"Eine gute Sozialpolitik ist immer noch die beste Kriminalpolitik"
„Die Jugendkriminalität,“ gab sich der ehemalige Bundesinnenminister MdB Otto Schily bei einer Podiumsdiskussion der Hirschauer Sozialdemokraten überzeugt, „kommt nicht alleine aus der Sozialisation, da ist auch ein Stück Eigenverantwortung dabei – die große Mehrheit unserer Jugendlichen ist rechtstreu“.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch sei nach seiner Meinung nicht alleine durch seine populistischen Sprüche, weil er den Bogen überspannt habe, gescheitert. „
Koch scheiterte unter anderem auch durch seine falsche Schulpolitik“.
Wer Kindern und Jugendlichen durch Schulstress, zielte Schily auf die G8 ab, allen Freiraum nehme, diese dann in die virtuelle Welt „
mit ihrer negativerstärkenden Wirkung auswichen“, schwäche deren Persönlichkeit. Dass Vorsorge besser sei als Nachsorge, betonte Schily in seinem Statement, „
und das gilt für alle Felder der Politik, ob Finanzpolitik, Sozialpolitik oder Kriminalpolitik“. Dabei sei die beste Kriminalpolitik immer noch eine gute Sozialpolitik.
Auch seien alle Möglichkeiten der Prävention in Betracht zu ziehen, „
denn Prävention kann und muss in der Realität des Alltags, in der Familie, dem Kindergarten und der Schule stattfinden“. Als wichtig erachte er die Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und auch der Polizei. Er setze auch auf die kulturelle Prävention, so Schily, und kritisierte: „
Wer Musikschulen schließt schadet der inneren Sicherheit, denn musikalische Betätigung gehört zum Persönlichkeitsaufbau“.
Jugendkriminalität und deren Prävention sei ein Thema, das alle Demokraten anrühren müsse, damit die Volksverführer nicht zum Zuge kämen. Den Investitionsgedanken verändern sei notwendig, denn die wichtigste, die vernünftigste Investition sei die „
in unsere Fähigkeiten, das sind unsere Ressourcen Erziehung, Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen bis in die Forschung hinein.“
In der Diskussion betonte MdB Otto Schily, dass nach seiner Meinung zu viel Zwang in der Erziehung gefährlich sein könne, dass mehr Überzeugungsarbeit gefordert sei. Zusammenfassend sagte er abschließend „
Der Mensch besteht nicht nur aus Verstand, deshalb ist auch die emotionale Erziehung wichtig. Empfindungen können ein Leben lang begleiten“.
Zitate aus der Podiumsdiskussion mit MdB Otto Schily:
- „Mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch rechtspopulistischen Sprüchen wurde das Thema losgetreten. Roland Koch wird gehen – das Thema bleibt“.
Hirschaus 2. Bürgermeister und SPD-Ortsvorsitzender Günther Amann
- „Jugendliche werden nicht als Kriminelle geboren., sie werden es durch falsche Erziehung.Stigmatisierung und Ausgrenzung sind durch Förderung und Betreuung zu ersetzen“,
Alois Fraunholz, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, Regensburg
- „Die Möglichkeiten, die das Jugendstrafrecht bietet, reichen aus. Die Gerichte müssen jedoch schnell reagieren“.
Werner Cermak, Richter
- „Die Politik lauft den Dingen nach bevor sie vorausschreitet. Kinder, und das geht schon im Kindergarten los, werden als Kostenfaktor gesehen.“
Diakon Erich Böllner, Leiter des Ernst-Nägelsbach-Hauses, Sulzbach-Rosenberg
- „Die Ganztagsbetreuung wäre eine gute Präventionsmöglichkeit, wird aber vom Kostenfaktor aus betrachtet. Der mobile sonderpädagogische Dienst, eine gute Sache, ist nur ein Tropfen auf einen heißen Stein“.
Albert Rösch, Rektor der Hirschauer Schule
- „Hilfestellung leisten, die Verantwortung Lösungen zu finden und nicht Populismus ist die Aufgabe von Politikern.“
MdL Reinhold Strobl, Schnaittenbach
- „Gute Sozialpoltik ist weitaus besser als Aufarbeitung durch die Justiz“.
Landrat Armin Nentwig
Ein Beitrag von Hubert Söllner