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Wachsende Armut in Deutsachland

Veröffentlicht am 19.02.2010 in Soziales

Die Armut ist mitten in Deutschland: Jeder siebte Bürger hierzulande lebte 2008 an der Grenze zur Armut oder war arm. Das waren 11,5 Millionen Menschen und damit rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren, ergab eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Demnach sind Kinder und junge Erwachsene besonders betroffen.

Fast ein Viertel der 19- bis 25-Jährigen war 2008 armutsgefährdet. Die sogenannte Armutsrisikoschwelle liegt laut EU-Kommission bei 60 Prozent des mittleren Einkommens eines Landes. Als arm gilt, wer weniger als 50 Prozent zur Verfügung hat.

Zugrunde liegen der Studie die vom DIW erhobenen Daten des Sozio-Ökonomischen Panels. "Höhere Hartz-IV-Sätze reduzieren zwar Einkommensdefizite", so Studien-Mitautor Markus Grabka. Aber das Gießkannenprinzip, etwa auch bei einer Kindergelderhöhung von 20 Euro, bringe nicht viel.

Risiko wächst mit der Kinderzahl
Für das steigende Armutsrisiko unter jungen Menschen nennen die Wissenschaftler vor allem drei Gründe: Die Ausbildung dauert länger und es gibt mehr Hochschulabsolventen, so dass sich der Start ins Berufsleben verzögert. Hinzu kommen schlecht bezahlte Einstiegsjobs ("Generation Praktikum") sowie der Trend, früher aus dem Elternhaus auszuziehen.

Bei Familien wächst das Risiko mit der Kinderzahl: 22 Prozent der Drei-Kind-Haushalte sind betroffen, bei vier oder mehr Kinder sogar 36 Prozent der Familien. Zudem leben auch mehr als 40 Prozent der Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern an der Armutsgrenze oder darunter. Bei Rentnern ist Armut hingegen aktuell kein besonders großes Problem.

"In Ostdeutschland ist das Einkommenarmutsrisiko nach wie vor deutlich stärker ausgeprägt", sagte Mit-Autor Joachim Fricke. So sind im Osten etwa 19 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet, im Westen nur 13 Prozent. "Die Gründe hierfür sind hauptsächlich im Arbeitsmarkt zu sehen."

Die DIW-Forscher empfehlen einen auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnittenen Mix aus finanzieller und nicht-finanzieller Unterstützung. So hätten in der Vergangenheit bereits die Einführung der Pflegeversicherung, das Elterngeld und auch der Ausbau der Kinderbetreuung eine deutliche Linderung beim Armutsrisiko der jeweiligen Zielgruppen bewirkt. - SZ

 

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