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Schulversorgung in der Abseitsfalle

Veröffentlicht am 19.06.2006 in Bildung

Mit wachsender Sorge beobachtet der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl die Schulsituation in der Oberpfalz, die durch die abnehmenden Schülerzahlen in der Hauptschule, den Zulauf an die sechsstufige Realschule (R6) und die Schließung wohnortnaher Schulen eine tiefgreifende Wandlung durchlebt.

„Einige Hauptschulen in der Oberpfalz haben aufgrund der Einführung des R 6 mit einem enormen Schülerrückgang zu kämpfen“, so Strobl, der hauptschulpolitische Sprecher seiner Fraktion. „Es besteht die Gefahr, dass es in einigen Regionen der Oberpfalz bald überhaupt keine Hauptschule mehr geben wird und die Schüler lange Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, mit allem, was dabei an unliebsamen Konsequenzen auf sie zukommt.“

Auf der anderen Seite stünden dann vor Ort Schulräume leer, während die Kommunen und Landkreise viel Geld für den Neubau zentralistischer Schulen ausgeben müssen. In diesem Licht sei auch die erst kürzlich von Kultusminister Schneider vollmundig gepriesene neue Realschule in Obertraubling zu sehen. Dabei gebe es in unmittelbarer Nähe schon eine Realschule.

Strobl: „Wohnort- und gemeinschaftsnahe Schulen sterben aus und für neue Mammutschulen müssen die Kommunen ihren Bürgern tief in die Tasche greifen.“

Im Zuge der Reorganisation kommt es dann auf der anderen Seite im benachbarten Aufhausen-Pfakofen zu der geradezu grotesken Situation, dass die Grund- und Hauptschule Aufhausen und die Grundschule Sünching zu reinen Grundschulen zurückgefahren werden, nur um eine dritte Verwaltungseinheit, die Hauptschule Sünching-Aufhausen zu schaffen.

Strobl: „Die Schüler gehen nach wie vor in dieselbe Schule, jedoch gibt es jetzt eine neue Rektorenstelle mit allem drum und dran. Dafür wird eine über dreißigjährige gewachsene Schulorganisation zerrissen.“
Auch in der Gemeinde Beratzhausen werden tiefgreifende Einschnitte befürchtet.

Die Bürger der Gemeinde Schönsee, deren Hauptschule geschlossen werden soll, wehren sich in einer Petition an den Bayerischen Landtag gegen den Landtagsbeschluss vom Juli 2004, der mit der CSU-Mehrheit das Ende vieler Teilhauptschulen in der Oberpfalz besiegelte.

Die Schüler aus Schönsee sollen künftig in die 13 Kilometer (die längste Fahrstrecke beträgt sogar 23 km) entfernte Volkschule Oberviechtach wechseln. „Dabei erleben die betroffenen Gemeinden tiefgreifende Einschnitte in ihr gesellschaftliches, religiöses und kulturelles Leben, das vor dem trivialen Hintergrund des Beschlusses, nämlich Lehrkräfte einzusparen zu wollen, zurückstehen muss“, so Strobl, „Viele Aktivitäten der Kirchen, der Vereine und Jugendorganisationen werden in Frage gestellt, weil sich die Jugendlichen künftig weg vom heimatlichen Gemeindeleben hin zum neuen Schulstandort orientieren.“

Auch in den Landkreisen Neumarkt und Neustadt a. d. Waldnaab, wo es noch viele kleine Hauptschulen gibt, werde die gewachsene Schullandschaft mit Abschluß der vom Kultusministerium vorgesehenen "Bereinigung" zerstört, befürchtet Strobl. „Auch im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach gibt es Veränderungen. Die Schülerinnen und Schüler aus Königstein und Neukirchen werden in Zukunft in einer Schule unterrichtet werden, mit all den gravierenden Auswirkungen die das auf die Kinder und die Gemeinde als Ganzes hat.“
In Auerbach geht es um die Sicherung des M-Zuges.

„Viele oberpfälzer Kommunen und Bürger bangen um den Erhalt ihrer wohnortnahen Schule und die bayerische Staatsregierung ist gefordert, hier klare Position zu beziehen“, fasst Strobl zusammen, „Sie fragen sich, ob es ein Konzept für die Oberpfalz gibt und ob ihre Schulstandorte auch in der Zukunft gesichert sind. Hier müssen wir wissen, ob weitere Schließungen von Hauptschulen (Die Teilhauptschulen sind schon fast alle aufgelöst) bevorstehen und wie die Staatsregierung das Problem der immer längeren Schulwege und der damit anfallenden Schülerbeförderungskosten beurteilt.

Es wäre an der Zeit, dass statt obrigkeitsstaatlichen Verordnungen auch endlich die regionalen Konzepte und Anliegen von Gemeinden wahrgenommen und akzeptiert werden.“ Hier denkt Strobl auch an eine Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Realschule. „Warum sollte nicht ein Modellversuch im Raum Hirschau-Schnaittenbach möglich sein?“ fragt der SPD-Politiker angesichts der Raumsituation in der Amberger Realschule.

 

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