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Trump, Trump, Trump … haben wir keine anderen Themen?

Veröffentlicht am 15.08.2017 in Presse

Seit gut einem halben Jahr scheinen die deutschen Medien nur noch ein Thema zu haben: Trump! Trump in allen Facetten – Trumps Umfeld, seine Berater, sein Schwiegersohn, Russlandkontakte, Trumps große und kleine Dummheiten, Trump, Trump, Trump. Dabei gäbe es doch viel wichtigere Themen, mit denen man das Sommerloch füllen könnte.---Jens Berger

Und selbst, wenn man etwas zu den USA machen will, gäbe es doch zig richtige und wichtige Ansätze, echte Kritik zu üben. Quantität ist jedoch bei der US-Berichterstattung der deutschen Medien etwas Anderes als Qualität und die vorgebrachte Kritik ist bestenfalls oberflächlich.

Wen interessieren die endlosen Berichte und Analysen über Trump? Machen wir doch mal ein Experiment: Beantworten Sie doch einmal bitte die Frage, mit welchen Mitteln „Russland“ angeblich die Präsidentschaftswahlen manipuliert haben soll. Und was hat dies mit „Fake News“ zu tun? Immerhin ist dies ja seit Monaten auch in Deutschland Thema Nummer Eins. Jeder kennt den Vorwurf, aber kaum wer kann diesen Vorwurf präzisieren, geschweige denn einordnen. Liegt es daran, dass die Medien ungenügend berichten? Und das, obwohl sie das Thema pausenlos plattwalzen? Man kann es ja kaum glauben, aber es ist tatsächlich so.

Wüsste man es nicht besser – wenn man die Startseiten der großen deutschen Nachrichtenportale in den letzten Monaten verfolgt hat, könnte man glatt denken, Deutschland sei der 51. Staat der USA. Und man könnte darüber hinaus fast vergessen, dass in sechs Wochen in Deutschland gewählt wird! Für unsere Medien ist das noch kein Thema. Über die Präsidentschaftswahlen in den USA haben sie indes sechs Monaten sehr intensiv – und dennoch ohne Tiefgang – berichtet.

Was den Berichten an Tiefgang fehlt, überkompensieren sie mühelos durch eine ganz klare Agenda. Eine Studie der Universität Harvard ergab, dass unglaubliche 98% der wertenden Beiträge der ARD über Donald Trump überwiegend negativ ausfielen – das ist mehr als in jedem anderen untersuchten Medium weltweit. Das Pendel scheint mit voller Wucht umzuschlagen. So unkritisch wie die deutschen Medien bei Obama waren, so überkritisch sind sie jetzt bei Trump. Paradoxerweise pausierte die Kritik genau zu dem Zeitpunkt, als Trump sich „wie ein echter US-Präsident“ benahm und völkerrechtswidrig einen Raketenangriff auf Syrien anordnete.

Wer grundsätzliche Kritik an der US-Außen- und –Sicherheitspolitik sucht, wird in den großen deutschen Medien ohnehin nicht fündig. Immer schön an der Oberfläche und immer schön ad personam – gerade so, als sei die Welt wieder in bester Ordnung, wenn Trump durch einen Nachfolger ersetzt würde. Dass seine potentiellen Nachfolger Ted Cruz und Marco Rubio in jeglicher Hinsicht noch „verrückter“ sind als Trump, wird in den gefühlt tausenden Leitartikeln zum Thema indes schon mal gern „vergessen“.

„Vergessen“ werden auch die Themen, die für deutsche Leser wirklich von Interesse sind. Wie steht es beispielsweise mit den Rettungsmilliarden für deutsche Banken? Es ist ja nicht eben so, dass auf diesem Gebiet nichts passieren würde. Wie sieht es mit der Spreizung der Einkommens- und Vermögensschere aus? Auch hier hat sich ja nichts zum Besseren entwickelt. Die fragwürdigen Russland-Sanktionen, Macrons jäher Absturz, das griechische Dauerdilemma und die politische Krise in Venezuela wären auch Themen, die sicher eine größere Beachtung verdient hätten. Und wenn man im Sommer vielleicht auch mal etwas Hintergründiges machen will: Warum nutzt man sein legendäres Korrespondentennetz nicht einmal aus, um endlich einmal ein wenig populärer über die Probleme und Nöte des afrikanischen Kontinents zu berichten?

Aber nein, solche Themen werden auch weiterhin nicht oben auf den Startseiten der großen Portale erscheinen. Stattdessen werden wir sicher bald erfahren, wer Nachfolger des Chefkochs im Weißen Haus wird und das Trumps Friseur geschäftliche Kontakte zu einem russischen Botschaftsangehörigen hat und werden schnell weiterscrollen.

 

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