Der Nachwelt zur Mahnung gegen das Vergessen: Franz Xaver Kemmeter war 11 Jahr lang Vorsitzender der Amberger SPD. Im Jahr 1933 begannen für ihn lange Jahre der Verfolgung und Inhaftierung, bis hin zu seinem Tod im Juli 1944. Sein Geburtstag jährte sich am 19. August zum 130. Mal.
Mitglieder des SPD Stadtverbandes Amberg trafen sich an der Gedenkstätte für die KZ-Opfer im Katharinenfriedhof und erinnerten an ihren einstigen Vorsitzenden.
SPD Stadtverbandsvorsitzender Martin Seibert rief in seiner Rede zum Kampf gegen Rassismus und Faschismus auf. „Sozialdemokraten müssen hier klar Stellung beziehen.“ Franz Xaver Kemmeter bezeichnete er als Vorbild im Kampf für Demokratie und Menschenrechte.
„Wir erinnern heute an einen Mann für den es keinen Grabstein oder eine Erinnerungstafel gibt.“ So begann der stellvertretende Stadtverbandsvorsitzender Dieter Weiß seinen kurzen Einblick in das Leben von Franz Xaver Kemmeter:
Er wurde am 19. August 1887 in Sinzing bei Regensburg als Sohn eines Schreiners geboren. Diesen Beruf übte er später auch aus bis er Gewerkschaftssekretär des Deutschen Holzarbeiterverbandes wurde. In der Zeit vom 22.04. bis 22.06. 1933 war er auch Mitglied des Amberger Stadtrates bis ihn die Nationalsozialisten durch das Verbot der SPD aus dem Stadtrat vertrieben haben. Noch im Jahr 1933 wurde er von den Nazischergen ins Konzentrationslager Dachau verschleppt.
Nach seiner Entlassung konnte er in die Tschechoslowakei fliehen. Dort befanden sich viele Genossinnen und Genossen im Exil. Von dort aus wurde der sozialdemokratische Widerstand gegen das NS-Regime organisiert und Flugblätter über die Grenze geschmuggelt.
Schon ein paar Monate nach dem Einmarsch der Nazis im Sudetenland wurde er 1939 von der Gestapo Pilsen abermals verhaftet. Am 7. September 1939 kam er ins KZ Buchenwald bei Weimar. Im April 1941 wurde auch sein Sohn Kurt dort inhaftiert. Hier trafen sich Vater und Sohn nach langen Jahren wieder. Kurt wurde am 3. März 1919 geboren. Er war Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und floh deshalb 1937 nach Frankreich. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er sofort verhaftet.
Nach neuen Erkenntnissen wurde Franz Xaver Kemmeter am 2. Februar mit einem Handwerkerkommando der Deutschen Ausrüstungswerke ins KZ nach Lublin/Majdanek in Polen überstellt. Nach Informationen seines Sohnes Kurt wurde er dort am 20. Juli 1944 von Wachsoldaten ermordet. Sein Sohn Kurt überlebte die Qualen des Konzentrationslagers und wanderte nach Kanada.
„Die Schicksale vieler Frauen und Männer, die Widerstand gegen das Naziregime geleistet haben, sind leider in Vergessenheit geraten. Die Namen der Täter sind geläufig.“ So bemängelte Dieter Weiß den Umgang mit diesem Teil der deutschen Geschichte. „Selbst Männer wie Christian Endemann, Josef Regner und Fritz Renner, nach denen Straßen in Amberg benannt wurden, sind kaum bekannt.“
„In einer Zeit, in der rassistische Sprüche im Internet zum Alltag gehören und rechtsradikale Populisten eine 180-Grad-Kehrtwende in der Erinnerungskultur einfordern, müssen Sozialdemokraten dagegenhalten.“ forderte Dieter Weiß.
Zum Abschluss sang man das Lied „Die Moorsoldaten“. Dieses Lied schufen Insassen des Konzentrationslagers „Börgermoor‘‘ und wurde binnen weniger Tage durch die Lagerleitung verboten. Dies könnte aber dessen Verbreitung nicht verhindern.

