Renditeinteressen der Energieversorger haben Vorrang vor dem gesunden Menschenverstand
Ernüchternd ist die Antwort der bayerischen Staatsregierung auf die Anfrage des Landtagsabgeordneten Reinhold Strobl (SPD), ob nicht auch in Bayern Bioenergiedörfer entstehen könnten, die sich als Leuchtturmprojekte für erneuerbare Energien von der Versorgungswirtschaft autark machen.
„In Zeiten rasant steigender Energiepreise und sinkender Verfügbarkeit von fossilen Energiequellen sollte es selbstverständlich sein, dass Initiativen, die die Möglichkeiten der dezentralen Energieversorgung belegen, fachlich und finanziell gefördert werden. Gerade bei uns in der Oberpfalz wären solche Dörfer und Regionen sinnvoll und hätten neben dem energiepolitischen auch einen starken wirtschaftlichen Anreiz für unsere ländlich geprägten Kommunen“, meint Strobl.
Nicht förderungsfähig sei das Konzept von autarken Bioenergiedörfern in Gemeinden und Regionen, ließ das Bayerische Landwirtschaftsministerium den Abgeordneten wissen. Die Energieautarkie im Bereich Fernwärme und Elektrizität erfordere zu ihrer vollständigen Umsetzung einen zu hohen Investitionsaufwand, der zum erreichten Nutzen in keinem Verhältnis stehe.
„Erstaunlich“, so Strobl, „denn in anderen Bundesländern wie etwa Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen werden derartige Projekte sehr wohl als kosteneffizient und zukunftsweisend unterstützt. Das Nachbarland Österreich hat sich mit dem Energiedorf Güssing mittlerweile auch international als Vorzeigeland in diesem Bereich etabliert, nur in Bayern scheinen die Uhren da anders zu gehen.“
Gerade für die Gemeinden und Regionen in strukturschwachen Regionen können Bioenergiedörfer durch die Vermeidung von Kaufkraftabwanderung und Erträge durch Einspeisung von Energie in das Netz auf kommunaler Ebene eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung haben.
Strobl: „In Österreich wurde das Bioenergiedorf Güssing in einer der ärmsten Regionen Österreichs mit hoher Abwanderungsrate etabliert, um nicht nur als Modell zu fungieren sondern darüber hinaus auch die regionale Wirtschaft anzukurbeln.
In Bayern besteht nur in dem Ort Schäferei bei Waldmünchen ein ähnliches Projekt, dessen Biogasanlage und Nahwärmeleitungen jedoch völlig eigeninitiativ und ohne staatliche Unterstützung errichtet werden musste. Da bestünde in Bayern noch erheblicher Aufholbedarf, speziell da die Energiepreise zu einer immer größeren Belastung der Bevölkerung werden.
Da scheinen die Absatz- und Renditeinteressen der Energieversorger für die Staatsregierung Vorrang vor dem gesunden Menschenverstand zu haben. Trotzdem ist ein einfaches ‚Nein’ des Ministeriums da auf Dauer nicht tragbar.“