„… Finnland zeigt, wie das geht“ sprach sich Realschullehrer Robert Wingerter (Mitte) aus Regensburg beim Kamingespräch mit MdL Reinhold Strobl (rechts) für eine längere gemeinsame Schulzeit aus. Konrektor Albert Schindlbeck (links) vertrat die in vielen Teilen gleichlautenden Positionen des BLLV.„Zu große Klassen, Unterrichtsausfälle – sind das Einzelfälle oder alltägliche Praxis für Lehrer und Schüler?“.
Bei einem Kamingespräch im Hotel Haas in Schnaittenbach sprach MdL Reinhold Strobl mit Vertretern von Lehrerverbänden auchdie Themen Bildungsgerechtigkeit, Leistungsdruck und Schulstress, die zu niedrige Abiturquote in Bayern und die Selektion der Kinder im 10. Lebensjahr an.
„Beim prognostizierten Rückgang der Schülerzahlen werden die Hauptschulen die großen Verlierer sein“, befürchtet Konrektor Albert Schindlbeck, stellvertretender Bezirksvorsitzender des Bayerischen Lehrerinnen und Lehrerverbandes (BLLV).
In kleinen und mittleren Gemeinde seien meist nur noch die Grundschulen überlebensfähig. „Die Kinder sollten länger beieinander bleiben“ so Schindlbecks Credo, der auch kleinere Klassen und mehr Lehrer fordert. Ob das vom BLLV ins Gespräch gebrachte Regionalschulmodell durchzusetzen sei – „… seit unsere Forderung auf dem Tisch liegt hat sich bei Bürgermeistern und Landräten einiges bewegt, der Präsident des Bayerischen Gemeindetags, Dr. Uwe Brandl, will am dreigliedrigen Schulsystem mit Berufsschulinhalten in den 9. Klassen festhalten“ – sei fraglich, weitere Lösungsansätze seien zu suchen.
„Ich sehe jedoch bei der CSU kein Patentrezept“ kritisierte und frug: „Was ist das Konzept der SPD?“. Klar sei für ihn, dass die Schülerzahl einer Grundschulklasse nicht über 20 bis 25 betragen dürfe und mehr Förderlehrer zur Betreuung von Migrantenkindern zur Verfügung stehen müssten. Zum Unterrichtsausfall sei anzumerken, „dass in keiner Statistik der Ausfall auftaucht, der von Kollegen aufgefangen wird“.
Der Einsatz von Eltern im Schulbetrieb aber heiße für ihn nur Beaufsichtigung, bringe die Kinder nicht weiter. Der Lehrermangel beschäftigt auch Realschullehrer Robert Wingerter aus Regensburg, Vorsitzender des Fachbereichs Realschulen in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Nicht im kommenden Doppelhaushalt des Freistaats 1600 Planstellen von Hauptschullehrern umschichten an Realschulen und Gymnasien, ist er sich mit Schindlbeck einig, „sondern für diese Schulen eigene Mittel bereitstellen“ fordert auch er.
In einigen Jahren sei ein Facharbeitermangel vorprogrammiert ist er überzeugt, schon heute werde bei werde bei Facharbeiterberufen von der Wirtschaft mangelnde Qualifizierung beklagt. Mehr Lehrer, bessere finanzielle Ausstattung für die Schulen in Bayern und die Anerkennung für den Lehrerberuf der ihm zusteht müsse das Ziel sein, so der GEW-Vertreter, der überzeugt ist dass eine Schule für alle Kinder, die natürlich auch anders ausgestattet sein müsse, die bessere Lösung sei, „… Finnland zeigt, wie das geht“.
Solange aber die Aussage von Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel „Hauptschüler können eine Menge von Dienstleistungen wahrnehmen, beispielsweise als Tagesmutter, damit andere Frauen Geld verdienen können“ die Geisteshaltung der CSU-Staatsregierung aufzeige, werde die Hauptschule auch weiter in Bayerns Schullandschaft einen geringen Stellenwert behalten, fasste MdL Strobl kritisch zusammen.