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Besuch bei guten Nachbarn

Veröffentlicht am 10.11.2006 in Bildung

Bei einem Gespräch in der Schule in Bela informiert sich MdL Reinhold Strobl über das Bildungssystem im Nachbarland Tschechien.

MdL Strobl informiert sich über Schule und Bildung in Tschechien

Eigentlich liegt Tschechien vor der Haustür. In einer halben Stunde ist man auf der neuen Autobahn im Nachbarland. Meist zum Einkaufen. Sonst aber weiß man sehr wenig voneinander. Wie ist das z.B. im Bildungsbereich? Diese Frage interessierte jetzt MdL Reinhold Strobl (SPD), Mitglied im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport des Bayerischen Landtages.

Gemeinsam mit Josef Rauch, dem stellv. Schulleiter der Volksschule Eslarn (welche übrigens – einmalig an der tschechischen Grenze – ein Schulmodell praktiziert, in dem deutsche und tschechische Kinder gemeinsam unterrichtet werden), besuchte er die Schule im grenznahen Bela, um sich über das Bildungssystem der Tschechischen Republik zu informieren.

Begrüßt wurden sie von Miroslav Novy, dem Leiter der Schule und der Lehrerin Kamila Cislerova. Im Alter von 4 bis 6 Jahren, so war zu hören, besuchen die Kinder den Kindergarten, wobei das 3. Jahr Pflicht ist. Anschließend besuchen die Kinder 5 Jahre lang gemeinsam die Grundschule (1. Stufe). Die 2. Stufe (Hauptschule) umfasst die Klassen 6 – 9. Es gibt ein 4-, 6- oder 8-jähriges Gymnasium.

Eine Realschule ist im Nachbarland unbekannt. Es gibt zwar Förderschulen. Der Trend geht jedoch dahin, dass alle Schüler in der wohnortnäheren Grundschule unterrichtet werden. Die Eltern entscheiden nach einem Test selbst, in welche Schule ihre Kinder gehen. Für jedes dieser Kinder muss jedoch ein indiv. Plan erstellt werden.

Die Berufsausbildung erfolgt in der Berufsfachschule (mit Praktiken in den Betrieben). Wer aus der Hauptschule oder dem Gymnasium kommend eine Hochschule besuchen will, muss eine Aufnahmeprüfung ablegen. Die Lehrerbildung erfolgt (4 oder 5 Jahre) an der Hochschule. Nur die Hälfte geht jedoch an eine Schule, die anderen suchen sich einen Arbeitsplatz in der Wirtschaft.

Der Schulleiter muss sich seine Lehrer am Markt selbst suchen. Sehr begehrt sind Englisch-Lehrer, die es zu wenig gibt. Den Schulen werden von keinem Schulamt die Lehrer zugewiesen. Schulämter gibt es nämlich nicht. Für den Unterricht gibt es aus Prag lediglich einen Rahmen. Der Lehrplan wird von der jeweiligen Schule selbst erstellt. Der Zuschuss für die Personalkosten ist budgetiert (je Schüler ca. 15.000 kc, je Kindergartenkind 40.000 kc). Die Sachkosten tragen wie bei uns auch die Gemeinden.

An der Schule in Bela (184 Kinder) unterrichten 12 Lehrkräfte plus Schulleiter. Für den Kindergarten (54 Kinder) gibt es 4 Erzieherinnen. Die durchschnittliche Klassenstärke beträgt in Tschechien 22 Kinder, in Bela sind es 20 Kinder. Ab der 3. Klasse wird eine Fremdsprache unterrichtet, ab der 7. Klasse eine 2. Fremdsprache. Von den Schülerinnen und Schülern wird englisch (und bei der 2. Fremdsprache deutsch) stark nachgefragt.

Zum Abschluss des Besuches kamen Josef Rauch und MdL Reinhold Strobl auch noch in den Genuss der Schulküche. Warmes Essen gibt es jeden Tag für alle Schüler, wobei an 2 Tagen Nachmittagsunterricht stattfindet. Ausgekocht wird für rund 200 Schüler (Preis: 15 bzw. 17 kc). Ausserdem werden in Bela auch 200 Gemeindebewohner mit Mittagessen (45 kc) versorgt.

Kommen wir zum Schluss zum Einkaufen zurück. Viele tschechische Bürger (Durchschnittslohn ca. 20.000 Kc bzw. 650 €), so war zu hören, kaufen inzwischen einiges im Nachbarland Deutschland ein, da bestimmte Artikel bei uns billiger sind.

 

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