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Renate Schmidt in Hirschau

Veröffentlicht am 13.11.2019 in Allgemein

Überzeugende Antworten auf Fragen des Klimaschutzes und der sozialen Gerechtigkeit finden, die Welt unter Einbeziehung Russlands und der Türkei befrieden, Visionen entwickeln, um Menschen wieder zu begeistern, diesen Appell richtete Renate Schmidt an ihre Partei, die SPD. Anlässlich des 100jährigen Gründungsjubiläums war die Bundesfamilienministerin a.D. auf Einladung des Hirschauer-Ortsvereins in Begleitung ihres Gatten  Hasso von Henninges zu einer Sonntagsmatinee mit Lesung in den voll besetzten Schloßtreff der Kaolinstadt gekommen.

Der Besuch sei persönlichen Kontakten zu Hasso von Henningens zu verdanken. „So wie der Künstler gerne mit Farben arbeitet, hat er auch Farbe in das Leben seiner Gattin gebracht“, mit diesen Worten begrüßte zweiter Bürgermeister Josef Birner das prominente Paar.  Bunt und abwechslungsreich sei das Leben von Renate Schmidt fast immer gewesen. Von der Betriebsrätin der Fa. Quelle ins deutsche Parlament, Bundestagsvizepräsidentin, acht Jahre bayerischer Landtag, Vorsitzende der Bayern SPD und schließlich Familienministerin im Kabinett von Gerhard Schröder, skizzierte Birner den Lebenslauf der Familienministerin a.D.  Weil sie ihre Politik stets am Lebensgefühl moderner Familien orientierte, gelte sie noch heute als Idealbesetzung. Da sie mit 75 eigentlich jetzt kürzertreten wolle,  freue sich die Hirschauer SPD besonders über den Besuch.

 „Den Bürgerinnen und Bürgern von Hirschau Wohlergehen und Erfolg und meiner SPD herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag“, mit diesem Satz trug sich Renate Schmidt ins Goldene Buch der Stadt Hirschau ein.

„Warum schreibt Renate Schmidt überhaupt Bücher?“, mit dieser Frage leitete SPD-Vorsitzender Günther Amann  zu einer höchst interessanten Lesung über.

„Weil mich in meinem politischen und privaten Leben  immer bewegt hat, was kann ich tun, damit unsere Gesellschaft die Welt ein kleines bisschen besser hinterlässt, als ich sie vorgefunden habe.“, zitierte Amann die Autorin aus ihrem Buch „Lasst unsere Kinder wählen!“ Die Lesung daraus geriet zu er einem glühenden Plädoyer für mehr und gesicherte Kinderrechte.

„In einer Demokratie werden die ernst genommen, die ein Wahlrecht haben“, meinte die Renate Schmidt. Kinder seien von Wahlen ausgeschlossen,  ihre Interessen würden daher oft zu wenig beachtet. In den Parlamenten hätten die über 60-jährigen die Mehrheit. Auch gesellschaftliche Interessensverbände vertreten kaum die Belange von Kindern. So habe der ADAC 20 Millionen Mitglieder, Vereine, die sich für Kinder einsetzten,  nur 500 000. Renate Schmidt plädierte für ein Wahlrecht von Geburt an, das in den ersten 12 Lebensjahren stellvertretend die Eltern ausüben sollten. Grundrechte stünden jedem zu, unabhängig vom Alter. Ein Wahlrecht für alle hätte zahlreiche positive Effekte. So würde sich die Politik nicht mehr vorwiegend um die Stimmen von Erwachsenen  bemühen, sondern gleichermaßen die Anliegen der Jüngeren und Jugendlichen berücksichtigen. Staatsbürgerlicher Unterricht würde für Schüler interessanter und politische Diskussionen in den Familien intensiviert. Mehr Engagement für unsere Demokratie würde unserem Staatswesen gut tun.

 „Wer heute den Kopf in den Sand steckt, der knirscht morgen mit den Zähnen“, damit eröffnete Renate Schmidt den zweiten Teil ihrer Lesung. Sie beschrieb mit drastischen Beispielen die Schicksale von Frauen, die durch Familienarbeit und Minijob in Altersarmut geraten seien.  In ihrem Buch „Ein Mann ist keine Altersversorgung“, geschrieben mit Co-Autorin Helma Sick, rät sie zu Partnerschafts- und Eheverträgen, am besten, wenn die Liebe noch jung ist. „Später wird’s schwierig.“ Obwohl 40 Prozent aller Ehen geschieden würden, seien solche Verträge aber die Ausnahme. Minijobs zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien für Frauen im Alter desaströs. 15 Jahre Minijob ergäben 70,- € Monatsrente. In deutschen Familien gebe es überwiegend noch immer die klassische Rollenverteilung und die Frauen fänden sich damit ab. So würden 69 Prozent der Frauen in Teilzeit arbeiten, aber nur 5 Prozent der Männer. Scheitere die Ehe oder versterbe der Partner seien die Folgen verheerend. Praktische Lösungen seien überschau- und machbar. „Er kann nicht sein, dass gemeinsame Lebensentscheidungen, wie die Familienplanung ausschließlich zulasten der Frau gehen“, so Renate Schmidt.

Eine lebhafte Diskussion unterstrich die Aktualtät der gelesenen Texte. Karin Waldhauser betonte, dass nach ihren Erfahrungen als Familienrichterin eine Grundsicherung für Kinder viel zu wenig diskutiert werde. Reinhold Strobl verdeutlichte die Bedeutung von Pflege und Grundrente.

 

Text zum Bild: „Wohlergehen und Erfolg“ wünschte Bundesfamilienministerin a.D. Renate Schmidt den Hirschauer Bürgerinnen und Bürgern beim Eintrag ins Goldene Buch und „ihrer SPD“ alles Gute zum 100. Geburtstag.

Über ihren Besuch in der Kaolinstadt freuen sich (von links) Landrat a.D. Armin Nentwig, SPD-Vorsitzender Günther Amann, 2. Bürgermeister Josef Birner, Landratskandidat Michael Rischke, stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann, Bezirksrat Richard Gassner und MdL a.D. Reinhold Strobl.

 

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