Am 6.3 2012 veranstaltete der Stadtverband Amberg eine Podiumsdiskussion zum Thema " Armut in Amberg - Kein Thema? Oder vielleicht doch? ". Unter den Augen vieler Besucher und der Leitung von Martin Schaller wurde durch die Podiumsteilnehmer Bernhard Saurenbach, Vorsitzender der Amberger Tafel, Johann Rußwurm, Schuldnerberatung Ingolstadt und Simone Böhm-Donhauser, Berufsbetreuerin die ungeschönte Wahrehit über die derzeitige Sitation in Amberg und Deutschland dargestellt.
"Deutschland sei von einer Aufstiegsgesellschaft im 20 Jahrhundert zu einer Abstiegsgesellschaft im 21 Jahrhundert geworden" formulierte Simone Böhm-Donhauser die derzeitige Situation. Durch die Billiglohnsektoren und die veränderte Arbeitswelt kämen immer mehr Personen in Armut.
Armut ist in den seltensten Fällen, selbst verschuldet, war die Meinung des Abends. Viele würden durch die schlechten Bedingungen am Arbeitsmarkt oder durch Krankheit oder Schicksalsschlägen in Armut geraten. Dadurch würden viele in eine Randlage der Gesellschaft rücken.
Aber inzwischen ist diese Randlage ziemlich breit geworden. Bernhard Saurenbach legte Zahlen der Tafel Amberg vor nach welchen in den letzten Jahren 24000 Warenkörbe im Jahr an Berechtigte ausgegeben wurden. Dieses Jahr seien es nach den ersten Prognosen bereits über 30000 bei steigender Tendenz.
Bernhard Rußwurm erzählte auch aus der Schuldnerberatung, die er und sein Team durchführen. Hie rsei es immer wieder bemerkenswert festzustellen wie schwach die Aufklärung von vorallen Jugendlichen in Gelddingen sei. Die sog Konsumverschuldung, die durch die bonbonartige Konsumgesellschaft und den Drang dazuzugehören immer mehr zunehme, würde nicht durch bessere Aufklärung im Elternhaus oder den Schulen aufgefangen, so das viele Jugendliche ohne es zu wollen in eine Schuldenspirale kämen.

Aber es wurden nicht nur die derzeitige Situation auch mit dem Publikum angeregt diskutiert, sondern auch die Frage aufgeworfen, was kann getan werden um die Situation langfristig zu verbessern.
In einem Punkt waren sich alle einig die Gesamtsituation am Arbeitsmarkt und bei den Löhnen muss besser werden. Es darf einfach nicht vorkommen, dass ein Familienvater 8 Stunden am Tag arbeiten geht und dann noch zum Amt gehen muss um genug fürs Leben zu haben.
Stadtverbandsvorsitzender Martin Seibert wies auch auf den Armutsbericht, der schon seit langer Zeit von der Amberger SPD Fraktion in der Stadt gefordert würde, um endlich eine Grundlage für wirksame Tätigkeiten zu haben,hin.
In diesem Kontext kam auch heraus, dass die Tafel die in einem Gebäude der Gewerbebau angesiedelt ist, monatlich allein 950 Euro Miete zu zahlen hat. " Dies sei ein handfester Skandal" so Stadtverbandsvize Daniel Holzapfel, " insbesondere da die Stadt den Sportvereinen welche auf Erbpachtbasis ihre Sportstätten hätten, jedes Jahr die Erbpacht in Höhe von mehrern tausend Euro erließe, aber von der Tafel, also dem Verein für die wichtigen Sozialarbeit, über die Gewerbebau, einer Tochtergesellschaft der Stadt, Miete kassiere."
Auch im Bereich der Präventiven Maßnahmen, insbesondere der Bildung sei viel zu ändern, so seien die Jugendlichen viel besser auch über die Konsumgesellschaft aufzuklären.
Im Bereich des Rechts sei auch der Schutz der Armen gegen die Abzocker und gegen die Geschäftemacherei zu erhöhen.
Insgesamt kam man nach langen und ausführlichen Diskussionen zu dem Ergebnis , dass Armut seit langen schon kein Randproblem oder Problem der grossen Städte sei, sondern auch schon in Amberg präsent ist, aber gern übersehen würde und das es vorallem in der Bundespolitik erhebliche Weichenstellungen geben müsse um eine weitere Verschlechterung der Lage zu verhindern.
Aber auch jeder einzelne kann etwas tun und wenn er nur seinem Nachbarn hilft, denn das Motto muss wieder lauten:
"Hinschauen statt Wegschauen"
