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Banken und kein Ende: Nach der Tat ist vor der Tat II

Veröffentlicht am 10.12.2009 in Wirtschaft

Man hatte schon geglaubt, die Krise sei vorbei. Jetzt kommt sie zurück, weil die Regierungen weltweit versagt haben. Denn die Regulierung der Finanzmärkte ist ausgeblieben.
Griechenland, Dubai, Japan. So tönt seit wenigen Tagen der Dreiklang des globalen Kapitalismus. Er erinnert uns daran, dass die Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden ist.

Es brennt schon wieder lichterloh

Und Japan gemahnt uns zusätzlich daran, dass selbst in der Nähe Chinas die Wirtschaft noch kein Wachstum aus sich heraus generieren kann.

Viel zu selbstverständlich hatte das Gros der Banker, Händler und Politiker die Krise bereits abgehakt. Ihr bisheriger Höhepunkt datiert irgendwo zwischen Februar und März.

Seither hatten wir uns an immer bessere Nachrichten gewöhnt. Hatten die schlechten Meldungen verdrängt und nur die guten wahrgenommen. Jetzt ist die Krise zurück. Und das ist gut so.

Jetzt werden wir Bürger und Steuerzahler, die wir der letzte Garant des Systems sind und bleiben, Zeugen der Untätigkeit unserer Politiker. Wo sind die Brandschutzmauern, wo die strikten Regeln, die eine erneute Katastrophe unmöglich machen sollten?

Plaßmann karikiert die Banker und ManagerEs gibt sie nicht. Dabei hat die Krise doch gelehrt, dass Kapitalismus nun mal Herdentrieb ist. Und Herdentrieb, wenn also alle gleichgerichtet handeln, steckt an. Dadurch aber entstehen systemische Risiken, die so groß werden können, dass es zur Kernschmelze des Systems kommen kann.

Von dieser Ansteckung kann der arabische Raum berichten, seit Dubai nicht mehr in der Lage ist, für die Schulden seiner Tochter, des staatlichen Immobilienentwicklers Nakheel, zu haften. Seither purzeln die Kurse an den dortigen Börsen, seither verlangen die Investoren höhere Risikoprämien bei Schuldtiteln.

Aber auch in Griechenland ist bereits alles auf Destabilisierung ausgerichtet: Erst meldet das in puncto Staatsverschuldung chronisch mit Halbwahrheiten agierende Land ein deutlich höheres Defizit. Dann nutzen Spekulanten die Empörung und beginnen gegen griechische Staatsanleihen zu wetten, sprich auf Kursverluste.

Das geht am einfachsten über Kreditderivate, aber auch über Long/Short-Strategien, wie es im Fachjargon heißt. Die Hedgefonds verkaufen griechische Staatsanleihen leer, sprich: ohne sie zu besitzen, und kaufen in derselben Höhe etwa deutsche Bundesanleihen. Sie spekulieren darauf, dass der Renditeabstand zwischen den beiden Staaten sich ausweitet. Was er bei all dieser Zockerei natürlich tut.

Als wenn das nicht für genug Unruhe sorgte, sind sich die Ratingagenturen nicht zu blöde, wie immer deutlich zu spät, die Bonität der Griechen herabzustufen. Das sorgt für weitere Kursverluste. Schon wackeln wieder erste Banken, bei denen Spekulanten ein hohes Engagement in griechischen Anleihen vermuten. Schon fürchten griechische Banken, nicht mehr an Geld zu kommen. Und so weiter und so fort.

Wenn der noch kleine Brand Griechenland nicht durch die EU eingedämmt wird, etwa durch die Zusage, das Land nicht fallenzulassen, hetzt die Meute der Spekulanten weiter. Dann sind in ein paar Tagen Spanien, Irland oder Italien dran, die wie im Februar in Sippenhaft genommen werden. Dann lautet die Wette wieder: Wird der Euro auseinanderbrechen?

Was ist seit Februar eigentlich in Brüssel geschehen? Hat sich Euroland neue Regeln gegeben, damit ein Land gerettet werden kann? Dann bräuchte man keine neue Spekulationswelle gegen den Euro befürchten. Hat man die Hedgefonds reguliert, aus den Steuerparadiesen vertrieben, um sie kontrollieren zu können? Hat man Leerverkäufe verboten? Natürlich nicht. Haben unsere Regierenden die Kreditderivate, die als ein Auslöser der Krise galten, inzwischen zur Transparenz verdonnert und dem Börsenzwang unterworfen? Weit gefehlt.

Warum dürfen eigentlich die privaten Ratingagenturen noch ihr Unwesen treiben, Brandbeschleuniger spielen? Sie haben als wandelnder Interessenkonflikt erst die guten Noten für die schlechten US-Hypotheken vergeben, an denen der globale Kapitalismus fast zugrunde gegangen wäre.

Nichts, aber auch gar nichts haben die Regierenden zur Entschleunigung der Finanzmärkte getan. Dabei sollten sie wissen, dass irgendwann auch die Risikotragfähigkeit der besteingestuften Staaten wie Deutschland oder der USA am Ende ist.

Noch einmal sind Billionen Dollar für Banken, Konjunktur und Unternehmen nicht drin. Dann bliebe nur noch die Staatskrise. Wer das nicht riskieren will, muss heute brutal gegen die Zockerei vorgehen. Der Staat kann mit neuen, strikten Regeln gar nicht so viel zerstören, wie der freie Markt dank der Spekulation kaputt machen kann.-----FR, 10.12.2009---

 

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