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Wie erklärt sich die hohe Schulabbrecherquote?

Veröffentlicht am 20.03.2011 in Kommunalpolitik

Vor etwa einem Monat stellte die Bertelsmann-Stiftung eine Untersuchung vor, nach der die oberpfälzer Städte Amberg, Regensburg und Weiden mit 15,0, 10,3 und 9,4 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Quote an Schulabbrechern gegenüber dem bayernweiten Durchschnitt von 6,0 Prozent verzeichnen. „Diese erschreckend hohen Zahlen waren für mich Anlass, mit einer Anfrage an die bayerische Staatsregierung heranzutreten und nachzufragen, welche Gegenmaßnahmen hier vorgenommen werden können.“ so MdL Reinhold Strobl. „Jeder Schulabbrecher ist ein Schulabbrecher zuviel“ meint der SPD-Landtagsabgeordnete im Hinblick auf die großen Herausforderungen in unserem Land, wo man jeden Menschen braucht: „Wir brauchen gut ausgebildete Menschen. Unserer Wirtschaft fehlt es an Fachkräften.“

Auch die Amberger SPD-Stadtratsfraktion fordert schon seit langem einen Bildungsbericht, so Stadträtin Brigitte Netta. MdL Reinhold Strobl: „Wir müssen uns jedem einzelnen Menschen annehmen. Keiner darf verloren gehen.“ Die Antwort des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus findet er als nicht befriedigend. Das Kultusministerium schreibt:

„Der Anteil der Abgänger mit erfüllter Vollzeitschulpflicht ohne Hauptschulabschluss (aus allen allgemein bildenden Schularten zusammen) an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung betrug in Bayern im Abschlussjahr 2009 6,0 % und ist damit in den letzten 10 Jahren um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Bei einer Interpretation des Anteils der Abgänger ohne Hauptschulabschluss muss berücksichtigt werden, dass mehr als die Hälfte des Anteils auf Abgänger aus der Volksschule zur sonderpädagogischen Förderung entfällt (2009: 3,2 %), deren pädagogische Situation doch erheblich von der an allgemeinen Schulen zu unterscheiden ist: Für viele Schüler an der Volksschule zur sonderpädagogischen Förderung sind in den besuchten Bildungsgängen spezielle Abschlüsse des Förderschulbereichs regulär

vorgesehen und erreichbar, während der Hauptschulabschluss vielfach nicht das reguläre Bildungsziel darstellt und darstellen kann.

Darüber hinaus gilt es bei der Bewertung des Anteils der Abgänger ohne Hauptschulabschluss zu beachten, dass das Nichterreichen des Hauptschulabschlusses

zum Zeitpunkt des endgültigen Verlassens des allgemein bildenden Schulwesens nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht erfasst wird. Ein beachtlicher Teil dieser Abgänger

holt jedoch zu einem späteren Zeitpunkt den Hauptschulabschluss im beruflichen Bereich nach. Beim Herunterbrechen der Quoten auf Kreisebene stellt sich das Problem, dass die Abgänger in den anonymisierten Einzeldaten derzeit ausschließlich über den Standort der Schule, nicht aber über ihren Wohnort erfasst werden.

Pendeln bei einer Schulart Schüler über die Kreisgrenzen hinweg, lässt sich die Zahl der Abgänger und Absolventen der Schulen in einem bestimmten Kreis nicht länger den Einwohnern in diesem Kreis sinnvoll gegenüberstellen. Rein rechnerisch ermittelte Kreisquoten verlieren deshalb jegliche quantitative Aussagekraft über das Abschlussverhalten der Wohnbevölkerung in einem Kreis, da auspendelnde Schüler unberücksichtigt bleiben, einpendelnde Schüler hingegen in nicht sachgerechter Weise in das Ergebnis einbezogen werden.

Begründet durch die Konzentration von Förderschulstandorten im städtischen Bereich finden bei Schülern der Volksschule zur sonderpädagogischen Förderung erhebliche Pendelbewegungen über Kreisgrenzen hinweg statt, so dass auch die auf Kreisebene rein rechnerisch ermittelten Quoten der Abgänger ohne Hauptschulabschluss einer inakzeptablen Verzerrung unterliegen. Genauso wie der im Abschlussjahr 2009 für die kreisfreie Stadt Regensburg rechnerisch ermittelte Wert von 10,3 % für den Anteil der Abgänger ohne Hauptschulabschluss an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung ist die tatsächliche Situation aufgrund einpendelnder Schüler erheblich
überzeichnet, erfährt der umgebende Landkreis Regensburg infolge der großen Zahl auspendelnder Schüler mit 2,6 % eine Unterbewertung.

Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus verzichtet angesichts der dargelegten mangelnden Aussagekraft seit jeher auf die Angabe kreisbezogener Abgänger- und

Absolventenquoten. Auch die Autoren der Studie der Bertelsmann-Stiftung weisen auf die Problematik zumindest in einer Fußnote hin.“ Soweit die Antwort des Kultusministeriums. MdL Reinhold Strobl findet diese mehr als unbefriedigend. So zu tun, als ob die hohe Schulabbrecherquote nur etwas mit den Schülern im sonderpädagogischen Bereich zu tun habe, findet er befremdend: „Kein Wort zu den Abbrecherquoten bei den Haupt- bzw. Mittelschulen, bei den Gymnasien, kein Wort zu den Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund.“

Strobl: „Warum wurden hier die Zahlen nicht offen gelegt? Schönfärberei hilft uns hier nicht weiter. Ich würde mir wünschen, dass man bereit dazu wäre, dass hier die Probleme offen benannt werden.“ Nur dann könne man etwas zum Besseren bewegen.

Reinhold Strobl, MdL (SPD)
Birkenweg 33
92253 Schnaittenbach
Tel.: 09622-703636
Fax: 09622-703635
Internet: www.reinhold-strobl.de

 

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