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Kamingespräch zur Situation der Arbeitnehmer

Veröffentlicht am 07.08.2011 in MdB und MdL
Landtagsfraktion

Die wirtschaftliche Entwicklung stellt sich derzeit äußerst positiv dar. Eine Arbeitslosigkeit von unter 4 Prozent auch in unserem Landkreis bedeutet praktisch Vollbeschäftigung. Ist damit aber auch am Arbeitsmarkt alles in Ordnung? Wie stellt sich die Situation für die Arbeitnehmer dar? Diesen Fragen gingen bei einem Kamingespräch im Gasthaus Haas in Schnaittenbach auf Einladung von MdL Reinhold Strobl (SPD) Arbeitnehmervertreter nach. Strobl: „Mir ist es wichtig, bei solchen Gesprächsrunden vor Ort immer wieder mit den Betroffenen zu sprechen. Ich möchte wissen, wo sie der Schuh drückt. Ich möchte die Belange der Betroffenen in die Politik einbringen.“

Dabei ist die Zusammensetzung dieser Kamingespräche sehr unterschiedlich. Mal waren es Jugendverbände, ein anderes Mal Vertreter aus dem Bildungsbereich oder auch der Wirtschaft und diesmal Arbeitnehmervertreter. Achim Bender von der IG Metall und Betriebsrat Josef Birner waren es vor allem, welche die Situation in den Betrieben aufzeigten. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.“ In dieser Forderung waren sich die Gesprächspartner einig. Nicht hinnehmbar sei es, wenn Betriebe Arbeitnehmer entlassen und diese dann als Leiharbeitnehmer mit niedrigeren Löhnen wieder eingestellt würden. Es gebe aber auch Betriebe, die ganz bewusst keine Leiharbeitnehmer einstellen würden. Achim Bender wies auf einen weiteren negativen Aspekt für Leiharbeitnehmer hin: „Oft bekommen diese kein Geld von einer Bank.“

Auch in der Forderung nach einem Mindestlohn in Höhe von mindestens 8.50 Euro waren sich die Teilnehmer einig. Das Einkommen von 5 Mio Beschäftigten würde sich erhöhen und es gebe eine fiskalische Entlastung von rund 7 Mrd. Euro. Es sei erschreckend, wenn 1,4 Mio Arbeitnehmer trotz Arbeit eine finanzielle Aufstockung durch das Arbeitsamt bekommen müssten, um leben zu können. Dem Freistaat kostet dies jährlich rund 70 Mio Euro. Strobl: „Da stimmt in unserer Gesellschaft etwas nicht mehr. Wer arbeitet, muss von seinem Verdienst auch leben können.“ Inzwischen, so wurde festgestellt, hat auch der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit – so wie vor ihm auch schon einige Wirtschaftsverbände, die Gewerkschaften und die SPD - die Forderung nach einem Mindestlohn erhoben. „Sittenwidrige Löhne“, so Strobl, „verzerren nämlich auch den Wettbewerb.“

„Die aktuellen Arbeitslosenzahlen sind Grund zur Freude, aber kein Grund zur Europhie“ kommentierte Strobl. Momentan gebe es in Bayern etwa 200.000 Zeitarbeiter, jeder fünfte von ihnen sei jünger als 25 Jahre. Hannelore Zapf (ver.di) sprach sich für die Abschaffung der Studiengebühren aus und warb für eine Beibehaltung des Ladenschlusses. Schichtdienst und Sonntagsarbeit würden jetzt schon Familien zerreißen. Insbesondere für Alleinerziehende wäre die Vereinbarkeit von Beruf und Kindern durch eine weitere Aufweichung der Ladenschlusszeiten nahezu unmöglich. Hier stellte Strobl die Frage, ob man am Samstag unbedingt bis 20 Uhr einkaufen gehen müsse. Albrecht Vornberger vom DGB sprach den Facharbeitermangel an. Jetzt räche sich, wenn Betriebe nicht ausgebildet hätten. Dagegen wären Betriebe, die ausgebildet haben, jetzt im Vorteil.

Als Belastung, so war zu hören, würden viele Arbeitnehmer die fehlende Anerkennung empfinden. Der Zeitdruck belaste viele Beschäftigte in den Betrieben. Die Zahl der Ausfalltage, die durch psychische Erkrankungen verursacht wurden, erreiche lt. AOK ein Rekordniveau. Seit dem Jahr 2000 sei hier ein Anstieg um über 50 Prozent zu verzeichnen. Bis 67 zu arbeiten, erscheine angesichts dieser Probleme als unrealistisch. Auch die tatsächliche Zahl in den Betrieben würde dagegen sprechen. Viele Betriebe hätten schon heute keine Arbeitnehmer mehr beschäftigt, die älter als 60 Jahre sind. Rudolf Bergmann sprach sich deshalb schließlich für eine humanere Arbeitswelt aus. Schließlich gab es noch Kritik dafür, dass es derzeit in Bayern kein Tariftreue-Gesetz gibt.

Bürgerbüro
Reinhold Strobl, MdL (SPD)
Birkenweg 33
92253 Schnaittenbach

Tel. 09622 - 70 36 36
Fax: 09622 - 70 36 35
Internet: www.reinhold-strobl.de
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