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Mali Bericht von MdL Reinhold Strobl

Veröffentlicht am 10.02.2007 in MdB und MdL

Mali – das klingt wie Bali. Viele Menschen können heute noch nichts mit dem Land Mali anfangen und verwechseln es allzu gern mit Bali, einer Insel mit Strand, Sonne und schönen Urlaubstagen. Dass Mali in der Sahelzone und südlich der Sahara liegt und zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, wissen nach wie vor nur sehr wenige.

Mali ist ein Land mit fast keinen Bodenschätzen, mit wenig Wasser und ausgedörrten Feldern. Das Durchschnittsalter der Menschen beträgt 49 Jahre. Von 1.000 Kindern sterben in den ersten Jahren nahezu ein Viertel. Auf rund 40.000 Menschen kommt ein Arzt. 80 Prozent der Menschen können weder schreiben noch lesen.

In diesem Land „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten, war von Anfang an das Ziel der LAG Mali-Hilfe, welche im Jahr 1982 vom damaligen Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags, Bertold Kamm, gegründet wurde. Seit einigen Jahren ist der Schnaittenbacher Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl stellv. Vorsitzender der Mali-Hilfe. Er hatte sich nun nach Weihnachten gemeinsam mit dem Vorsitzenden MdL Stefan Schuster und dem Sulzbach-Rosenberger Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt, Adolf Schatz, auf eine privat organisierte Reise nach Mali begeben, um sich vor Ort ein Bild von der Verwendung der Spendengelder zu machen.

Bevor die Gruppe sich auf staubigen „Wellblechpisten“ auf den Weg zu den abgelegenen Projektdörfern machte, war ein Gespräch in der Deutschen Botschaft in der Hauptstadt Bamako und den Partnerorganisationen angesagt, um sich aktuelle Informationen über das Land einzuholen. Schon im ersten Dorf wurde die Gruppe überrascht. Das ganze Dorf hatte sich eingefunden, um mit Tanz und Gesang die Gäste aus Deutschland zu begrüßen. Strobl: „Bei dieser Herzlichkeit läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Jeder will einem die Hand schütteln und dich begrüßen.“ Nachdem vor dem Schulgebäude durch die Kinder die malische Flagge gehisst wurde, kommt das übrige Begrüßungszeremoniell. „Zunächst überreichten wir an den Dorfältesten als Gastgeschenk Schreibsachen (welche Elastoform gestiftet hatte) für die Schule und Kolanüsse“ berichtet Strobl. Die kastanienförmige Nuss ist nicht nur wegen der anregenden Wirkung sehr beliebt, sondern auch weil sie Hunger und Durst vorübergehend unterdrückt und auch die Mattigkeit bei großer Hitze vertreibt. „Der extrem bittere Geschmack war jedoch nicht unsere Sache. Trotz der Armut der Menschen bekamen wir umgekehrt als Gastgeschenk insgesamt 19 Hühner und 2 Ziegen.“

In jedem Dorf gab es andere Überraschungen. Tanz und Gesang gehörte überall dazu. Mitzutanzen war Verpflichtung. In Sanamba zeigten die Jäger, dass sie nicht nur jagen, sondern auch Musik machen können und mutig sind, was sie dadurch unter Beweis stellten, dass einer von ihnen mit brennendem Stroh über seinen Körper strich. In zweitem Dorf wurde ein Maskentanz aufgeführt. Die dort gezeigten Sprünge waren Zirkusreif. Wiederum in einem anderen Dorf stach sich ein älterer Mann mit einer großen Nadel durch die Backe. „Als dieser die Nadel zeigend auffordernd auf mich zukam, muss ich wohl doch ein bisschen erschrocken geschaut haben, da die Frauen zu kreischen anfingen.“ Berichtet Strobl.

Zu einem Besuch in einem Dorf gehört natürlich auch eine Einladung zum Essen. „Die afrikanische Küche (z.B. Reis mit Erdnuss-Soße) ist gut“ berichten Adolf Schatz und Reinhold Strobl übereinstimmend. Allerdings müsse man sich erst an die Begleitumstände gewöhnen: Die Töpfe stehen am Boden. Im ersten Dorf gab es noch ein Besteck. Ansonsten essen alle mit der Hand gemeinsam aus einer Schüssel. Die Hühner würden dabei interessiert zusehen. Apropo Haustiere: Hühner, Ziegen, Rinder und Esel suchen sich überall selbst ihr Fressen und auch aufgrund der trockenen Böden entsprechend dürr. Sie sind aber praktisch der Reichtum der malischen Bevölkerung.

Im Dorf Sanamba hat sich die Mali-Hilfe gleich mehrmals engagiert. So werden dort die Frauen beim Gemüseanbau unterstützt, es wurde ein Brunnen gebaut und der Garten eingezäunt, es wird die Schule und dank einer Spende der AWO Auerbach auch die Alphabetisierung von erwachsenen Frauen unterstützt. „Aufgrund des Besuches in den Dörfern haben wir jetzt eine ganz andere Einstellung von der Lebenssituation der Menschen in diesem Land“ stellt Strobl fest. „Es gibt praktisch nichts. Die Menschen in diesem ausgedörrten Land leben ausschließlich von der Landwirtschaft und in Lehm- oder Strohhütten. Wasser ist Mangelware und muss von weither von selbstgebauten Brunnen geholt werden.“ Hier habe man durch den Bau von Brunnen in den Gärten bzw. durch den Bau von Trinkwasserbrunnen die Arbeit und das Leben enorm erleichtert. Die Mali-Hilfe mache jedoch nichts, was die Menschen nicht auch selbst wollten. Nur wenn die Menschen auch selbst mit Hand anlegen oder z.B. beim Bau einer Schule die Bezahlung von Lehrern durch die Kommune gesichert ist, werde die Mali-Hilfe tätig.

