Als „Sarkasmus pur“, bezeichnet der oberpfälzer Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl (SPD) die Stellungnahme des bayerischen Kultusministeriums, das sich zum Tag der Ausbildung am kommenden Montag lieber mit der Qualität der Ausbildung selbst beweihräuchert, anstatt die drängenden Sorgen der Jugendlichen aufzugreifen.
„Speziell die Hauptschüler in Bayern stehen in Konkurrenz mit den Abgängern von Realschulen und Gymnasien, die deutlich höhere Chancen haben, einen der begehrten Ausbildungsplätze zu ergattern. Bis zum heutigen Tag haben laut BLLV erst 30 Prozent der Hauptschulabgänger des diesjährigen Jahrgangs einen Ausbildungsplatz. Da hilft es ihnen wenig, wenn sich das Kultusministerium in Lobhudeleien über die Qualität der Hauptschulen ergeht.“ betont Strobl, der im Landtag als Sprecher für Hauptschulangelegenheiten seiner Fraktion fungiert.
Der Tag der Ausbildung sollte eher dazu genutzt werden, über die prekäre Lage am Ausbildungsmarkt nachzudenken und mit konkreten Lösungsansätzen dieses bildungs- und gesellschaftspolitische Problem anzugehen. Laut Strobl wäre hier eine Reform des rigiden dreistufigen Bildungssystems in Bayern und die Aufwertung der Hauptschule einer der Schritte, die jetzt angegangen werden sollten. „Auch die Hauptschüler haben größere Chancen am Arbeitsmarkt verdient“, so Strobl.
Es genüge auch nicht, die Wirtschaft aufzurufen mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, so Strobl. Dies sei natürlich notwendig und wünschenswert, aber die Staatsregierung solle dabei in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich als Vorbild vorangehen und mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, anstatt sie aus haushaltspolitischen Gründen zusammenzustreichen. „Von fünf frei werdenden Arbeitsplätzen wird derzeit nur einer wiederbesetzt. Nur so ist es wohl zu erklären, dass im Bereich des Staatsministeriums des Innern (dazu gehört auch die Straßenbauverwaltung und die Wasserwirtschaft) für das Einstellungsjahr 2007 gerade mal 24 Ausbildungsplätze vorgesehen sind, davon nur drei in der gesamten Oberpfalz und einer in Mittelfranken.“
Beim Justizministerium verhält es sich ähnlich. Bayernweit werden hier lediglich 31 Stellen besetzt und im Bereich des Finanzministeriums sind es lediglich 101 Ausbildungsplätze. Für die Oberpfalz fielen dabei gerade mal sechs Plätze ab. Strobl: „Der Abbau im öffentlichen Dienst ist drastisch. Deshalb schließe ich mich der Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an, dass die Zahl der Ausbildungsplätze im öffentlichen Dienst sofort um zehn Prozent erhöht werden müssen.“
In der Oberpfalz, so Strobl, seien viele Unternehmer Ihrer Verantwortung gegenüber gerecht geworden und hätten Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt. Angesichts der schlimmen Situation sei es aber notwendig, noch mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Gerade diejenigen, die sich bis jetzt vornehm zurückgehalten hätten, seien aufgefordert, jungen Menschen eine Chance zu geben.