Mit einem Anschreiben an die örtlichen Gymnasien greift der Abgeordnete Reinhold Strobl (SPD) in die Diskussion um die Reform der gymnasialen Oberstufe ein.
Strobl, Mitglied des Bildungsausschusses des Bayerischen Landtags, tritt für eine offene Diskussion ein, damit das Abitur künftig nicht nur den qualitativen Anforderungen entspricht, sondern auch die individuelle Leistungsfähigkeit der Schüler widerspiegelt.
„Nach mehr als einem Jahrzehnt der Diskussion hat das bayerische Kabinett am Dienstag dieser Woche einen Entwurf zur Oberstufenreform des achtstufigen Gymnasiums beschlossen“, so Strobl, „Doch ob damit das bayerische Abitur qualitativ und inhaltlich den Prämissen einer breiten Allgemeinbildung und Zukunftsfähigkeit genügen wird ist mehr als fraglich.“
Der Vorschlag der Regierung sehe eine Erhöhung der Stundenzahl, die kompromisslose Verpflichtung auf Kernfächer und die gleichzeitige Schwächung der allgemeinbildenden Fächer wie Chemie und Erdkunde vor. Dabei würden die individuellen Begabungen der Schüler stark in den Hintergrund gedrängt, da sie nicht mehr die Möglichkeit haben, ihre Stärken in bestimmten Fächern in Leistungskursen auszubauen und zu nutzen. Zudem werde die Gleichgewichtung der einzelnen Fächer faktisch abgeschafft.
„Das Abitur selbst wird durch die Reform deutlich schwerer“, betont Strobl, „weil die Kernfächer Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache für alle Schüler verbindlich sind. Individuelle Schwachpunkte, wie sie oft in diesen Fächern auftreten, können dann nicht mehr durch Leistungen in anderen Fächern kompensiert werden.“
Zentraler Punkt der Kritik an dem Konzept der Oberstufenreform sei jedoch die extreme Belastung, die den Schülerinnen und Schülern auferlegt wird. Strobl: „Eine durchschnittliche Stundenzahl von 34 Stunden mit Pflichtfächern wie Deutsch, Mathematik, Fremdsprache und anderen, dazu Hausaufgaben, Referate, Vorbereitung auf Prüfungen und Leistungsdruck lassen kaum noch Freiräume zu und führen eher zur Überforderung der jungen Menschen als zur Entfaltung ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit.“
Strobl sieht den einzig sinnvollen Weg darin, die bayerischen Gymnasien zu echten Ganztagesschulen mit rhythmisierten Tagesabläufen umzubauen. Hier könnten sich im Tagesverlauf Üben und Lernen sinnvoll mit Bewegungs- und Erholungsphasen abwechseln und so unter dem Strich auch zu besseren schulischen Resultaten führen, meint Strobl: „Fachliche pädagogische Begleitung bei den Hausaufgaben und der Prüfungsvorbereitung sind in jedem Fall zielführender als der bisherige Weg, bei dem den Eltern diese Aufgabe übertragen wird, egal ob sie dies zeitlich, fachlich oder finanziell auch können.“
„In seiner jetzt vorgestellten Form ist das Konzept zur Reform der gymnasialen Oberstufe eher ein Rückschritt als der erhoffte und dringend benötigte Schritt zu einer zukunftsfähigen Qualifikation der Schüler“, betont der oberpfälzer Politiker. „Schon seit vielen Jahren braucht Bayern mehr Abiturienten und nicht weniger. Das kann nicht durch die vorgestellte Oberstufenreform geschehen, bei der noch schärfer als bisher, nach fragwürdigen Kriterien ausgesiebt wird.“