"Die Leute sagen immer, Politiker lügen uns an. Franz Müntefering mußte einen Rentenbericht vorlegen und seine Antwort war die Rente mit 67 er war ehrlich! Das kann man für falsch halten, auch ich bin kein Befürworter der Rente mit 67 - aber er war ehrlich!“ betonte MdB Florian Pronold, den stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender Hans-Jürgen Haas im Gasthaus Heldrich in Forsthof begrüßen konnte.
Hart im Nehmen mußte Pronold an diesem Abend sein, Stehvermögen beweisen gegen Genossenkritik und -schelte. Er sei gekommen um zu diskutieren, so der Abgeordnete, Meinungen und Stimmungen aufzunehmen, aber auch zu überzeugen, denn: "Wir dürfen als SPD den Kopf nicht in den Sand stecken, dazu gibt es keinen Grund - die große Koalition ist ja schließlich nicht das Ende der Geschichte“.
Was aber, so seine Frage, wäre die Alternative gewesen? Schwarz-Gelb- Grün: Da wäre die SPD Oppositionspartei, könnte schimpfen, besser wissen, "aber nicht besser machen und gestalten“. Und gegen Rot-Rot- Grün "sprechen schon Gysi und Lafontaine, die haben zu viele Gemeinsamkeiten mit Stoiber - wenn es darauf ankommt laufen sie weg.“
Im Koalitionsvertrag sei zur Gesundheitsreform keine Einigung erzielt worden, der Gesundheitfond ließe auch die Möglichkeit der Kopfpauschale offen, kritisierte Pronold und polemisierte: "Da hat sich die 400000-Euro-Spende der Allianz an die CSU bezahlt gemacht“.
Die SPD stehe weiter zur Bürgerversicherung "denn hier sind wir in der sozialen Verantwortung und wollen Besserverdienende nicht aus der Verantwortung entlassen. Bürgerversicherung, das heißt Beitragsabsenkung, stärkere Steuerfinanzierung zum Vorteil von Geringverdienern und Rentnern“.
Die Sozialdemokraten verhinderten im Koalitionsvertrag Verschlechterungen im Arbeitsrecht und beim Kündigungsschutz "denn das stand im Wahlprogramm der Union“, erinnerte er. Einen harten Kampf "mit Karacho“ habe er und Ludwig Stiegler, so führte Pronold aus, für den Erhalt der Pendlerpauschale geführt, halte die Absenkung für verfassungsrechtlich bedenklich.
Eine kleine Koalition CSU/SPD wäre im Flächenland Bayern zur Verhinderung nötig gewesen, aber "die scheinheiligen Schwarzen sprechen vom ländlichen Raum, weinen Krokodilstränen und bei der Abstimmung handeln sie auf Kauder-Befehl“.
Die Sozialversicherungssysteme sehe er nicht als Generationenkonflikt, "das ist ein Erwerbstätigen zu Nichterwerbstätigenvertrag“, die SPD stehe zur gesetzlichen Rentenversicherung, denn Aktien seien nicht die bessere sondern die gefährlichere Alterssicherung. "Unser Gesundheitssystem ist gut, macht die Leute älter, und das ist gut so“ übte er Kritik am Ausspruch der Jungen Union vom "Langlebigkeitsrisiko“. Jedoch stiegen die Beitragseinnahmen nicht in dem Maß "und nun ist ein Problem da, welches es zu lösen gilt“.
Atomausstieg, Energiepolitik, Grundsicherung, Mehrwertsteuer-Erhöhung, der "transparente“ Abgeordnete und der Kampf gegen Rechts waren weitere Themen die Pronold anschnitt. Kritik aus dem Gewerkschaftslager hielt er entgegen: "Mein politischer Schwerpunkt ist, die Mehrheit der Menschen in unserem Land zu vertreten und das sind lohnabhängig Beschäftigte und sozial Schwache“.