sagt man jedenfalls. Das Kirchenlied ist sehr bekannt in evangelischen Kreisen. Falls jemand nach dem Lied schauen will, es steht im evang. Gesangbuch unter der Nr. 397.
Was besonders interessant war, Hannelore erwähnte bei verschiedenen Gelegenheiten, dass der Amberger Rat sehr selbstbewusst war, auch in Glaubensdingen. Amberg war durch Handel und Erzvorkommen eine wohlhabende Stadt. Der Rat der Stadt nahm z. B. sehr selbstbewusst Kontakt auf mit dem damaligen evangelischen Zentrum, mit Wittenberg, um geeignete Prediger zu erhalten und scheute auch den Konflikt mit der Obrigkeit nicht (Amberger Lärmen).
Für die, die heuer nicht mitgehen konnten, weil es keine Karten mehr gab: Hannelore macht am Reformationstag des nächsten Jahres, also am 31.10.2017, wieder eine Führung gleicher Art, siehe aktuelles Programmheft des Evangelischen Bildungswerkes (Seite 71). Und noch ein Hinweis: Herr Dörner macht in einigen Tagen einen Stadtrundgang zum Thema „die Gegenreformation in Amberg“. Man darf gespannt sein .