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Die Ohnmacht der Staaten gegenüber der Wiederaufnahme der Bonus-Zahlungen

Veröffentlicht am 13.08.2009 in Europa

Wesentliche Inhalte eines in der Pariser Tageszeitung Le Monde am 11. August 2009 erschienen Artikels; Autor: Frédéric Lemaître, Mitglied der Chefredaktion; Originaltitel: „Les Etats semblent impuissants face au retour des bonus“, übertragen von Gerhard Kilper:

Wer Bernard Madoff liebte, wird Andrew Hall bewundern, der nicht im Gefängnis landete und heute die Wahl hat zwischen seinem an das Weiße Haus erinnernden Palast in Connecticut und seinem 1000 Jahre alten Schloss in Deutschland. Dieser Star-Trader der Citigroup-Bank hat niemanden betrogen und verlangt zurzeit von seinem Arbeitgeber nur die Kleinigkeit von 100 Millionen Dollar Boni, auf die er durch seine von ihm eingefahrenen Profite ein Anrecht hat.

Problem 1: Hall und Kollegen können sich sehr leicht als geniale Trader verkaufen, erhielten sie doch im letzten Winter 45 Milliarden Dollar Staatshilfe - durch die eigentlich auch der amerikanische Steuerzahler eine Honorierung seines Engagements verlangen kann.
Problem 2: Hall verdiente durch Ölspekulation Millionen Dollar für seine Bank. Über den spekulativ erhöhten Ölpreis hat wiederum der Durchschnittsamerikaner im Jahr 2008 indirekt Halls Bankprofite mitfinanziert.
Hall steht exemplarisch für das Problem, mit dem westliche Regierungen zurzeit konfrontiert werden. Einerseits müssen sie vor ihren Wählern über Milliarden öffentlicher Gelder Rede und Antwort stehen, die sie an Banken gezahlt haben, andererseits wollen Politiker die Finanzinstitute ihrer Länder konkurrenzfähig halten.
Wenn führende G20-Politiker öffentlich äußern, es könnten leicht international verbindliche Regelungen für Banker-Einkommen eingeführt werden, täuschen sie die Öffentlichkeit. Die Londoner G20–Empfehlung blieb nämlich genau in diesem Punkt vage, weil jeder Politiker seine spezifischen Landes-Interessen durchzusetzen versuchte. Gordon Brown etwa weigerte sich, eine konkrete Vereinbarung zu unterschreiben, weil er seiner Londoner City nicht schaden wollte. Und die französische Regierung veröffentlichte immer noch nicht die sicherlich auch Klauseln über Bonus-Zahlungen enthaltenden Vereinbarungen, die sie mit ihren staatliche Hilfe beanspruchenden Banken schloss. Wirtschaftsministerin Lagarde verlangte bisher von der frz. Zentralbank nur einen Bericht über Bonus-Zahlungen, den allerdings erst zum Jahresende.
Der 13. 2009 August wird in den USA die Stunde der Wahrheit sein, an diesem Tag werden mit staatlichen Geldern ausgestattete Banken die amerikanische Regierung fragen, ob sie ihren leitenden Angestellten wieder Boni zahlen können. Die öffentlich schon als „Anti-Business“-Regierung apostrophierte Obama-Administration wird nach einem im Juli von der Justiz des Bundesstaates New York publizierten Banken-„Sündenregisters“ nicht einfach „ja“ zu neuen Bonus-Zahlungen sagen können.
Der New Yorker Justiz-Bericht kommt zu folgenden Schlüssen: „Als es den Banken gut ging, wurden ihre Angestellten gut bezahlt. Als es den Banken schlecht ging, wurden ihre Angestellten gut bezahlt. Und als es den Banken sehr schlecht ging und ihnen mit öffentlichen Geldern geholfen wurde, wurden ihre Angestellten immer noch gut bezahlt. Bei Boni und anderen Vergütungen gab es keine signifikanten Änderungen im Hinblick auf das Betriebsergebnis“.
So zahlten im Jahr 2008 acht amerikanische Banken 33 Milliarden Dollar Boni an ihre Mitarbeiter, obwohl sie Verluste in Höhe von 88 Milliarden Dollar gemacht hatten. Während Politiker Bonus-Zahlungen an langfristige Leistungen der Banken knüpfen wollen, versichern Banker wie der Generaldirektor der französischen BNP-Bank, Prot, nichts sei mehr wie vor der Krise.
Wenn sich die Regierungschefs bei der nächsten G20-Konferenz nicht gemeinsam auf konkrete Änderungen bei Bonus-Zahlungen verständigen, wird Monsieur Prot recht behalten: morgen wird nichts mehr sein wie vor der Krise sein, es wird schlimmer werden!
Quelle: Le Monde

 

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