Ziel eines neuen Projekts sei die Förderung der Grundschulbildung und die Verbesserung der Lernbedingungen im Dorf Sanamba einschließlich der umliegenden vier Nachbardörfer durch den Bau und die Ausstattung eines Schulgebäudes mit drei Klassenzimmern. Damit ist die räumliche Voraussetzung für den Unterricht in einem Klassenraum pro Jahrgang der bis dato überfüllten Grundschule mit mehr als 100 Schülern pro Klasse geschaffen. Geplant ist auch die Errichtung eines Latrinenblocks, womit erstmalig eine sanitäre Infrastruktur für die Schüler geschaffen wird.

In 10 Dörfern des Landkreises Dioila hat die LAG Mali die Informationskampagne der malischen Frauenorganisation AMSOPT unterstützt. Sie klärt die Bevölkerung über die fatalen gesundheitlichen Folgen der Beschneidung von Mädchen auf. Während die Mädchen früher über 10 Jahre alt waren und die Beschneidung mit dem Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt begründet wurde, werden diese heute schon in den ersten Wochen beschnitten. Oft macht dies die Frau des Schmieds. Die Beschneidung gab es auch schon vor der Zeit der Islamisierung. Noch immer ist die Denkweise verbreitet, dass nur eine beschnittene Frau vollwertig ist. Wer nicht beschnitten ist, hat auch Schwierigkeiten, einen Mann zu bekommen. Dass nun in den Dörfern seit Beginn des Projektes keine Mädchen mehr beschnitten wurden und die Dorfältesten versichern, dass solange sie leben, keine Mädchen mehr beschnitten werden, ist natürlich erfreulich. „Erfolg werden wir auf Dauer aber nur dann haben, wenn es uns gelingt, immer mehr Dörfer in das Projekt einzubeziehen“, stellt Strobl fest.

200 km von der Hauptstadt Bamako entfernt, in Bassibougou, ist der geplante 0,25 ha große Gemüsegarten mit einem Brunnen, in dem ebenfalls eine Baumschule zur Wiederaufforstung integriert wird, eingezäunt. Hier hat die erste Anbauperiode bereits begonnen. Allerdings ist die bisherige Fläche zu gering, um allen interessierten Frauen aus dem Dorf eine lukrative Bewirtschaftung zu ermöglichen. Strobl und Schatz: „Fazit der Reise ist nicht nur, dass mit den Spendengeldern gute Ergebnisse erzielt worden sind. Die ermutigenden Resultate haben sich auch in Mali herumgesprochen und aus den Nachbardörfern kommen Anfragen, ähnliche Projekte durchzuführen. Unsere Hilfe zur Selbsthilfe muss fortgesetzt und ausgedehnt werden.“

Spendenkonto:

LAG Mali e.V. Raiffeisen Volksbank Fürth, BLZ 762.604.51, Konto: 59.005

Bilder:

Jäger und Feuer / Mali

- Jäger und Feuer: Eine wichtige Gruppe im Dorf sind die Jäger. Unser
Bild zeigt die mutigen Jäger mit ihren Musikinstrumenten bei einem
Tanz.

Gemüseanbau - Mali

- Gemüseanbau: Mit einfachsten Geräten bewirtschaften die Frauen ihre Gärten, die sich in einem sehr gepflegten Zustand zeigten. Der Gemüseanbau dient der eigenen Versorgung, aber auch der Schaffung eines geringfügigen Einkommens für die Frauen.

Empfang in Mali

- Überwältigender Empfang: In jedem Dorf wurde die Gruppe von einer Menschenmenge mit Tanz und Gesang empfangen. Die Frauen zeigten sich in ihren farbenprächtigen Kleidern.

Adolf Schatz in Mali

- Schatz Adolf: Sichtlich wohl fühlten sich die Kinder beim „weißen Mann“ (Adolf Schatz).

Landkarte Mali

- Landkarte: Gut die Hälfte der Staatsfläche ist Sahara. Mit 1 240 192 Quadratkilometern ist Mali dreieinhalbmal so groß wie Deutschland (nach der Vereinigung). Von den inzwischen über 10 Millionen Einwohnern leben die meisten im Süden des Landes, der etwa 1.500 Kilometer lang vom Niger durchflossen wird.

Reifenpanne - Mali

- Reifenpanne: Gottseidank nur eine Reifenpanne, die schnell behoben werden konnte. Ansonsten wäre stundenlanges Warten in der Sonne auf der Staub-Piste angesagt gewesen.

Beschneidung - Mali

- Beschneidung: Auch mit Plakaten wird Werbung für eine Einstellung der Beschneidung gemacht. Unser Bild zeigt die beiden Vorsitzenden MdL Schuster und MdL Strobl mit Projektleiterin Gudrun Kahl.

Ausstattung Schule

- Ausstattung einer Schule: Mit einfachsten Mitteln wird an den Schulen unterrichtet.

Schubkarren-Mali

- Schubkarren: Schubkarren und Gartengeräte erleichtern den Frauen die Arbeit in ihren Gärten. Um den Gemüseanbau vor Tieren zu schützen, müssen die Gärten eingezäunt werden. Gäbe es nicht den von der Mali-Hilfe geförderten Brunnen, müssten die Frauen einen weiten Weg zurücklegen, um Wasser zu holen.

Reinhold Strobl, MdL

Tel. 09622 - 70 36 36
Fax. 09622 - 70 36 35
Internet: www.reinhold-strobl.de

 

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